14—
zu diesem Zweck hergerichtet worden, und am 23. November musste auch unsere Anstalt geräumt werden, um nebst Vorschulgebäude und Turnhalle als Landsturmkaserne zu dienen. Das städtische Realgymnasium nebst Vorschule wurde von diesem Tage ab in das Gebäude der städt. Oberrealschule am Zietenring verlegt und teilte sich mit dieser Anstalt derart in die Unterrichtsräume, daß das Realgymnasium den Unterricht an den Nachmittagen der ersten drei und den Vormittagen der letzten drei Wochentage abhielt, während die Oberrealschule umgekehrt verfuhr. Für den Unterricht in Physik und Chemie standen den Klassen I und O II außerdem die Räume unseres Neubaus an der Karlstraße zur Verfügung, wo auch noch einige weitere Lehrstunden ausserhalb der halbtägigen Unter- richtszeit gegeben wurden. Natürlich hatte diese Einrichtung mancherlei Unbequemlich- keiten für Lehrer und Schüler im Gefolge; sie bedeutete für die meisten einen weiteren Schulweg, eine ungünstigere Zeiteinteilung, aber im Hinblick auf die Not der Zeit waren Opfer nötig, und sie wurden auch im ganzen willig ertragen. Herrn Oberrealschuldirektor Dr. Höfer, der es ermöglichte, daß in demselben Schulhause zwei höhere Schulen friedlich nebeneinander ihrer Arbeit nachgehen konnten, sei an dieser Stelle der Dank unseres Kollegiums ausgesprochen!
Abgesehen von diesen durch den Weltkrieg herbeigeführten und in das Schulleben tief eingreifenden Verhältnissen ist für die Geschichte unserer Anstalt besonders erwähnens- wert der Umbau der Räume im I. Stockwerk. Nachdem im vorigen Jahre der schmucke Neubau an der Karlstrasse eröffnet war und die für den chemischen, physikalischen und naturkundlichen Unterricht bestimmten Lehrsäle und Sammlungsräume aufgenommen hatte, war im Hauptgebäude soviel Platz frei geworden, dass die längst als dringend notwendig erachtete Erweiterung des Konferenzzimmers nebst Schaffung von Nebenräumen (Elternsprechzimmer und Lehrer-Arbeitszimmer) in diesem Jahre bewirkt werden konnte. Das Amtszimmer des Direktors nebst Vorzimmer wurde nach der Westseite des Schul- gebäudes an die Stelle des ehemaligen physikalischen Lehrzimmers verlegt. Um die gediegene und praktische Einrichtung dieser neuhergerichteten Räume hat sich Herr Stadtbaurat Grün verdient gemacht. Auch den städtischen Körperschaften sei an dieser Stelle der Dank des Kollegiums für die freigebige Bereitstellung der erforderlichen Mittel ausgesprochen!
Die Feier des Sedantages vollzog sich in der Aula der Anstalt, die des Allerhöchsten Geburtstages S. M. des Kaisers in der Aula der Oberrealschule, bei jener hielt Oberlehrer Dr. Hartung, bei dieser Prof. Dr. Kitze die Festrede. Beide Reden behandelten das aktuelle Thema des Weltkrieges, auch die Gesänge und Deklamationen nahmen Bezug auf die sich abspielenden kriegerischen Ereignisse. Bei der Kaisergeburtstagsfeier wurde das von S. M. überwiesene Geschenkwerk Marine-Album« dem Schüler der O III a Karl Lehmann überreicht. Als Geschenk des Herrn Ministers wurden am Jahrestage von Düppel zwei Exemplare des Liedes Schleswig-Holstein, meerumschlungen- nach der Originalhandschrift des Dichters an die Oberprimaner Wilhelm Viehmann und Wilhelm Lendle verliehen, ebenso die vaterländische Gedenkschrift Düppel und Alsen an den Untersekundaner Otto Wedesweiler. Ein von einem Gönner der Anstalt, Herrn Kammermusiker Fein, gestiftetes Werk, Schöll,»Goethe«, erhielt zu Weihnachten der Unterprimaner Alfred Gracf.
Am 13. Mai sowie am 11. und 12. November beehrte Herr Oberregierungsrat Dr. Paehler, Direktor des provinzialschulkollegiums, die Anstalt mit seinem Besuche und wohnte dem Unterrichte in verschiedenen Klassen bei.


