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Die Hilfsbücherei, die unter der Verwaltung von Herrn Studienrat Dr. Lenz stand, wurde sehr stark in Anspruch genommen. Das erklärt sich aus den erheblichen Kosten, die die Anschaffung mancher Lehrbücher verursacht.
k) Berufsberatung.
Die Berufsberatung für die zur Entlassung kommenden Schülerinnen übt in Wiesbaden die beim Arbeitsamt Wiesbaden eingerichtete Hauptstelle für Berufsberatung aus. Sie veranstaltete mehrere öffentliche berufskundliche Vorträge. Herr Berufsberater Dr. Kutzner sprach in der Aula unserer Schule über das Thema„Wie soll die Berufswahl erfolgen?“, Frau Regierungsrat Dr. Anders, Refe- rentin beim Arbeitsamt Hessen aus Frankfurt a. M. behandelte in einem Vortrag im Paulinenschlöß- chen die Frauenberufe. Außer der Hauptstelle für Berufsberatung zeigte sich unsere Anstalt bemüht, in den Sprechstunden des Direktors und der Klassenleiter um Rat fragenden Eltern den rechten Weg für die Weiterbildung ihrer Töchter(Frauenschule, Studienanstalt, Oberlyzeum) zu zeigen und für die rechte Berufswahl entsprechende Winke zu geben.
V. Der Elternbeirat und seine Betätigung.
Die Neuwahl für den Elternbeirat, die von der Behörde auf den 24. Juni 1928 festgesetzt worden war, gestaltete sich einfach, da nur ein Wahlvorschlag eingereicht war und dieser infolgedessen als gewählt galt. Mitglieder des Elternbeirats wurden durch Neuwahl:
Major a. D. Hans Hosemann Dr. Fritz Berlé
Oberpostsekretär Moritz Baumann Bankbeamter Fritz Zimpelmann Frau Else Schott Landesobersekretär August Pursch Studienrat Dr. Paul Dreyer Frau Klara Stalmann
Mittelschullehrer Karl Döringer. Den YVorsitz übernahm wieder wie im alten Elternbeirat Herr Major Hosemann, der auch gleichzeitig Vorsitzender der vereinigten Elternbeiräte der höheren Schulen Wiesbadens wurde.
Die beiden Elternversammlungen, die nach den Bestimmungen zur Vorbereitung der Neu- wahl dienen, waren nur mäßig besucht. In der ersten Elternversammlung sprach der Direktor über den Aufbau und die Ziele des neuen Oberlyzeums und erläuterte außerdem die neuen Versetzungsbe- stimmungen. In der zweiten Elternversammlung wurden die häuslichen Arbeiten, die Gestaltung der MWanqdertage, die an der Anstalt eingerichtete Wandergruppe und die Schülerinnen- und Hilfsbücherei eingehend behandelt.
Der Elternbeirat befaßste sich u. a. mit der Frage, ob es zweckmäßig sei, den Unterricht im Sommer wie bisher um 7% Uhr oder um 8 Uhr beginnen zu lassen, und entschied sich in Uber- einstimmung mit 90% der gesamten Elternschaft, bei dem Provinzialschulkollegium, das die Frage der Veränderung des Unterrichtsbeginns angeregt hat, für den Beginn um 7 ½% Uhr einzutreten. Gegenüber der Besorgnis des Provinzialschulkollegiums, daß den kleinen Schülerinnen durch den frühen Beginn des Unterrichts der Schlaf zu sehr gekürzt würde, empfiehlt der Elternbeirat den Eltern, die Kinder frühzeitig abends zu Bett zu bringen und so für einen ausreichenden Schlaf zu sorgen. Die Ausdehnung des Unterrichts in die heißen Mittagsstunden hinein, die der spätere Unter- richtsbeginn zur Folge hat, hält der Elternbeirat im Interesse der Gesundheit der Schülerinnen nicht für erträglich.
Des weiteren beschäftigte sich der Elternbeirat mit der Frage der Feriensonderzüge. Die Reriensonderzüge nahmen im Berichtsjahre keine Rücksicht auf die Wiesbadener, sondern nur auf die Frankfurter und Mainzer Schüler. Infolge der Veränderung der Ferienordnung, durch die ent- gegen dem Brauch der früheren Jahre Frankfurt und Wiesbaden im jJahre 1929 dieselben Sommer- ferien haben, besteht die Hoffnung, daß die Feriensonderzüge im neuen Schuljahr auch unserer Schule zugute kommen. Nicht zu erreichen war von der Eisenbahndirektion Mainz, daß im Interesse un- serer auswärtigen Schülerinnen, besonders aus dem Rheingau, die Abfahrtszeiten der Mittagszüge in etwa dem Schluß unserer Unterrichtszeit angepaßt wurden.
Außer den beiden der Vorbereitung der Neuwahl dienenden Elternversammlungen wurde auf Grund der schlechten Erfahrungen, die mit dem Besuch dieser Versammlungen gemacht waren, keine Gesamt-Elternversammlung einberufen. Dagegen veranstalteten mehrere Klassenleiter Klassen-Eltern- Versammlungen, die über Mangel an Besuch nicht zu klagen hatten.
Diese Tatsache legt den Gedanken nahe, den Elternbeirat nicht mehr wie bisher aus der Wahl der Gesamtelternschaft hervorgehen zu lassen, sondern ihn aus Vertrauensleuten der einzelnen Klassen, die bei Klassenelternversammfungen gewählt werden, zusammenzusetzen.


