Giebelhäuser und die den Platz beherrschende Frauenkirche erregten unsere Bewunderung. Sie wurde natürlich be- sichtigt und danach die Lorenzkirche mit all ihrer Schönheit. Dann gingen wir in die Sebalduskirche, in der Peter Vischer das großartigste Denkmal seiner Kunst aufgestellt hat, das Sebaldusgrab. 3
Der Abend sah uns gemütlich vereint bei dem würzigen bayrischen Bier, denn der nächste Tag sollte uns ja wieder nach Hause bringen. Den noch freien Vormittag benutzten wir zu einer Besichtigung des Germanischen Museums, das
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mit seinem reichen, kunst- und kulturgeschichtlich so be- deutungsvollen Inhalt Kunde gibt von deutscher Kultur, deutscher Art und deutschem Schaffen. Die Dürer-Aus- stellung, durch die Nürnberg seinen großen Meister ehrt, gab einen Oberblick über die vielen Gebiete der Kunst, in denen Dürer Meister und seinen Nachfolgern Vorbild war. Nun schlug unsere Abschiedsstunde. Wir nahmen mit die Erinnerung an all das Schöne, das wir in so reichem Maße in einer kurzen Zeit geschen hatten, das Bewußtscin der Größe unseres Vaterlandes. W. Liese, UI.
In den Herbstferien fanden Schüler der Mittel- und Oberstufe gastliche Aufnahme im Jugend- und Erholungsheim des Siiddeutschen Fußball- und Leichtathletik-Verbandes zu Ettlingen[Schwarzwald]. Den Verlauf dieser Erholungstage schildert nachfolgender Bericht:
Schon am letzten Schultage vor den Herbstferien ver- ließen wir mittags, wohl ausgerüster für die kommenden Tage, Wiesbaden mit dem Zuge, der uns in den Schwarz- wald bringen sollte.
Wir waren 43 an der Zahl— aus den verschiedensten Klassen, von Untertertia bis Oberprima— und freuten uns alle mächtig auf den leichtathletischen Kursus im Sportsheim „»Wilhelmshöhe“ bei Ettlingen, zu dem uns Herr Dr. Raßbach bringen wollte. Schon in Karlsruhe wurden wir von Herrn Brechen macher, dem Sportlehrer und Leiter des Heims, be- grüßt. Die meisten von uns kannten ihn schon, da er einige Wochen vorher in Wiesbaden in unserer Schule uns eine Gymnastikstunde gegeben hatte. Außerdem war den Sport- interessierten der Name Brechenmacher als der eines hervor- ragenden Sports- und Rekordmannes im Kugelstoßen nicht unbekannt. Unsere Erwartungen, die wir uns von dem Heim und seiner Umgebung gemacht hatten, wurden bei unserer Ankunft weit übertroffen. Auf halber Höhe in prachtvoller, waldiger Lage schaut das Heim mit seinem schloßähnlichen Turm auf das Städtchen Ettlingen hinunter und weithin in die Ebene nach Karlsruhe zu.
Gleich am nächsten Tage, nach der Morgengymnastik, wurden das Gewicht und die Fassungskraft der Lunge mit Spirometer gemessen, und nun begann in den folgenden Tagen ein fröhliches Leben und Treiben innerhalb und außerhalb des Heims. Der Tageslauf war genau geregelt: Morgens um 8 Uhr wurde aufgestanden. Dann folgte eine gründliche Wascherei und Planscherei in dem wundervoll cingerichteten Waschraum. 8,45 Uhr Frühstück. Auf dem Platz vor dem Heim wurde dann in Reih' und Glied ange- rreten, und die gymnastischen UÜbungen unter Leitung von Herrn Brechenmacher begannen. Ubungen mit dem Spring- seil, mit dem Medizinball, mit den Hanteln wechselten mit anderen Ubungen ab. Gelegentlich wurde auch einmal ein kleiner Waldlauf gemacht. Nach der Gymnastik brausten wir uns warm ab und hatten dann Freizeit bis zum Mittag- essen. Zuerst waren wir nicht ganz damit einverstanden, daß nach Tisch eine anderthalbstündige Bettruhe folgen sollte, aber in der Folgezeit lernten wir sie doch schätzen. Von 3— 4 Uhr, nachdem wir uns erst mit Milch und Brötchen gestärkt hatten, kam dann die Leichtathletik daran: Hoch- sprung, Weitsprung, Kugelstoßen, Speer- und Diskus- werfen, Laufen.
