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VI. Zur Geschichte der Anstalt.
Das Schuljahr begann am Mittwoch den 10. April. Um S Uhr versammelte sich die Schulgemeinde auf der Aula. Der Direktor gedachte der mit Ablauf des letzten Schuljahres ausgeschiedenen Lehrer und begrüßte die neu eintretenden Kollegen(s. S. 15), die Schüler ermahnte er zu ordentlichem Betragen und fleißigem Arbeiten und nahm hierbei Anlaß, an die wichtigsten Bestimmungen der Schul- und Hausordnung zu erinnern. Darauf fanden die Aufnahmeprüfungen der neu eintretenden Schüler statt, und erst am folgenden Tage begann der planmäßzige Unterricht.
Am 8. Mai fand eine Wiederschensfeier der Abiturienten des Jahres 1889 statt. 15 Herren ver- sammelten sich nachmittags 5 Uhr auf der Aula. Der Direktor begrüßte sie, die vor 40 Jahren die Anstalt mit dem Zeugnis der Reife verlassen hatten, in einer kurzen, herzlichen Ansprache und prachte, um ihnen eine Probe von dem augenblicklichen Betriebe an ihrem alten Gymnasium zu geben, einige Stücke alter griechischer Musik durch den Anstaltschor zu Gehör. Herr Oberstudiendirektor Dr. Höfer sprach im Namen der erschienenen alten Abiturienten und dankte für die Begrüßung und die Darbietungen.
Nachdem am 5. Juli im Rahmen der Reichsjugendwettkämpfe das Schwimmen erledigt war, fanden die Hauptentscheidungen der Reichsjugendwettkämpfe am 10. Juli auf dem Sportplat⸗z an der Frankfurter Straße statt(Näheres s. S. 20). Auch in diesem Jahre hatte es der Unterzeichnete auf Wunsch übernommen, die Sieger zu verkündigen. Er betonte in seiner Ansprache, wie notwendig turnerische und sportliche Wettkämpfe für unser Volk wären, allerdings müßten sie in der richtigen Weise und in dem richtigen Maße bętrieben werden.
Am 21. August beging die Anstalt die Verfassungsfeier. Studienrat Sarnowski hielt die Festrede, die von gesanglichen, instrumentalen und deklamatorischen Darbietungen der Schüler um- rahmt wurde.
Als am 4. September vormittags die Nachricht eintraf, daß das Luftschiff„Graf Zeppelin“ soeben seine Weltreise in Friedrichshafen glücklich vollendet habe, berief der Direktor die ganze Schulgemeinde sofort auf die Aula. Studienrat Hoger gab in kurzer Darlegung einen Uberblick über die Entwicklung, die der Luftschiffbau in Deutschland genommen, und wies auf die Bedeutung dieser letzten großen Leistung deutscher Technik hin. Darauf hielt auch der Direktor noch eine im vaterländischen Geiste gehaltene Ansprache, man sang das Deutschlandlied, und für den Rest des Tages fiel der Unterricht aus.
Am 13. September wurde eine Unterrichtsstunde dem Deutschtum im Auslande gewidmet. Herr Ministerialrat Pfarrer Roth aus Siebenbürgen sprach vor versammelten Schülern und Lehrern der Anstalt über die„Siebenbürgener Sachsen“. Er zeigte, wie dieser deutsche Stamm von Auswanderern aus der Rhein- und Moselgegend jahrhundertelang den Angriffen fremder Völker getrotzt hat, und wie er auch gegenwärtig unter rumänischer Herrschaft im Kampfe gegen alle Unterdrückungen seiner Eigenart mutig ausharrt und siegreich sich behaupten zu können hofft. Die eindringlichen Worte erwarben dem Verein für das Deutschtum im Auslande neue Freunde unter den Schülern.
Am 31. Oktober besuchten die evang. Schüler gemeinsam den Festgottesdienst in der Marktkirche.
Am 22. November besuchte der Vizepräsident des Provinzialschulkollegiums, Herr Dr. Sondag, die Anstalt und wohnte dem Unterrichte in einigen Klassen, besonders in den beiden Oberprimen, bei.
An Kursen in Frankfurt zur Einführung in die Schulreform nahmen teil: Oberstudienrat Dr. Koch vom 25. bis 30. November(für Mathematik), Studienrat Dr. Schmidt vom 20. bis 25. Januar 1930(für evang. Religion). Studienrat Dr. Jung nahm vom 10. bis 12. Oktober an der Tagung zur Förderung des philos. Unterrichts in Berlin teil, vom 3. bis 11. Januar 1930 der Direktor, sowie Ober-. studienrat Dr. Koch und Oberschullehrer Barsch an der 3. Direktorenversammlung der Provinz Hessen-Nassau, die dieses Mal in Wiesbaden stattfand.
Vor Weihnachten und Ostern veranstalteten die Untertertia und die Obertertia des Ref ormrealgymnasiums auf der Aula Klassenfeiern mit deklamatorischen und musikalischen Vorträgen, die im wesentlichen aus dem Klassenunterricht hervorgegangen waren. Schüler der Qu arta des Gymnasiums führten vor Weihnachten auf der Aula das Kasperlestück:„Kaspers Kämpfe mit dem Höllenfürsten“ von Dr. Paul auf. Das Theater, die Kulissen, Vorhang und der
gesamte Zubehör waren von ihnen selbst unter Anleitung ihres Zeichenlehrers Alfred Görsch angefertigt.


