Jahrgang 
1929
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Mit dem Staatlichen Gymnasium hat die Anstalt wegen des Ausbaues der Lichtbilder- sammlung das folgende Abkommen getroffen: Das Gymnasium beschafft die Bilder für Geschichte und Kunstgeschichte, das Realgymnasium die Bilder für Erdkunde und Naturwissenschaften. Im Laufe des Berichtsjahres wurden beschafft: Benzingers Lichtbilder für den läuderkundlichen Unterricht; die außereuropäischen Länder, 362 Bilder, mit 1 Bd. Erläuterungen.

Schülerselbstverwaltung. Anderungen in den bestehenden Einrichtungen sind nicht ge- troffen worden. Auch in diesem Jahre wurden die Schüler an der Verwaltung der Klassen- büchereien und Sammlungen beteiligt. Oberprimaner Brass, der die Bücherei der Ober- klassen mitverwaltete, verdient hier besondere Anerkennung. Berater der Schüler ist Studien- rat Dr. Steingräber.

Schülervereine. Der Realgymnasial-Turnverein, der schon auf eine lange Ge- schichte zurücksiebt und früher eine wichtige Rolle im Schulleben spielte, hat seine einstige Bedeutung noch nicht wiedergewonnen. Das liegt nur zum Teil daran, daß das Jnterresse am Geräteturnen etwas hinter dem an Leichtathletik und Spiel zurückgetreten ist. Leiter war Woelbert UI. Am Anfang des Jahres wurde in zwei Riegen, gegen Ende nur noch in einer Riege geturnt. Trotzdem einige beachtenswerte Leistungen erzielt wurden, erfüllt der Turn- verein nicht mehr den ihm zukommenden Zweck: die Hebung der turnerischen Leistungen der Anstalt. Turnen und Sport sind am Realgymnasium von jeher besonders gepflegt worden. Es ist dringend erwünscht, daß der Verein den ihm hierbei zustehenden Platz wieder einnimmt

Die aufgabenfreien Nachmittage stehen im Dienst der körperlichen Ertüchtigung. Sie sind daher der Pflege des Turnspieles, der Wanderungen und des Sportes vorbehalten,

Die Turnspiele wurden wie bisher in vier Abteilungen gehalten. Wie bisher litt die Pflege des Spiels und der Leichtathletik unter dem Mangel an geeigneten Plätzen. Die lange Frostperiode ermöglichte die Ausübung des Eissports. Hierzu wurde den Schülern reichlich Zeit und Gelegenheit geboten. Bei den Reichsjugendwettkämpfen wurden 23 Schüler Sieger, 6 Schüler erhielten die Ehrenurkunde des Reichspräsidenten.

Die Schülerwanderungen wurden regelmäßig durchgeführt., Mehrtägige Wanderungen unternahmen die Obersekunda und die Oberprima unter Leitung ihrer Ordinarien. Studienrat Dr. Schwarte wanderte mit der Obersekunda am 19. und 20,. September durch das Lahntal, Studienrat Dr. Manns machte mit der Oberprima vom 25. bis 27. September eine Radfahrt zur Saar und Mosel. Von den beiden wohlgelungenen Fahrten berichten die Teilnehmer wie folgt:

OberseOkundafahrt. Die OlII unternahm am 19. und 20. September 1928 unter Leitung des Herrn Stu- dienrats Dr. Schwarte eine zweitägige Fahrt ins Lahntal. Bei schönem Sommerwetter trafen wir uns im Wiesbadener Bahnhof, um die Fahrt darch den Taunus und den goldenen Grund nach Limburg apzutreten. Um 10 Uhr in Lim- burg angekommen, besichtigte man zuerst den Limburger Dom, ein altes ehrwürdiges Wahrzeichen deutscher Kunst. Eine kurze Wanderung am Lahnufer entlang zeigte der Wanderschar noch einmal die idyllische Schönheit des Lahn- tals. Darauf wurde die Fahrt nach Weilburg fortgesetzt. Dehrn, Runkel und Villmar mit ihren schönen Schlössern zogen vorüber, Froh und wohlgemut erreichten die Schüler Weilburg, die Perle des Labntals. Der Besichtigung des Schlosses reihte sich nachmittags ein kleiner Bummel durch die Straßen des Städtchens an. Eine fröhliehe Zu- sammenkunft beendete den ersten Reisetag, der zur allgemeinen Freude und Befriedigung verlaufen war. Man über- nachtete in der Jugendherberge und mit Anbruch des nächsten Tages fand die Fahrt ihre Fortsetzung. Löhnberg, Braunfels und Wetzlar war die Losung. Der Wetzlarer Dom, ein Bauwerk einzig in seiner Art, teils gotisch. teils romanisch, bot den Beschauern ein malerisches Bild. Die Besichtigung des Lotte-Hauses und der Wohnung Goethes gab den Schülern einen Einblick in die Lebensweise Goethes, der in Wetzlar längere Zeit am Reichskammergericht tätig war und hier Motive zu seinem Werther fand. Hieran schloß sich dann noch eine kurze Wanderung durch die Gäßchen der Altstadt, der dann eine Besichtigung der Leitzschen Fabrik folgte. Die Leitz-Werke hatten in liebenswürdiger Weise einen Ingenieur als Führer zur Verfügung gestellt, der vor allem die Entstehung des Mikro- skopes von Grund auf erklärte, Auch in die Herstellung des photografischen Apparats konnten wir einen vollen Einblick gewinnen. Die Zeit war leider zu kurz, um alle Einzelheiten dieses mustergültig geführten Betriebes kennen zu lernen, denn auch die Wanderlustigen sollten zu ihrem Rechte kommen. Eine nach Braunfels vorgeschlagene Tour fand allgemein Zustimmung. Hier zeigte sich die Schönheit des Lahntals in wahrer Größe. Durch herrlichen Wald, über saftige Wiesen und fruchtbares Ackerland führte die Wanderung. Dann tauchte das Schloß von Wald und Villen umgeben vor dem Beschauer auf: Ein selten, schönes Bild. Schloß und Park wurden besichtigt und dann der Rückweg angetreten. Er führte durch ein anmutiges Tal nach Station Braunfels und dann gings nach Wiesbaden zurück. Die Bahnfahrt verlief sehr unterhaltend. Wir waren in gehobener Stimmung, sangen und scherzten, bis der Zug in Wiesbaden einlief. Eine schöne, lustige Fahrt war beendet. Mit dem Gefühl, ein malerisches und romantisches Fleckchen deutscher Heimaterde kennen gelernt zu haben, trennte sich die krahlsehe Sehan n

ossmann.

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