Jahrgang 
1899
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19 weil die Klasse nicht rechtzeitig angesagt war, minder gut als im vorigen Jahre. Die lange Eisenbahnfahrt von zweimal 3 St. 30 Min., sowie die Kosten(etwa 4 M. alles zusammen) machen die sonst sehr lohnende Tour minder angenehm.

Eine Fahrt, die uns so nahe liegt und trotz ihrer vielen Reize doch verhältnilsmäsig so selten ge- macht wird, nämtlich auf den Westerwald, unternahm die Obersckunda unter Leitung des Herrn Prof. Kühn. Schon gegen 8 ½ Uhr war man in Frickhofen, wo eben der chemalige Lehrer der Anstalt, jetzige Direktor Herr Walter von Frankfurt in der Sommerfrische verweilte und die Ankommenden mit dem Vorsitzenden des Ver- schönerungsvereins Wallmerod, Herrn Postverwalter Benner, am Bahnhofe begrüfste. Gemeinschaftlich ging es über die Dornburg mit ihrer Eisbildung. den Blasiusberg und den Weltersburger Kopf mit herrlichem Rundblick nach Wallmerod, wo der Verschönerungsverein es sich nicht nehmen lieſs, die Erinüdeten in zuvorkommendster Weise gastfrei zu bewirten, wofür ich auch an dieser Stelle nicht verfehle, meinen Dank auszusprechen. Dann wurden die Schlolsanlagen zu Molsberg besichtigt und über die Höhe des Eichbergs mit prächtiger Aussicht Station Wallmerod erreicht, doch nur um bis Staffel zu fahren und von dort zu Fufs über das malerisch gelegene Oranienstein um 6 Uhr nach Diez zu gelangen, wo das Essen bestellt war. Heimfahrt um 7 Uhr 24 Min. über Schwalbach nach Wies- baden. Gesamtkosten ohne Getränke 3 M.

Etwas näher, aber nicht minder anziehend war das Ziel der I. B. 2. unter Herrn Oberlehrer W. Schmidt. Von Diez, wo man bereits um 81 ⁄½ Uhr eintraf, ging es durch das sehr schöne, aber nicht immer wegsame Daubachthal zur Lahn und über Schaumburg nach Burg Hohlenfels bei Zollhaus, wo man den Abendzug 7 Uhr benutzte. Die Wanderzeit betrug etwa 6 ½ 7 Stunden; Kosten 3 M. ohne Getränke.

Die I. B. 1. zog mit Herrn Prof. Leifs zum Donnersberg, wo sie alle schönen Punkte besuchte und im Jagdbause zu Dannenfels vorzügliche Unterkunft fanden.(Siehe auch II. B.)

Die beiden Oberprimen besuchten die Saalburg. Herr Oberlehrer Dr. Merbach verband damit eine eingehende Besichtigung von Homburg und Frankfurt, während Herr Prof. Ruppel nach Besuch des Saalburg- Museums mit der I. A. 1. meist dem Pfahlgraben entlang zum PFeldberg weiter marschierte, wo jedoch die Aussicht leider gänzlich verregnete. Ohne sich daher lange aufzuhalten, machte man, daſs man nach Königstein kam, wo man in derStadt Wiesbaden gut aufgehoben war. Dann gings unter Regen nach Soden und per Bahn heim. Kostenpunkt 2,50 ohne Getränke.

Aulser diesem Hauptausfluge wurden vom Direktor mit einzelnen Klassen noch eine Reihe von kleineren Touren gemacht, so z. B. in den Ferien mit den unteren Klassen zur Stickelmühle und mit dem Turnverein am 11. Mai über Steinkoppe und Goldsteinbachthal nach Sonnenberg; ferner am 28. Mai mit VI und am 15. Juni mit IV zur Steinkoppe; auf allen diesen Wanderungen wurde fleiſsig im Walde gespielt. Daſs auch, wie in früheren Jahren, zum Dickmilchessen die Grundmühle, sowie die Heidelbeeren bei Station Eiserne Hand mit der VI aufgesucht wurden, sei nur kurz erwähnt; ebenso führte Herr Oberlehrer Dr. Klinkert seine IIIB zum Kirschenessen nach Dotzheim.

Da dem Turnverein für seine wackeren Bemühungen ein besouderes Fest verheiſsen war, wanderten wir Samstag den 17. Juli nach Schlufs des Morgenunterrichtes nach Biebrich, fuhren mit dem Schnelldampfer nach Rüdesheim und machten dann die schöne Fuſswanderung über den Niederwald, Aſsmannshausen und Rheinstein nach Bingen, von wo uns der Schnelldampfer Humboldt gegen 10 Uhr wieder nach Biebrich brachte. Die Stimmung auf der ganzen Fahrt war so heiter, dals mehrere alte Herrn in seliger Rückerinnerung an die eigene Jugendzeit sich auf dem Schiffe zu uns gesellten und gern ein Ubriges gethan hätten, wenn nicht freundlich abgewinkt worden wäre. Dafür gaben denn aber auch unsere frischesten Turner an einem hori- zontalen Eisenrohre, das sich als vorzügliches Reck bewährte, noch eine kleine Gratisvorstellung, die vielen Beifall fand.

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