Jahrgang 
1929
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stürmische Beifall ließ deutlich erkennen, welche Macht diese wundervolle Wiedergabe der Schubertschen Werke auf die Zuhõrer ausübte. Dem Unterzeichneten ist es eine gern erfüllte Pflicht, Frau Dr. Kalischek und Studienrat Fritsche, letzterem zugleich auch für die künstlerische Ausgestaltung der anderen Schulfeiern, an dieser Stelle noch einmal den herzlichsten Dank auszusprechen.

6. Auch die Weihnachtsfeier am 21. 12. wurde gemeinsam mit den Eltern begangen. Großen jJubel erregte das MärchenspielFundehans, das die Sextaner unter Leitung von Sportlehrer Hagelauer vorführten. Die Ansprache hielt der Unterprimaner Deutsch. Von besonderer Wirkung waren die Rezitationen der Unterprimaner Groitzsch, Stritter und Autor, die von musikalischen Darbietungen des Chores umrahmt wurden. Mit dem gemein- samen ChorO du fröhliche schloß die überaus stimmungsvoll verlaufene Feier.

7. Die Lessinggedächtnisfeier wurde am 22. 1. in der 6. Stunde im Rahmen der kleinen Schulgemeinde begangen. In tiefdurchdachter Rede feierte Studienrat Henche Lessing als den Denker, besonders den heldenhaften Vorkämpfer der großen neuzeitlichen Ideen der Humanität und wies im einzelnen die Gedanken nach, die durch Lessings Wirksamkeit zu unverlierbaren Bestandteilen des deutschen Kulturgutes geworden sind.

8. In dem evangelischen Religionsunterricht wurde in den Stunden vor dem Sonntag Epiphanias die Bedeutung von Luthers kleinem Katechismus, der vor 400 jahren erschien, eingehend gewürdigt.

0. Zum Andenken an den am 2. 10. verstorbenen Oberschullehrer VÖöII versammelte sich die große Schulgemeinde am 13. Oktober in der Aula. Nach dem einleitenden Trauer- marsch von Beethoven, vorgetragen am Klavier durch Studienrat Fritsche, gab der Unter- zeichnete ein Bild des Entschlafenen und feierte ihn als den pflichtgetreuen, von innigster Liebe zur Jugend erfüllten Lehrer und liebenswürdigen Menschen. Die Gedenkfeier schloß mit dem vom Chor gesungenen Crablied von Cornelius.

10. Einen weiteren schmerzlichen Verlust hatte die Schule am 21. Januar zu beklagen. Beim Skilaufen verunglückte tödlich der Untertertianer Hans Witter, der Vertrauensmann seiner Klasse, ein Schüler, der nicht nur wegen seiner guten geistigen Fähigkeiten, sondern vor allem wegen seines zähen Willens und seiner Begeisterungsfähigkeit zu großen Hoffnungen berechtigte. Bei seiner Beerdigung waren außer seinen Klassenkameraden zahlreiche Mit- schüler, die meisten Lehrer und eine große Anzahl Eltern anwesend. In bewegten Worten gedachte der Ordinarius, Studienrat Dr. Neumann, auf dem Friedhofe des bei Lehrern und Schülern gleichmäßig beliebten verstorbenen Kameraden und legte einen Kranz an seiner Bahre nieder. Der Schülerchor sang ihm unter Leitung von Studienrat Fritsche zum letten Gruß einige Lieder ins Grab nach.

11. Einen interessanten literarischen Versuch stellte die Aufführung des Faustspieles am Abend des 14. Januars dar. Von Studienassessor Dr. Herke aus alten Puppenspieltexten zusammengestellt, gab es einen klaren Einblick in das alte deutsche Schauspiel. Die Darsteller, die sämtlich der Ulrg angehörten, entledigten sich ihrer Aufgabe mit großer Gewandtheit; besonders gefiel der Kasperl, den der Unterprimaner ung mit prächtigem Humor und mit darstellerischem Geschick spielte. Die Aula war wohl niemals an einem Abend so besetzt wie an diesem. Die Aufführung wurde noch zweimal wiederholt, am folgenden Tage in Wiesbaden bei einem Feste der Schriftstellervereinigung und kurze Zeit nachher in der Aula der Riehlschule für die reiferen Schüler und Schülerinnen der Volksschulen.

12. Waren bei dem Feste derVereinigung der Freunde der Riehlschule am 5. 1. 20 die Lehrer der Anstalt und die Angehörigen der oberen Klassen zu Gaste gewesen, so bot der am 5. 2. im Hotel Bellevue von der Schule veranstalteteBunte Abend willkommene Gelegenheit, diese Gastfreundschaft zu erwidern. Die Vorbereitung und Durchführung des Abends hatten ausschließlich die Schüler übernommen. Mit lebſiaftem Vergnügen folgten die Teilnehmer den humoristischen Darbietungen. Zum Schluß vereinigte ein kleiner Ball Cäste und Mitwirkende noch für einige Stunden. Die Musik hierzu stellte eine aus Schülern der Ollr zusammengesetzte moderne Kapelle, die sich ihrer Aufgabe glänzend entledigte.