trugen zwei Schüler der OIIa das Grave aus Friedrichs des Groſsen Konzert in C Dur, für Flöte und Klavier, vor. An den übrigen vaterländischen Gedenktagen, zu denen im Berichts- jahre auch der 100 jährige Geburtstag der verewigten Kaiserin Augusta, der Gemahlin Kaiser Wilhelms I., gehörte, wurden die Schüler in ihren Klassen durch kurze Ansprachen ihrer Klassenleiter oder Geschichtslehrer auf die Bedeutung des Tages hingewiesen.
Die Zusammensetzung des Lehrerkollegiums erfuhr im Schuljahr 1911/12 nur wenig Veränderungen. Der Kandidat des höheren Schulamts, Herr Dr. H. Wüstenfeld, der Ostern 1911 sein Probejahr an der Anstalt beendet hatte, wurde dem Königlichen Real- gymnasium wieder überwiesen, gleichzeitig aber auf 1 Jahr zur Wahrnehmung einer Hilfs- lehrerstelle an die höhere Mädchenschule I in Wiesbaden beurlaubt. Zur Ableistung des Probe- jahres wurden Ostern 1911 der Anstalt Herr Franz Knorr und Herr Dr. Karl Weygandt überwiesen. Der letzte verlieſs uns aber schon wieder am 1. Juni, um am hiesigen Städtischen Realgymnasium als Hilfslehrer tätig zu sein. Im Oktober 1911 kam zur Ableistung des Probejahres an die Anstalt Herr Dr. Max Krämer. Für das Winterhalbjahr war Herr Professor Friedrich Rosenkötter zur Wiederherstellung seiner Gesundheit beurlaubt; seine Vertretung übernahm Herr Kandidat F. Knorr. Dem Herrn Kandidaten Jakob Kneip wurde für das Winterbalbjahr die Vertretung des in Länder französischer Zunge beurlaubten Herrn Professors J. Schumann übertragen.
Der Gesundheitszustand des Lehrerkollegiums war im Winter nicht günstig. Aulser Herrn Professor Rosenkötter mulste auch Herr Professor F. Hartwig von Mitte November ab dem Unterricht fernbleiben; seine Vertretung wurde in der Hauptsache dem Kandidaten Herrn Dr. Krämer übertragen, während Herr Professor Leils den geschichtlichen Unterricht des erkrankten Kollegen in dankenswerter Weise übernahm. Im Januar bedurfte ferner Herr Professor Steubing dringend der Erholung. Seinen Unterricht übernahm zum grölsten Teil für 4 Wochen Herr Dr. Rühl, Probekandidat am Königlichen Gymnasium, die deutschen Stunden in UI erteilte Herr Professor Merbach. Der Gesundheitszustand der Schüler war im grolsen und ganzen günstig.
Am 22. Juli 1911 starb hier in Wiesbaden der Geheime Regierungsrat Professor Heinrich Breuer, der 15 Jahre lang Direktor der Anstalt gewesen und erst am 1. Oktober 1910 in den Ruhestand getreten war. Allen, die seine kraftvolle Gestalt und Persönlichkeit kannten, war sein unerwarteter Tod eine schmerzliche Überraschung. Hatten doch alle, Kollegen, Schüler und Freunde, ihm eine lange, chrenvolle Ruhezeit vorausgesagt und gegönnt, eine Ruhezeit, die der warmherzige Vaterlandsfreund freilich bis zuletzt dem Dienste der Allgemeinheit widmete, indem er nicht müde wurde, für seine geliebte Flotte wandernd und werbend aufzutreten. Der Trauerfeier am 25. Juli auf dem alten Friedhof und der Beisetzung auf dem Nordfriedhof wohnten die Mitglieder des Lehrerkollegiums und die Schüler, die noch im Ferienbeginne in Wiesbaden anwesend waren, bei. Der Direktor hielt eine kurze Ansprache am Grabe; Kränze des Lehrerkollegiums und der Schüler wurden niedergelegt. Zum ehrenden Gedächtnis des Verstorbenen fand für die Mitglieder der Anstalt am 26. August eine einfache Trauerfeier in der Aula statt, bei der Herr Professor Merbach die Gedächtnisrede hielt.
Im Sommer 1911 wurden von den einzelnen Klassen grössere und kleinere Ausflüge unternommen. Am 14. und 15. Juli fuhren 25 Oberprimaner in Begleitung des Direktors in