Die liebenswürdige, kameradschaftliche Art und Weise, mit der Herr Brechenmacher sich jedes einzelnen annahm, vor allem aber seine fabelhafte„Revolutions- und Explo- sionsmethode“, das„Battericeinschalten“, das plõtzliche, ruck- mäßzige, explosionsmäßige Zusammenreißen aller geistigen und physischen Kräfte, welches die sportliche Hochleistung verlangt, alles das hat auf uns einen unauslöschlichen Ein- druck gemacht und uns zur Nacheiferung angefeuert.
Der Rest des Nachmittags und die Zeit nach dem Abendessen war zur Selbstbeschäftigung freigegeben. Uber Langeweile brauchte man selbst bei Regenwetter nicht zu klagen. Den verschiedensten Wünschen und Bedürfnissen war Kechnung getragen. Im Lesezimmer stand reichlich Lektüre zur Verfügung, und wer zum Lesen keine Lust hatte, hörte Radio, spielte Billard oder Tischtennis oder ver- trieb sich die Zeit im Gymnastiksaal. Auch die Tennis- spieler kamen zu ihrem Recht, da sich ganz nahe bei dem Heim ein Tennisplatz befindet, auf dem zuletzt sogar ein Tennisturnier ausgetragen wurde. Bei schönem Wetter konnte man auch auf der wundervollen Terrasse sitzen, was besonders abends sehr schön war, wenn die Lichter von Ettlingen aus der dunklen Ebene heraufblitzten und die düsteren Schwarzwaldberge sich massig und geheimnisvoll gegen den hellen Sternenhimmel abhoben.
Bei unserer praktischen sportlichen Tätigkeit wurde auch die Theorie nicht ganz vergessen. Ab und zu fand nach-
mittags ein Vortrag des Arztes statt, oder es wurden Films
oder einfache Lichtbilder vorgeführt.
Nach dem Abendessen gingen wir häufig ins Städtchen hinunter, oder es wurden auch gemeinsame Gesellschafts- spiele gemacht. Für Abwechslung und Unterhaltung war also reichlich gesorgt, und es wird sich wohl kaum einer während der 10 Tage, die wir da waren, gelangweilt haben. Im Gegenteil, wir können alle sagen, daß der Aufenthalt sehr interessant war und daß wir in sportlicher Hinsicht viel gelernt haben.
Zum Schluß möchte ich noch auf das hinweisen, was Herr Brechenmacher uns zum Abschied sagte, nämlich, daß wir uns eins mitnehmen sollten, den Geist, den rechten Sportgeist, der, wie ja überall im Leben der Geist herrschen solle, im Sport die Hauptsache sei. Diesen Geist kennzeichnete er mit dem Ausspruch:„Seid hart gegen euch selbst, aber nett zu den andern!“* Conradi, OlI.
Der allgemeine Gesundheitszustand der Schiiler war befriedigend, etwa dem der Vorkriegszeit ent- sprechend, einzelne Folgeerscheinungen der Kriegs- und Inflationszeit ausgenommen. Die Schülerunter- suchungen finden in einem eigenen Untersuchungszimmer mit anschließendem Warteraum statt, das von der Schulverwaltung in guter, jedem Wunsche entgegenkommender Weise eingerichtet worden ist. In der ärztlichen Versorgung der Schüler trat mit Anfang des Schuljahres insofern eine Anderung ein, als
die schulärztliche Tätigkeit von da an hauptamtlich ausgeübt wurde.
Es besteht seitdem die„schul-
irztliche Untersuchungs- und Elternberatungsstelle(F. Stadtamt 277),“ die Montags, Dienstags, Donners- tags und Freitags nachmittags von 3 Uhr ab für die Schüler und deren Eltern zur Beratung und Unter-
Gesundheics- zustand


