13 D. Disziplin.
Harte Strafen bleiben, als der weiblichen Erziehung unangemeſſen, ſelbſtredend von unſerer Anſtalt ausgeſchloſſen. Strenge, Regelmäßigkeit, Ordnung und Pünktlichkeit im Schulleben, ſowie möglichſt unausgeſetzte Beaufſichtigung verhüten großentheils das Unrechte.
Jedoch erkennen wir die Nothwendigkeit der elterlichen Mitwirkung in ihrem ganzen Umfange an, und ſuchen den Verkehr mit dem Elternhauſe durch die mannigfaltigſten Mittel zu befördern. Namentlich dienen dazu die Arbeitsbücher und die halbjährlichen, monatlichen und, für Kl. IX bis IV., wöchentlichen Zeugniſſe. Im Intereſſe der Kinder bitten wir die Eltern, jeden Samſtag die wöchentlichen Zeugniſſſe zu fordern, und uns, falls ein Tadel darin ausgeſprochen iſt, durch ihr en ganzen Einfluß auf Herz und Geiſt des Kindes zu unterſtützen.
Anch möge hier die Bemerkung Platz finden, daß wir ſämmtliche Zenſuren eigentlich nicht als Lohn oder Strafe, ſondern als Mittheilungen der Schule an das Elternhaus betrachten. Es wird das Wohl der uns anvertrauten Kinder weſentlich fördern, wenn ſich auch die Eltern dieſer Anſicht anſchließen. Namentlich dürfen die Zeugniſſe nie zum Gegenſtande des Rangſtreits und der Eitelkeit gemacht werden.
E. Phyfiſches Wohl.
Der Geſundheitszuſtand des Lehrer kollegs war in dieſem Jahr weniger befriedigend als früher. Mehrere Mitglieder ſahen ſich durch bedeutende Erkrankung genöthigt, den Unterricht längere Zeit auszuſetzen; doch trat dadurch keine weſentliche Störung des Lehrplanes ein, indem der Ausfall durch die vorhandenen Krafte vollſtändig gedeckt werden konnte. Andere haben auch in dieſem Jahre nicht eine Lehrſtunde ausgeſetzt, was in zweifacher Rückſicht recht erfreulich iſt.
Von den im verfloſſenen Winter allgemein herſchenden Krankheiten wurden auch einige unſerer Schülerinnen ergriffen; doch haben wir keinen Todesfall zu beklagen. Im Uebrigen war der Schulbeſuch ſehr regelmäßig, auch bei der ungünſtigſten Witterung.
Erwähnen möchte ich dabei, daß von unſerer Seite für die Geſundheit der Schülerinnen Alles geſchieht, was nur irgend in unſeren Kräften ſteht. Unſer Spiel⸗ und Turnplatz liegt zwar voll⸗ ſtändig gegen jeden Wind geſchützt; aber dennoch dulden wir nicht, daß die Schülerinnen, bei rauher, feuchter Witterung, draußen ſpielen, ohne zuvor wärmendere Kleidung und Ueberſchuhe angethan zu haben. Ferner hängt in jeder Klaſſe ein Thermometer an geeigneter Stelle, und es iſt überall der Grad ausgeforſcht und angegeben, welchen das Thermometer erreichen muß, damit in der Mitte des Zimmers die normale Wärme von 15—16 Grad Reaumur herſche. Auch ſind die Klaſſenzimmer gut gebaut, und in der einzigen Klaſſe, welche davon eine Ausnahme macht, haben ſämtliche Kinder dieſen Winter durch die Güte des Wohllöblichen Gemeinderaths Strohmatten zum Warmhalten der Füße bekommen.— Über andere Vorſichtsmaßregeln habe ich ſchon in früheren Programmen berichtet.


