Jahrgang 
1904
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III. Zur Geschichte der Anstalt.

Das Schuljahr wurde am 11. April 1903 in der üblichen Weise eröffnet.

Durch Verfügung vom 16. Dez. 1902 S. 100651 war Herr Oberlehrer Dr. Handwerck nach nur 3 jähriger Wirksambeit hierselbst auf sein Gesuch an das Kgl. Gymnasium zu Marburg versetzt worden, weil das weichliche Klima von Wiesbaden namentlich im Sommer seiner an- gegriffenen Gesundheit weniger zusagte; zugleich war Herr Oberlehrer Rasch¹) von dort dem Kgl. Realgymnasium zu Wiesbaden in gleicher Eigenschaft überwiesen worden. Wir sahen den scheidenden Herrn Kollegen, der in der kurzen Zeit seines Hierseins durch stets gleiche Freundlichkeit und Hingebung sich allgemeine Teilnahme erworben hatte, nur mit Bedauern von uns scheiden und wünschen ihm in seinem neuen Wirkungskreise volle Gesundheit und dauerndes Wohlergehen.

Herr Prof. Dr. Kühn, der sich trotz wiederholten längeren Urlaubs nicht voll er- holen konnte, hatte am 3. April seine Versetzung in den Ruhestand beantragt, die ihm durch Verfügung des Kgl. Provinzial-Schulkollegiums vom 17. Juni 1903 zum 1. Oktober 1903 unter Anerkennung und Dank für seine langjährige und treue Wirksamkeit im höheren Schul- dienste bewilligt wurde. Zugleich wurde ihm von Sr. Majestät dem Kaiser und Könige der Rote Adlerorden IV. Klasse bewilligt. Begeistert für seinen Beruf und von ungewöhnlicher Arbeitskraft hat Herr Prof. Kühn volle 27 Jahre an unserer Anstalt gewirkt; er war stets mit gleichem Eifer und grofser Pflichttreue bemüht, allen ihm übertragenen Aufgaben gerecht zu werden. Dabei fand er trotz aufreibender Schularbeit noch Zeit und Mufse zur Abfassung von Schriften und Schulwerken, die in zahlreichen Auflagen weit über die Grenzen seiner engeren Heimat hinaus Verbreitung und Anerkennung fanden; auch beteiligte er sich teils als Vorsitzender, teils als Mitarbeiter an zahlreichen Wohltätigkeitsvereinen der Stadt. Möge das Bewultsein, auf eine erfolgreiche Lebensarbeit zurückblicken zu können, und die jetzt erlangte gröfsere Mufse für seine liebgewonnene private Tätigkeit den Lebensabend des ausgeschiedenen Kollegen noch lange verschönern. Die Anstalt wird ihm dauernd ein ehrendes und dankbares Andenken bewahren.

¹) Otto Rascch, geboren am 26. November 1865 zu Vockerode im Kreise Eschwege, evang. Kon- fession, trat Ostern 1878 in die Quarta des Königlichen Gymnasiums zu Hersfeld ein, bestand daselbst Ostern 1885 die Reifeprüfung und studierte dann in Marburg. in München und wieder in Marburg klassische Philo- logie und Theologie. Vom 1. Oktober 1885 bis 1. Oktober 1886 genügte er seiner Wehrpflicht als Einjährig- Freiwilliger beim Kgl. Bayr. 1. Infanterie-RegimentKönig in München. Am 11. Juli 1890 bestand er die Staatsprüfung pro fac. doc., worauf er im Oktober dem Kgl. Gymnasium in Marburg zur Ableistung des Seminarjahres zugewiesen wurde. Vom Herbste 1891 bis ebendahin 1892 war er Probekandidat an dem Kgl. Kaiser Friedrichs-Gymnasium in Frankfurt a. M. Hier blieb er nach erlangter Anstellungsfähigkeit noch 2 ½ Jahre als Privatlehrer, bis ihm im Mai 1895 eine Lehrerstelle an der berechtigten Realschule in St. Goarshausen a. Rhein übertragen wurde. Am 1. September 1901 trat er als Oberlehrer des Kgl. Gym- nasiums zu Marburg in den Staatsdienst, und am 1. April 1903 wurde er auf seinen Wunsch an das Kgl.

Realgymnasium zu Wiesbaden versetzt.