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§ 4.
Im allgemeinen ist die Zensur„Genügend“ in den verbindlichen wissenschaftlichen Unterrichtsgegenständen der Klasse als erforderlich für die Versetzung anzusehen.
Üper mangelhafte und ungenügende Leistungen in dem einen oder anderen Fache kann hinweggesehen werden, wenn nach dem Urteile der Lehrer die Persönlichkeit und das Streben des Schülers seine Gesamtreife, bei deren Beurteilung auch auf die Leistungen in den ver- bindlichen nichtwissenschaftlichen Unterrichtsfächern entsprechende Rücksicht genommen werden kann. gewährleistet, und wenn angenommen werden darf, daſs der Schüler auf der nächstfolgenden Stufe das Fehlende nachholen kann Indes ist die Versetzung nicht statthaft, wenn ein Schüler in einem Hauptfache das Prädikat„Ungenügend“ erhalten hat und diesen Ausfall nicht durch mindestens„Gut“ in einem anderen Fache ausgleicht.
Als Hauptfächer sind anzusehen:
a. für das Gymnasium: Deutsch, Lateinisch, Griechisch und Mathematik(Rechnen).
p. für das Realgymnasium: Deutsch, Lateinisch, Französisch, Englisch und Mathematik.
c. für die Real- und Oberrealschule: Deutsch, Französisch, Englisch, Mathematik und in den oberen Klassen Naturwissenschaften.
§ 5.
Unzulässig ist es, Schüler unter der Bedingung zu versetzen, dals sie am Anfange des neuen Schuljahres eine Nachprüfung bestehen. Dagegen ist es statthaft, bei Schülern, die versetzt werden, obwohl ihre Leistungen in einzelnen Fächern zu wünschen übrig lieſsen, in das Zeugnis den Vermerk aufzunehmen, dals sie sich ernstlich zu bemühen haben, die Lücken in diesen Füchern im Laufe des nächsten Jahres zu beseitigen, widrigenfalls ihre Versetzung in die nächsthöhere Klasse nicht erfolgen könne.
§ 6.
Inwiefern auf aufsergewöhnliche Verhältnisse, die sich hemmend bei der Entwickelung eines Schülers geltend machen, z. B. längere Krankheit und Anstaltswechsel innerhalb des Schuljahres, bei der Versetzung Rücksicht zu nehmen ist. bleibt dem pflichtmälsigen Ermessen des Direktors und der Lehrer überlassen.
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Zu den Beratungen über die Versetzungen der Schüler treten die Lehrer klassenweise unter dem Vorsitz des Direktors zusammen. Der Ordinarius schlägt vor, welche Schüler zu versetzen, welche zuückzuhalten sind; die übrigen Lehrer der Klasse geben ihr Urteil ab, für welches jedoch immer die Gesamtheit der Unterlagen maſsgebend sein muſs. Ergibt sich über die Frage der Versetzung oder Nichtversetzung eine Meinungsverschiedenheit unter den an der Konferenz teilnehmenden Lehrern, so pleibt es dem Direktor überlassen, nach der Lage des Falles entweder selbst zu entscheiden oder die Sache dem Königlichen Provinzial-Schul- kollegium zur Entscheidung vorzutragen.
§ 8.
Solche Schüler, denen auch nach zweijährigem Aufenthalt in derselben Klasse die Ver- setzung nicht hat zugestanden werden können, haben die Anstalt zu verlassen, wenn nach dem einmütigen Urteil ihrer Lehrer und des Direktors ein längeres Verweilen auf ihr nutzlos sein würde. Doch ist es für eine derartige, nicht als Strafe anzunehmende Maſsnahme erforderlich, daſs den Eltern oder deren Stellvertretern mindestens ein Vierteljahr zuvor eine darauf pe- zügliche Nachricht gegeben worden ist.


