Jahrgang 
1929
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sprach in ihrer Festrede über das Leben und das Werk des Turnvaters Jjahn und hob besonders seine Bedeutung für die körperliche Ausbildung der Frauen hervor. Im Anschluß an die Rede boten verschiedene Klassen der Frauenschule und unserer Anstalt schöne turnerische und sportliche Vorführungen.

7. Auf Anweisung des Provinzialschulkollegiums wohnte der Fachberater für Musik, Herr Studienrat Dr. Hans Burkhardt, Frankfurt a. M. dem Musikunterricht in verschiedenen Klassen am 26. und 27. September 1928 bei.

8. Die 100. Wiederkehr des Geburtstages von Franz Schubert wurde am 19. November 1928 in der 4. und 5. Vormittags-Stunde in der Aula mit der Frauenschule zusammen gefeiert. Eine Schülerin des mit der Frauenschule verbundenen technischen Seminars, Fräulein Margot Schmitz, gab eine Würdigung Schuberts. Anläßlich des Schubert-Gedenktages überwies die Schulverwaltung für ein Schubert- Konzert im Kurhause am 26. November 170 Karten zur unentgeltlichen Verteilung an unsere Schülerinnen.

9. Die evangelischen Schülerinnen der Anstalt begingen das Reformationsfest am 31. Oktober 1928 durch einen gemeinsamen Gottesdienst in der Ringkirche. Der gesamte Unterricht der Schule fiel an diesem Tage aus.

10. Mit dem 1. Dezember trat infolge des Hinscheidens von Herrn Oberschulrat Geheimrat Dr. Gerstenberg und des Eintritts von Frau Oberstudienrat Mende in das Provinzialschulkollegium eine neue Geschäftsverteilung der Schuldezernenten in Kraft. Herr Oberschulrat Dr. Grau, dem un- sere Anstalt seit seiner Tätigkeit im Provinzialschulkollegium in Kassel zugewiesen ist, behielt das De zernat über unsere Schule.

11. Der Ortsausschuß zur Bekämpfung von Schund und Schmutz veranstaltete in den Tagen vom 2. bis 5. Dezember 1928 im Festsaal des Rathauses eine Iugendschriften-Ausstellun g, die auch unseren Schülerinnen zugänglich war. Wir sind bestrebt, an unserem Teil durch die Aus gestaltung der Schülerinnenbücherei der Verbreitung des guten Buches, für das am 22. März 1929 ein Werbetag war, zu dienen.

12. Eine besonders von Fräulein Studienrat Dr. Arens und den Schülerinnen verschiedener Klassen vorbereitete Weihnachtsfeier erfreute alle Schülerinnen und Lehrer der Anstalt in der Aula am Abend des 21. Dezembers. Die Fcier erreichte ihren Höhepunkt bei der Enthüllung der im Werkunterricht hergestellten Krippe, die ein kleines Kunstwerk darstellt. Die dargebotenen Bil- der, die Chöre und die aufgesagten Gedichte waren so schön, daß wir zu dem Entschluß gekommen sind, künftig auch die Eltern an unserer Weihnachtsfeier teilnehmen zu lassen.

13. Einen Höhepunkt in unserem Schulleben bedeutete die Wiederschensfeier unserer chemaligen Schülerinnen am 6. Januar 1929 in unserer Schule. Die Tageszeitungen brachten über die Feier folgenden Bericht:

Wiederschensfeier im Lyzeum am Boseplatz. Das städtische Oberlyzeum am Boseplatz hatte zu Sonntag. dem 6. Januar, nachmittags 4 Uhr, sämtliche chemaligen Schülerinnen zu einer Wiederschensfeier eingeladen. Schon lange vor Beginn der Feier war die festlich geschmückte Aula von einer frohbewegten Schar chemaliger Schülerinnen gefüllt. Das Wiederschen und das gegenseitige Erkennen der bisherigen 20 Jahrgänge wurde durch Schilder mit den einzelnen Entlassungs- jahren wesentlich erleichtert. Mit dem Chor chemaliger Schülerinnen, der das allen bekannte Engel-Terzett aus dem Orato- rium von Händel vortrug, wurde die Feier eröffnet. Herzliche Einleitungsworte fand Studiendirektor Dr. Kip. Er- be- grüßte die über Erwarten zahlreich erschienenenEhemaligen, das jerzige Lehrerkollegium, die Damen und Herren aus Wies- baden, die früher an der Schule tätig waren, seinen Vorgänger, den beliebten Herrn Direktor Anacker, sowie besonders die beiden Vertreter des Magistrats, den Dezernenten des gesamten Schulwesens, Stadtrat Dr. Osterheld, und Stadtschulrat Kicker, ein früheres sehr geschätztes Mitglied des Lehrerkollegiums. In seiner Ansprache dankte Direktor Dr. Kip allen denen, die sich in langen Wochen vorher um das Gelingen des Festes eifrig bemühten, vor allem fand die Urheberin der Feier und unermüdliche Leiterin der Vorbereitungen, Studienrätin M. Wilke, warme Anerkennung. Nicht vergessen wurde auch Musiklehrer F. Knöner als rühriger und verdienstvoller Leiter der musikalischen Darbietungen. Es folgte ein eindrucks- voll vorgetragenes Adagio von Tartini, wiedergegeben von Musiklehrer F. Knöner, Fräulein E. Knöner und Präulein G. Zeidler, danach die Arie der Elisabeth ausTannhäuser:Dich teure Halle grüß' ich wieder, von Fräulein Hildegard Müller sehr ansprechend gesungen. Von hellem Jubel begrüßt, richtete Oberstudiendirektor i. R. Anacker das Wort an die Versammelten und schilderte die Entstehung und V'eiterentwicklung der einstigen Zweiganstalt von der Höheren Mädchenschule am Schloßplatz bis zum heutigen Oberlyzcum am Boseplatz. Nach dem LiedVerborgenheit von Hugo Wolf, das die Kon- zertsängerin Fräulein Irma KReuter bewegt unter vortrefflicher Begleitung der Pianistin Fraulein Gretel Freyer zu Gehör gab, folgte die Festrede einer chemaligen Schülcrin, der städtischen Fürsorgerin Fräulein Annchen Engel. Gemütvoll wußte sie die Erinnerung an Freud und Leid der Schulzeit zu wecken und gedachte derer,die für immer von uns gegangen sind, die irgendwo weit von hier heute an uns denken, gedachte ferner derFrauen und Berufsarbeiterinnen, die ihre Pflichten heute von uns fernhalten und die nicht an unscrer Preude teilnehmen können. Gebührend wurde für all die Sorgen und Mühen der Lehrenden und Erziehenden mit der oftmals schwierigen Schülerschar gedankt; die heutige Zusammenkunft möge ihnen zeigen, daß ihre Arbeit doch nie vergebens sci. Ein reizendes Intermezzo brachten die ergötzlichen Spiele der Kinder vonEhe-