18—
VI. Verschiedenes. a) Das Schulgebäude.
Das große und schöne Schulgebäude am Boseplatz teilt das Oberlyzeum mit der Frauenschule, die Ostern 1929 ihre Entwicklung zur Frauenoberschule antritt. Während die Räume im Erdgeschoß und im dritten Stock im allgemeinen der Frauenschule zur Verfügung stehen, sind durchweg die Lehr- säle im ersten und zweiten Stock dem Oberlyzeum vorbehalten. Das Lehrerinnenzimmer des Ober- lyzeums im dritten Stock wurde im Berichtsjahre der Frauenschule überlassen; das Oberlyzeum er- hielt dafür im ersten Stock ein neues, sehr hübsch eingerichtetes Lehrerinnenzimmer. Im zweiten Stock wurden neben den für den Physikunterricht bestimmten Räumen zur gemeinsamen Benutzung von Oberlyzeum und Frauenschule ein Biologiesammlungsraum und ein Biologielehrsaal geschaffen. Für den naturwissenschaftlichen Unterricht stehen außerdem den beiden Anstalten je ein Lehrsaal, Vorbereitungszimmer, Sammlungsraum und Arbeitszimmer für den physikalischen und chemischen Unterricht zur Verfügung.
Der helle, farbige, überaus freundliche Anstrich, den im vorigen Schuljahre die Wände der Flure und der Plätze im Hause erfahren hatten, wurde nach den Vorschlägen des Herrn Kunstmalers Völcker im Berichtsjahre auch den Wänden der beiden Turnhallen gegeben. Die Arbeiten zur Aus- gestaltung der Aula, die bislang einen unfertigen und gar zu nüchternen Eindruck machte, haben im Pebruar begonnen und sollen im Mai abgeschlossen werden. Dank dem Entgegenkommen der Schul- verwaltung und der beiden städtischen Körperschaften, die für die Aula auch die beim Bau des Schul- hauses vorgeschene Orgel bewilligten, dürfen wir erwarten, daß die Aula nach ihrer Fertigstellung einen Festsaal darstellt, der für unsere Schulandachten und unsere Schulfeiern den würdigen Rahmen
bilden wird.
Der Schulhof ist weit und geräumig und erlaubt es, bei günstigem Wetter die Turnstunden aus den Turnsälen ins Freie zu verlegen. Der gerade der Frontseite der Schule gegenüberliegende Sportplatz steht uns auch für einige Turnstunden in der Woche zur Verfügung.
b) Lehr- und Lernmittel.
Aus den von der Stadt bewilligten Mitteln konnten die Lehrer- and Schülerinnenbücherei und die Sammlungen weiter vervollständigt werden. Für die Lehrer- und Schülerinnenbücherei, für die physikalische, chemische, historische und erdkundliche Sammlung wurden Anschaffungen im Werte von 2625 Mk. gemacht. Von dem Oberpräsidenten der Provinz Hessen-Nassau wurde der Anstalt eine vollständige Rundfunk-Einpfangseinrichtung der Firma Siemens und Halske in Berlin mit Zubehör und Lautsprecher(Vierröhren-Neutro-Empfänger Rfe 18 mit Lautsprecher— Protos—) kostenlos über- wiesen. Die hiesige Schulverwaltung stellte der Anstalt einen Elektrola-Apparat für die Zwecke des musikalischen und neusprachlichen Unterrichts zur Verfügung.
c) Neuerungen. Regelung der Pflichtstunden für die Lehrer.
Mit Beginn des Schuljahres 1924) 25 wurde durch Erlaß des Ministers die Zahl der Pflicht- Kunden für die Lehrkräfte an höheren Schulen vermehrt. Von dieser Regelung blieb das besetzte Gebiet ausgenommen. Erst durch Verfügung des Ministers vom 20. Oktober 1927 wurde die dadurch für die Lehrer im besetzten Gebiete gegebene Erleichterung aufgehoben. Vom Beginn des Schuljahres 1928 ab waren demgemäß die Pflichtstunden im besetzten und unbesetzten Gebiet Preußsens gleich. So hat sich auch an unserer Ancalt, wie aus der Unterrichtsverteilung ersichtlich ist, die Zahl der von den Lehrern erteilten Stunden erhöht.
Französisch und Englisch als Anfangssprache.
Die Zahl der Schulen, die statt des Französischen das Englische als erste Fremdsprache be- treiben, hat sich im Laufe der letzten Jahre erheblich vermehrt. Dadurch wurde die Zahl der mit ihren Familien nach Wiesbaden zuzichenden Schülerinnen immer größer, die zuerst Englisch gelernt hatten und die nun hier die mangelnden Kenntnisse im Französischen durch Privatstunden erwerben mußten, wenn sie nicht den Anschluß an ihre Klasse verlieren wollten. Dazu kam, daß nicht wenige Eltern unserer einheimischen Schülerinnen einen verstärkten Betrieb des Englischen gegenüber dem Französischen nicht ungern sahen. Das bewog die hiesige Schulverwaltung und den Lehrkörper un-


