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den wahlfreien Lateinunterricht an Oberlyzeen vorgesehen hat, in der OIl mit zwei Wochenstunden schwerlich erreicht werden können. Der Herr Minister ordnete daher durch Erlaß vom 23. Februar 1929 an, daß für den wahlfreien Lateinunterricht in der OIl an Oberlyzeen statt der bisherigen zwei von Ostern 1929 drei Wochenstunden anzusetzen sind.
Nadelarbeit. An dem wahlfreien Unterricht in der Nadelarbeit, die für die beiden Untersekunden ein- gerichtet war, beteiligten sich von insgesamt 74 Schülerinnen 63, also fast 90%.
Werkunterricht.
Unter Leitung von Fräulein Studienrat Walther wurde Ostern 1928 der Werkunterricht in Papparbeit und Buchbinden eingeführt. Zwei Lehrgänge wurden eingerichtet; an dem einen beteiligten sich 13 Schülerinnen der beiden Untersekunden(2 Stunden wöchentlich an einem Nachmittag); an dem zweiten nahmen° Schülerinnen der Ul teil(alle 14 Tage 2 Stunden an einem Nachmittag).
Einheitskurzschrift.
Auf lebhaft geäußerte Wünsche aus den Kreisen der Schülerinnen wurden unter Leitung von FPräulein Lyzealoberlehrerin Stein zwei Lehrgänge für die Erlernung der Einheitskurzschrift eingerichtet. Der eine Lehrgang umfaßt 20 Schülerinnen der Untersekunden und Obertertien, der zweite Lehrgang 18 Schülerinnen der Untertertien. Die Lehrgänge ziehen sich in das neue Schuljahr hinein, da sie erst nach Weihnachten eingerichtet werden konnten.
Aufgabenfreie Nachmittage und Wanderungen.
Die aufgabenfreien Nachmittage fielen, wie die amtlichen Stundentafeln es vorschreiben, mit den Spielnachmittagen zusammen. An diesen Spielnachmittagen wurden die Schülerinnen mit Leicht- athletik, Ball- und Laufspielen beschäftigt; einzelne Spielstunden wurden zum Schwimmen im hiesigen Augusta-Viktoriabad benutzt. Der Winter mit seinem Eis und Schnee gab ausgiebig Gelegenheit, an den Spielnachmittagen das Rodeln oder das Schlittschuhlaufen zu betreiben.
Zwei der vorgeschriebenen Wandertage dienten in der Hauptsache der Betätigung des Rodelsports, wurden aber auch zu Wanderungen durch die herrliche Winterlandschaft der Taunuswälder benutzt. Die Wandertage im Sommer waren vom schönsten Sonnenwetter begünstigt; leider begann aber der Tag des gemeinsamen Ausfluges der ganzen Schule, der Tag der Kheinfahrt am 26. Juni, mit strömen- dem Regen. Erst als die Schülerinnen das von der Köln-Düsseldorfer Dampfschiffahrtsgesellschaft ge- mietete Schiff„Kaiserin Friedrich“ bestiegen hatten, ließ der Regen nach und zeigte sich langsam des Himmels Bläue. Vollkommen trocken konnte die große Schar der Schülerinnen mit ihren Lehrern und nicht wenigen Eltern unter Voranschritt einer Musikkapelle den schönen Weg von St. Goars- hausen, wo das Schiff anlegte, durch das Schweizer Tal hinauf zum Loreleyfelsen zurücklegen und zur Genugtuung aller Beteiligten hielt sich der Regen solange zurück, bis auf der großen Wiese zwi- schen der Wirtschaft auf dem Loreleyfelsen und dem neuerrichteten Jugendheim die nach einem Plan von Fräulein Studienrat Wilke durch Schülerinnen verschiedener Klassen dargebotenen Kheinsagen in Bildern die Zuschauerinnen und Zuhörerinnen erfreut hatten. Der Abstieg vom Felsen und die Heimfahrt gestalteten sich fröhlich, und so wurde auch diese Rheinfahrt wie die im vorigen Jahr nach Burg Stahleck allen Teilnehmerinnen zu einer lieben Erinnerung.
Einer der acht Wandertage fiel mit dem Tage der Reichsjugendwettkämpfe am 13. Juli zu- sammen. Während einzelne Klassen dem Ringen der Kämpferinnen auf dem Kleinfeldchen zusahen, suchten andere an diesem Tage vor der glühenden Sonne Schutz und Erholung in unseren Wäldern.
Die im vorigen Jahre an unserer Anstalt gebildete Wandergruppe unter Leitung von Fräu- lein Studienrat Dr. Wagner und Fräulein Oberschullehrerin Idelberger machte auch in diesem Be- richtsjahre alle 14 Tage an Sonnabendnachmittagen oder an Sonntagen Ausflüge in die nähere und weitere Umgebung Wiesbadens. Dabei wurde auch das Spiel gepflegt. Besonders beliebt waren Ball- spiele. In der Frostzeit zu Anfang des neuen Jahres übte sich die Gruppe an den sonst zu Wan— derungen bestimmten Tagen in der Kunst des Schlittschuhlaufens. Auf einem Ausflug am 23. Fe- bruar 1929 wurde der zugefrorene Rhein zwischen Niederwalluf und Budenheim überquert. Die Pfingstfahrt der Wandergruppe, an der außer den beiden Lehrerinnen 18 Schülerinnen teilnahmen, führte durch den Hunsrück ins Moseltal und nach Trier. Eine der Teilnehmerinnen berichtet da- rüber:„Am ersten Tage fuhren wir mit der Bahn nach Kirn a. d. Nahe. In anstrengendem Marsch,— denn die Sonne meinte es sehr gut,— ging es durch das malerische Hahnenbachtal, über die über-


