Jahrgang 
1929
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für Berufsberatung B 4:Der Volksschullehrer von Akademiedirektor Dr. Karl d eläen in Elbing, zu beziehen durch den Verlag Trowitzsch u. Sohn in Berlin SVW 48, Wilhelmstraße 2 gegen Vor- einsendung von 35 Rpf.

Das Ainepwotzerneeſe ist bis spätestens 10. März 1929 unmittelbar an eine der Pädago- gischen Akademien zu richten. Beizufügen sind:

1. ein læbenslauf mit Angabe des Bekenntnisses,

2. eine beglaubigte Abschrift des Reifezeugnisses einer neunstufigen höheren Lehranstalt oder eine Bescheinigung des Anstaltsleiters über die bestandene Reifeprüfung oder über ihr voraussichtliches Bestehen,

3. ein Gesundheitszeugnis eines zur Führung eines Dienstsiegels berechtigten Arztes,

ein amtlicher Ausweis über die Staatsangehörigkeit,

5. ein polizeiliches Führungszeugnis, falls seit der Erlangung des Reifezeugnisses mehr als ein halbes Jahr verstrichen ist.

Bald nach Ablauf der Meldefrist werden die Bewerber, die für die Aufnahme in Betracht kommen, zu einer Prüfung ihrer musikalischen. Kenntnisse und Fertigkeiten am Akademieort ein- berufen. Die Bewerber müssen mit der allgemeinen Musiklehre vertraut sein, ein einstimmiges schlichtes Motiv nachsingen und niederschreiben, ein einfaches Iied vom Blatt und cine Anzahl Volks- lieder auswendig singen können. Im Spiel eines der drei Instrumente Geige, Klavier und Orgel müssen die Grurdlagen vorhanden sein.

Ob in besonckeren Fällen von der Forderung hinreichender turnerischer, musikalischer und technischer Vorbildung abgesehen werden kann, werde ich auf besonderen Antrag der Akademien nach erfolgter Aufnahmeprüfung entscheiden. PBecker.

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7. Ministerialerlaß vom 22. Januar 1929: Merkblatt für die Schüler höherer Lehr- anstalten, die ein technisch-wissenschaftliches Fach zu studieren wünschen.

8. Verfügung des Magistrats(Schulverwaltung) vom 20. Februar 1929: Den Schülern der höheren Lehranstalten soll eröffnet werden, daßs das Unterstellen von Fahrrädern in der Schule auf ihre eigene Gefahr erfolgt und daß die Stadt künſtig bei Fahrraddiebstählen keinerlei Haftung übernimmt.*)

VIII. Mitteilung an die Eltern.

Niemals hat die Frage der Berufswahl unserer Jugend und deren Eltern solche Sorgen gemacht wie gerade heute. Wie die derreffenden Angaben der Jalhresberichte unscrer hôheren ScInen und dic gewaltigen Zahlen der die Universititen und Hochschulen besuchenden Studenten zeigen, wählen gegen- wärtig ei weitem dic meicten jungen Leute, die die höhere Schule mit dem Zeugnis der Reiſe ver- lassen, ein Universitätsstudium. Dem gegenüber muß offen gesagt werden, daß, abgcschen von Theo- logie, zur Zeit alle akademischen Berufe überfüllt sind. Besonders vof dem Studium der Philologie kann nicht nachdrücklich genug gewarnt werden. Einem akademischen Berufe sollte sich jetzt nur der- jenige zuwenden, der in sich dazu eine unverkennbare innere Berufung fühlt, d. h., derjenige, bei dem sich eine Karke innere Neigung mit einer ausgesprochenen Leitungsfähigkeit verbindet. Viel mehr als bisher sollten sich tüchtige Abiturienten im werktätigen Leben, im Handel, in der Industrie eine Stellung suchen. Hier sind dic Möglichkeiten zum Vorwärtskommen ofl günstiger als in einem aka- demfschen Berufe. Dic Vielgestaltigkeit unserer heutigen Zivilisation und Rultur hat cine schr große Zahl der verschicdensten Berufe hervorgebracht, von denen manche den meisten Menschen unbel annt sind. Wir empfehlen deshalb den Eltern dringend, bevor sie für ihren Sohn die Berufsfrage entscheiden, sich vorher rechtzeitig mit dem hiesigen Berufsberatungsamt(Leiter Dr. Kutzner) in Verbindung zu setzen, das ihnen zu jeder Zeit die erforderlichen Unterlagen für die Arten und Aussicnen der verschie- denen Berufe geben wird..

*) Um Diebstähle nach Möglichkeit zu verhüten, hat die Schule für die Unterbringung der Fahrräder einen verschließbaren Raum zur Verfügung gectellt.