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Zur Ablegung des Probejahres wurden der Schule überwiesen die Kandidaten Brandau und Dr. Raßbach. Dieser wurde im Herbst zum Heeresdienst einberufen. Friedrich Brandau war Vizefeldwebel der Reserve und trat am Tage der Mobilmachung in das hleer ein. Leider sollten wir den frischen, für seinen Beruf begeisterten jungen Mann, der sich in kurzer Zeit die Liebe der Schüler erworben hatte, nicht wiedersehen; am 22. August 1914 ist er im Kampfe für das Vaterland den Heldentod in Frankreich gestorben.
Vom 15. bis 27. Juni war Lehrer Weber zu einem Kursus für Gesanglehrer nach Köln beurlaubt.
Der Gesundheitszustand im Lehrerkollegium war im ganzen gut, von einzelnen Störungen des Unterrichts abgesehen, die aber innerhalb des Kollegiums ausgeglichen werden konnten. Nur im Monat März war für Prof. Schneider eine längere Vertretung erforderlich infolge eines Krankheitsfalles in seiner Familie.
Prüfungen. Bereits am J. August war durch den Herrn Minister der geistlichen und Unterrichtsangelegenheiten angeordnet worden, daß die Schüler, welche der Prima mindestens im dritten Halbjahr angehörten, zur Ablegung der Reifeprüfung zuzulassen seien, falls sie sich zum keeresdienst meldeten. Es wurde daher vom ö. bis 9. August eine Notprüfung abgehalten, in der 13 Primaner das Reifezeugnis erhielten. Ein weiterer bestand am 30. Januar die Notprüfung, während je einer zu Herbst und zu Ostern die gewöhnliche Prüfung ablegte.
Zur Schulgeschichte ist(in chronologischer Folge) noch Folgendes zu bemerken:
Das Schuljahr begann am 21. April mit der Aufnahmeprüfung, am folgenden Tag mit einer Versammlung von Lehrern und Schülern in der Aula. Zunäâchst nahm das Schuljahr seinen normalen Verlauf. Am 9. Mai hielt Professor Schneider in der Aula einen Vortrag über das Rote Kreuz, nicht ahnend, wie bald dessen Tätigkeit für den Krieg gefordert würde. Am 16. Mai weilte der Kaiser in Wiesbaden, wobei der Unterricht ausfiel, am 3. und 4. Juli fanden die üblichen Schulausflüge statt, die in den beiden Primen auf zwei Tage ausgedehnt wurden, Am 17. Juli begannen die Sommerferien.
Da wurde am 1. August, nachmittags 5 Uhr, der Befehl zur Mobilisierung der gesamten deutschen Armee bekannt gegeben. Noch während der Ferien, am 5. August, versammelte der Direktor die von nah und fern zurückgekehrten Lehrer und Schüler auf dem hofe, um die notwendigen Anordnungen zu treffen und mit einer ernsten Ansprache die Schüler auf die kommenden schweren Ereignisse vorzubereiten. Schon da trat hervor, wie die deutsche Jugend sich zum Dienst für das Vaterland geradezu drängte. Zu der hFeife— prüfung, die alsbald angesetzt wurde, meldeten sich fast alle Primaner, die zur Teilnahme berechtigt waren. Auch von den anderen und den Schülern aus Obersekunda und Unter— sekunda traten viele aus, um sich zum Heeresdienst zu melden. Im ganzen traten 31 Schüler als Kriegsfreiwillige ein.
Am 18. August begann wieder der regelmäßiige Unterricht und zwar, da keiner der Lehrer eingezogen war, in planmäßiger Weise. Es kamen die Tage der ersten Siege in Belgien und Lothringen, die Veranlassung gaben, die Schüler zu versammeln, um gemein-— schaftlich in Rede und Lied die Siegesnachrichten zu feiern. Der 2. September gab wieder Gelegenheit, Vaterlandsliebe und Siegeszuversicht zu erwecken,


