Jahrgang 
1929
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serer Anstalt, bei dem Herrn Minister um die Genehmigung nachzusuchen, von Ostern 1928 ab eine Sexta mit Englisch als erster Fremdsprache neben einer Sexta mit Französisch als erster Fremdsprache einzurichten. Der Herr Minister genehmigte durch Erlaß vom 13. April 1928 den Antrag, sodaß jetzt ein französischer und ein englischer Zug an unserem Oberlyzeum bestehen. Die Schülerinnen, die nunmehr Englisch als erste Fremdsprache in der Sexta betreiben, beginnen mit dem Französischen in der Untertertia, die Schülerinnen, die französischen Unterricht in der Sexta haben, fangen mit dem Englischen in der Untertertia an. Die Berechtigungen des französischen und englischen Zuges an un- serer Anstalt sind gleich.

VII. Zur Geschichte der Anstalt.

1. Das Schuljahr begann mit dem 17. April mit einer Aufnahmeprüfung. Der Hauptteil der Schülerinnen, die für die Sexta angemeldet worden waren, hatte sich schon vor Ostern der Aufnahme- prüfung unterzogen. Im ganzen wurden 54 Schülerinnen in die Sexta aufgenommen, davon zwei nach nur dreijährigem Besuche der Grundschule. Von den 54 Schülerinnen traten 30 in die zum ersten Male an unserer Anstalt gebildete Sexta mit englischem Anfangsunterricht ein.

Trotz starken Abgängen zu Ostern 1928 betrug die Zahl der Schülerinnen im neuen Schul- jahr 72 mehr als im Vorjahre(444 gegen 372). Abgesehen davon, daß durch die Weiterentwicklung der Anstalt zum Oberlyzeum mit der Unterprima eine neue Klasse gebildet und mehr auswärtige Schülerinnen als in den Vorjahren aufgenommen wurden, erklärt sich das Anwachsen der Schülerinnen- zahl aus der zu Ostern 1928 erfolgten Auflösung des privaten Lyzeums Schaus. Von dieser Anstalt, die im Jahre 1832 gegründet wurde und in den ſetzten Jahren unter der Leitung von Prau Direktorin Grebe stand, wurden 48 Schülerinnen der verschiedensten Klassen übernommen.

2. Am 18. April 1928 vereinigten sich zum Beginn des Unterrichts alle Schülerinnen mit ihren Lehrern und Lehrerinnen zu einer gemeinsamen Andacht in der Aula. Der Direktor gab in seiner Ansprache die Veränderungen im Lehrkörper bekannt, begrüßte besonders die in großer Zahl neu- eingetretenen Schülerinnen und drückte die Hoffnung aus, daß die neuen und bisherigen Schülerinnen des Oberlyzeums recht bald feste Klassengemeinschaften bilden möchten.

3. Während der Wochen von Ostern bis Pfingsten war es von einigen Tagen abgesehen so kalt, daß die Schulräume bis Pfingsten geheizt werden mußten; dann setzte mit dem 12. Juli eine so starke Hitze ein, daß bis zum Beginn der großen Ferien durchweg nur die 3 oder 4 ersten Unter- richtsstunden gegeben werden konnten.

4. In den Räumen unserer Anstalt fand am Sonnabend, 5. Mai und Sonntag, 6. Mai 1928 die Tagung der Arbeitsgemeinschaft für höhere Mädchenbildung in breußzen sStatt. In der festlich geschmückten oberen Turnhalle wurde am Samstag, 5. Mai, nachmittags 4 Uhr, die Tagung durch den Direktor der Anstalt eröffnet mit einer Begrüßung bei Kaffee und Kuchen, der von Schülerinnen der Frauenschule gereicht wurde. Zu der Tagung waren u. a. erschienen: Frau Ministerialrat Dr. Heinemann, Herr Oberschulrat Dr. Grau, Herr Stadtrat Dr. Osterheld, der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für höhere Mädchenschulbildung Herr Oberstudiendirektor Stracke-Dortmund, der Vorsitzende der Provinzialabteilung Herr Studiendirektor Dr. Maurer- Frankfurt a. M. Die Direktorin der städtischen Frauenschulen, Frau Direktorin Dr. Mager, berichtete über die Frauenoberschule, die neueste Schulart auf dem Gebiete des höheren Mädchenschulwesens. Frau Ministerialrat Dr. Heinemann sprach in öffentlicher Versammlung, zu der auch eine Reihe von Eltern unserer Schülerinnen sich eingefunden hatten, über die Entwicklung der höheren Mädchenschule.

5. Die Verfassungsfeier wurde am letzten Tage vor den großen Ferien in unserer Aula festlich begangen. Herr Studienrat Schwabe hielt die Festrede. Ihr lag als Thema das Wort des Deutschlandliedes zu Grunde: Einigkeit und Recht und Freiheit. Die Feier begann mit dem Chor- gesang: Wach auf, es nahet gen den Tag. Von einer Schülerin wurde das Gedicht: Verfassungstag, von einer anderen das Gedicht: Volk will zu Volk gesprochen. Die Feier schloß mit dem gemein- samen Gesang des Deutschlandliedes.

6. Am 11. August 1928 jährte sich der Tag, an dem vor 150 Jahren Friedrich Ludwig Jahn geboren wurde. Zu seinem Gedächtnis veranstaltete das Oberlyzeum und die Frauenschule auf dem Kleinfeldchen am 1. September 1928 ein gemeinsames Turn- und Sportfest. Die Turn- und Sportlehrerin an dem mit der Frauenschule verbundenen Turnlehrerinnen-Lehrgang, Fräulein Pallat,