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gestaltet, der Umkleideraum wurde frisch gestrichen. Dank dem Entgegenkommen der Schulverwaltung sind so unsere die Herrichtung der Schulgebäude betreffenden Wünsche im wesentlichen erfüllt. Einiges bleibt noch den kommenden jJahren vorbehalten. In unserm Lichtbilderraum befindet sich seit einigen Monaten ein vom Herrn Minister geschenkter Radioapparat, der unterrichtlichen Zwecken dienen soll.
Die Lehrer- und Schülerbüchereien sowie die wissenschaftlichen Sammlungen(biologische, physi- kalische, chemische, erdkundliche, geschichtliche, kunstgeschichtliche SBammlung und Sammlung des Zeichen- saals) wurden nach Maßgabe der vorhandenen Mittel vervollkommnet. In der Lehrerbücherei wurden 50, in der Schülerbücherei 25 Bände neu angeschafft, ferner wurden in beiden Sammlungen 4 Bücher als Geschenke des Herrn Ministers und des Provinzialschulkollegiums in Zugang gebracht. Einige ver-— altete oder verschlissene Bücher wurden ausgeschieden.
VI. Geschichte der Anstalt.
1. Das Schuljahr begann Dienstag, den 17. April, mit den Aufnahmeprüfungen der neu an- gemeldeten Schüler. Am nächsten Tage vormittags 8 Uhr versammelten sich Lehrer und Schüler im Saal. Der Direktor teilte die wichtigsten Bestimmungen der Schul- und Hausordnung mit und gab die Veränderungen im Lehrkörper bekannt(vgl. S. 12). Hierauf begann der planmäßige Unterricht.
2. Unsere 434 Schüler[vgl. Schülerverzeichnis, über Zu- und Abgänge vgl. S. 13] wurden in 15 Klassen von 22 festangestellten Lehrkräften unterrichtet.
3. Die Ferien dauerten: Ostern vom 31. März bis zum 17. April, Pfingsten vom 25. Mai bis zum 5. Juni, im Sommer vom 19. Juli bis zum 21. August, Weihnachten vom 22. Dezember 1928 bis zum 8. Januar 1929.
4. Am 14. Juni besuchten die Klassen UIl bis Ol die Porzellanausstellung im Paulinenschlößchen.
5. Wegen großer Hitze fiel der Unterricht nach der 4. Stunde aus am 12. und 17. Juli, nach der 3. Stunde am 13., 16. und 18. Juli.
6. Am 14. Juli starb infolge eines Unglücksfalles ein begabter, braver Schüler der Anstalt, der Obertertianer Günther Gies. Er geriet beim Baden im Schiersteiner Strandbad an eine tiefe Stelle und ertrank, da er nicht schwimmen konnte. Eifrige Rettungsversuche waren erfolglos geblieben. Lehrer und Mitschüler bedauern herzlich den frühen Tod dieses lieben Jungen.
7. Am 16. Juli wohnte Herr Dr. Achtinen aus Finnland dem ÜUnterricht in einigen Klassen bei, um Erfahrungen für die Gestaltung des Unterrichts, insbesondere des deutschen, in Finnland zu sammeln.
8. Am 19. Juli fand im Saal eine Verfassungsfeier statt. Studienrat Dr. Gerhard hielt die Festrede. Gesang und Gedichtvortrag umrahmten die Rede.
9. Am 16. Oktober besuchte der Dezernent der Anstalt, Herr Oberschulrat Prof. Dr. Zühlke, unsere Schule und wohnte in mehreren Klassen dem OUnterricht bei.
10. Am 12. Januar 19290 sprach Herr Dr. von Papen auf Grund eigener Erlebnisse über Land und Leute von Turkestan(Buchara). Gute Lichtbilder veranschaulichten wirksam die Ausführungen des Redners.
11. Am 12. Januar 1929 starb kurz nach Vollendung des 70. Lebensjahres der Vorschullehrer i. R., Herr Karl Schauß. 30 Jahre lang hat er zum Segen der ihm anvertrauten Jugend an unserer Anstalt gewirkt. Reiches Wissen und Können, besonders auf musikalischem Gebiete, auf dem er als fruchtbarer Komponist Bedeutendes geleistet hat, sowie sein schlichtes, bescheidenes Wesen erwarben ihm die Hochachtung und Liebe seiner Schüler und die Wertschätzung seiner Mitarbeiter. Unter überaus zahlreicher Beteiligung von Freunden und Bekannten wurde der Verstorbene am 16. Januar 1929 zur letzten Kuhe geleitet. Der Direktor würdigte bei der Bestattungsfeier die großen Verdienste des ehemaligen Amtsgenossen und legte im Namen des Lehrkörpers eine Kranzspende an der Bahre des Entschlafenen nieder.
12. Am 22. Januar 1929 versammelten sich Lehrer und Schüler im Saal zu einer Lessing— Feier(200. Geburtstag). Der Chor brachte zunächst zwei Lieder zu Gehör. Dann würdigte Stu- dienrat Dr. KRoemer in längeren Ausführungen Lessing als Dichter, Schriftsteller und Menschen. 2 Ober- sekundaner trugen aus dem„Nathan“ die Unterredung zwischen Saladin und Nathan mit der Ring-— parabel als Kernstück vor.
13. Wegen der stark auftretenden Grippe und zur Ersparung von Brennstoffen waren in der Zeit vom 19. Februar bis zum 2. März 1929 alle städtischen Schulen geschlossen.
14. Am 1. und 2. März 1929 fand unter dem Vorsitz des Direktors und im Beisein des
Büchereien, wissenschaft- liche
Sammlungen.


