Jahrgang 
1910
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sie sehr gerne Gebrauch machten und wofür ich auch an dieser Stelle gebührend danke. Auch den übrigen nationalen Gedenktagen wurde durch Ansprache der Ordinarien in ihren Klassen in gebührender Weise Rechnung getragen.

Hervorgehoben sei an dieser Stelle noch, daſs auch in diesem Jahre wieder von Sr. Maj. dem Kaiser durch Vermittlung der hohen Behörde verschiedentlich Bücher zur Verteilung als Prämien für gute Schüler der Anstalt überwiesen wurden.

Die schriftliche Reifeprüfung für die Oster-Abiturienten fand in den Tagen vom 31. Januar bis zum 5. Februar statt, die mündliche am 28. Februar und 1. März. Von den 27 Abiturienten wurden 7 von der mündlichen Prüfung pefreit. Das Weitere siehe Seite 28.

Bei der Entlassung der Abiturienten am 3. März sprach der Unterzeichnete folgende Abschiedsworte:

Meine lieben Abiturienten!

Zum letztenmal stehe ich an dieser Stelle vor Ihnen, um Sie nach Vollendung Ihrer ersten Jugend- arbeit und dem Abschlufs durch die Reifeprüfung aus dem Verbande der Schule zu entlassen, Sie für das Leben frei zu geben und Ihnen den letzten Grufs der Anstalt zu vermitteln. Die Schule hat in 9 jähriger Arbeit nach bestem Wissen und Gewissen unter Zuhilfenahme der verschiedenen Disziplinen und mit Ein- setzung Ihres ganzen materialen, formalen und ethischen Könnens, gewifs auch nicht ohne Hingebung und Liebe des sind Sie Zeuge! ihre Aufgabe an Ihnen erfüllt. Sie konnte Ihnen mit voller Überzeugung, wenn auch nicht immer ganz ohne Bangen, das Zeugnis der nötigen Reife für Ihr weiteres Leben erteilen. Und nun gehen Sie hinaus, wohin Ihr Beruf Sie führt, hinaus in die Freiheit, die Sie so sehr ersehnt haben und, weil Sie überreif für die Enge der Schule waren, auch ersehnen mufsten, in das Leben, das Ihnen so lockend erscheint. Kennen Sie aber auch das Leben? Was fordert es vom Menschen? Was verheilst es ihm dafür? Ist es darum wert gelebt zu werden? oder sollen wir es gar wegwerfen wie ein drückendes. beengendes Gewand? Gewils, ernste Fragen, die sich jeder von Ihnen beantworten, eigentlich aber schon längst beantwortet haben muls. Denn Unkenntnis schützt nicht vor Strafe und schwerem Schaden.

Was will das Leben? Ist diese Spanne Zeit mit ihrer Arbeit und Mühe uns nur verliehen zum Sinnengenuſs, zum Ausleben, womöglich zur Gesetz- und Zuchtlosigkeit? Dann wäre es der Mühe und des Ringens nicht wert, nicht wert gelebt zu werden. Denn wie bald ist für Auge und Ohr, für Hunger und Durst der Sättigungspunkt, ja die Übersättigung eingetreten, und dann wäre ja unser Ziel erreicht und das Beste des Lebens wäre seine Negation, der Schlaf.

Aber wo bliebe dann die Befriedigung der uns eingeborenen unendlichen Sehnsucht, die uns ieweilig auf den Gipfeln der Alpen, am Strande des Weltmeeres, beim Anblicke des Sternhimmels oder auch beim Schauen in die Unschuldaugen eines Kindes ergreift? Nein, Genuſs kann des Lebens Zweck nicht sein, dann wäre ja unser Leben genau das des Vogels im Walde, das des Tieres im Felde; ja noch viel ärmer, denn ihnen ist wenigstens ewig der Tisch gedeckt, das Gewand bereit, das Haus gebaut, sie schwanken nicht zwischen Sinnenlust und Seelenfrieden, sie kennen nicht Gram und nicht Reue. Fürwahr, nicht zu einem so erbärmlichen Zweck hat ein Gott einen ganzen Schöpfungstag, d. h. Millionen von Jahren, an uns gemodelt, um uns vom Staube über alle Lebensstufen hinaus pis hierhin zu führen, wo wir fast wähnen sagen zu dürfen:Eritis sicut Deus. Nein, nicht Genuſs und nicht Reichtum, nicht Ehre und Ansehen ist der Zweck des Lebens! Denn wenn wir auch Berge durchbohrt und Weltteile zum Zwiegespräch verbunden haben, wenn tiefe Schachte dem gierigen Geschlechte die Ersparnisse der Mutter Erde als willkommene Subvention darbieten, um mit uralten Sonnenstrahlen unsere Nächte zu erhellen und mit kondensierter Kraft unsere Maschinen zu treiben und unseren Reichtum zu mehren, wenn das Mikroskop uns in die geheimsten Werkstätten der Natur schauen läſst und das Fernrohr uns vertraut macht mit der Ewigkeit der Zeit und mit der Unendlichkeit des Raumes, damit wir wissen, was war, was ist, und was sein wird, wenn Erfindung über Erfindung uns zum unumschränkten Herrn von Erde, Meer und Luft machen, ja wenn menschlicher Witz selbst die Toten von Babylon und Agypten erweckt, um zu uns zu reden, sagt, ist darum das Menschenglück und die Zufriedenheit des Menschengeschlechtes auch verzehnfacht, oder sind wir ärmer an Frieden und wahrer Freude denn je? Was erzählt uns denn der Kampf aller gegen alle, des Arbeiters gegen den Besitzer, des Ackerbaues gegen die Industrie, des Bürgers gegen den Adel, des Wissens gegen den Glauben, von Nation

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