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Oberprima-Fahrt. Kurz vor Apfang der Herbstferien machten wir 18 Oberprimaner des Staatl. Real- gymnasiums zu Wiesbaden unter Führung unseres Klassenleiters, Herr Studienrat Dr. Manns, eine 3 tägige Radfahrt in den Hunsrück und ins Mosel- und Saartal. Bei Nacht und Nebel verließen wir Wiesbaden und fuhren auf unseren Rädern nach Mainz. Von dort brachte uns die Bahn über Bingerbrück tief in den Hunsrück hinein nach Deusel- bach. Strömender Regen zog dicke Nebelvorhänge über die Landschaft, als wir unsere Räder hinauf zum Erbes- kopf, dem höchsten Punkte des Hunsrückgebirges schoben. Etwas enttäuscht standen wir, die wir uns redlich ge- plagt hatten, auf dem Turm, der die Höhe krönte, ließ sich doch die Schönheit und Wucht der Gebirgsnatur, die uns umgab, nur ahnen, während rings die Nebel brauten. Wie hoch wir hinaufgestiegen waren, konnten wir an der langen, steilen Abfahrt ermessen, die uns voll entschädigte. Prächtig war die Fahrt auf der glatten Landstraße, die sich mehrfach um den Berg ziehend, an engen Schluchten und stillen Gebirgstälern dahinführte. Zum Glück hatte schon vor einer guten Weile der Regen aufgehört, sodaß die Sonne sogar manchmal aus dem Gewölk hervorlugte.
Unaufbaltsam strebten wir unserem fernen Ziele: Beurig-Saarburg zu. Über Höhen und durch schmale dunkle Waldtäler führte der Weg; steile Pfade zwangen zu vorsichtigem Fahren, und schlechte gepflasterte Wege rissen Löcher in die Reifen, sodaß es manchen Aufenthalt gab. Oft mußten wir aus dem Sattel, um das Rad den Berg hinauf zu schieben. Endlich aber standen wir auf der Wasserscheide zwischen Ruwer- und Saartal, und fernher grüßten, rotbestrahlt von der Abendsonne, die Dächer und Türme von Saarburg. Eine sausende Fahrt brachte uns ans Ziel. Später durchwanderten wir dann die Straßen des mittelalterlichen Städtchens, das, umflossen von der Saar, und überragt von seiner alten Burg von längst vergangenen Zeiten zu erzählen schien. Gegen 19 Uhr brachte uns ein Zug nach Trier, wo wir in der Jugendherberge Unterkunft fanden.
Der Vormittag des nächsten Tages war vollauf ausgefüllt durch die Besichtigung der Sehenswürdigkeiten Triers. Die Porta Nigra, die Basilika, die Kaiser-Thermen und das Amphitheater gaben uns einen wirkungsvollen Einblick in den Glanz und die Kulturhöhe spätrömischer Kaiserherrlichkeit. Vertieft wurden diese Eindrücke noch durch die im Museum aufgestellten kleineren Baudenkmäler derselben Zeit. Gegen Mittag fuhren wir weiter. Teils an der Mosel entlang, teils durch die Ausläufer der Eifel führten uns gutgebaute Straßen nach Bernkastel-Cues, das wir gegen Abend erreichten. Nach kurzem Ausruhen wanderten wir bei sinkender Dämmerung über die Brücke nach Bernkastel hinein, um einmal den berühmten Moselwein an der Quelle zu versuchen. In der bekannten „Doktorstube“ verbrachten wir fröhliche Stunden. Lustige Lieder schallten zur Decke, in die alle anwesenden Gäste fröhlich miteinstimmten. Unser Gesang muß wohl großen Eindruck gemacht haben. Denn mehrer Flaschen des edelsten der Moselweine des köstlichen Bernkasteler„Doktors“ wurden uns zur Belohnung gestiftet. Die vor- gerückte Stunde jedoch machte unserer Freude ein Ende, da wir rechtzeitig zur Herberge zurück mußten.
In der Frühe des nächsten Morgens wandten wir uns noch einmal von der Mosel ab und stiegen einer kur- venreichen Straße folgend in die Moselberge hinein, um eine große Flußschleife abzuschneiden. Herrliches, gol- denes Herbstwetter lag über der Landschaft, und eine sommerliche Hitze machte uns beim Steigen zu schaffen. Für alle Mühe wurden wir jedoch durch eine lange Abfahrt belohnt. In vielen Windungen senkte sich die Straße zum Moseltale abwärts, und auf ihrem Rücken glitten wir pfeilschnell dahin. In kurzer Zeit war Trarbach erreicht, von wo aus wir nun immer im Moseltale blieben, alle Windungen des Flusses getreulich mitmachten, bis am Abend in Bullay unsere eigentliche Radfahrt ihr Ende erreichte. Von hier aus brachte uns die Bahn über Koblenz nach Hause. Popp OI.
Das Schulgeld. Das Schulgeld beträgt für Einheimische und Auswärtige 200 RM., das Eintrittsgeld 5 RM. Ausländer zahlen das Doppelte. Das Schulgeld ermäßigt sich für das zweite der eine höhere Schule(einschließlich Hochschule) besuchenden Kinder des gleichen Erziehungs- berechtigen um 25%, für das dritte um 50%. Das vierte und jedes weitere Kind ist schulgeldfrei.
Aufßerdem können in beschränkter Zahl Freistellen an würdige und bedürftige Schüler verliehen werden. Meldungen sind am Anfang des Schuljahres an den Direktor einzureichen,
Ebenso kann auf Antrag der Eltern Lehrbücherfreiheit gewährt werden.
Berufsberatung. Berater war Studienrat Dr. Steingräber. Den Schülern wurden wie bisher Mitteilungen über Berufsmöglichkeiten weitergegeben, ausgeschriebene Lehrstellen bekannt gemacht, Berufsliteratur zugänglich gemacht. Im übrigen wird unsern Schülern und ihren Eltern dringend empfohlen, die Berufsberatungsstelle des Städtischen Arbeitsamtes in Anspruch zu nehmen, die nunmehr ihre Tätigkeit auch auf die Schüler der höheren Lehranstalten ansgedehnt hat und bei ihrer genauen Kenntnis der jeweiligen Berufsaussichten sachkundigen Rat zu er- teilen vermag.
VI. Chronik der Anstalt.
Lehrer und Schüler.
Das Schuljahr begann am Dienstag, dem 17. April 1928 und endete am Mittwoch, dem 27. März 1929.
Auch in diesem Jahre wurde der Unterricht durch Besichtigungen und Vorträge ergänzt und vertieft.


