Jahrgang 
1930
Einzelbild herunterladen

22

V. Verschiedenes.

a) An dem Schulgehäude, über dessen schlechten Zustand seit langem zu klagen ist, hat sich auch im verflossenen Schuljahr nichts geändert. Der Mangel an Raum für unsere große Doppelanstalt besteht nach wie vor in unerträglicher Weise fort. Auch in diesem Jahre mußten für die seit 2 Jahren notwendig gewordene 18. und 19. Klasse zwei Räume der Mittelschule in der Luisenstraße von der Stadt Wiesbaden gemietet werden. Außerdem ist seit 12 Jahren eine Klasse im Hause Luisenstraße 35 unter- gebracht. Auch in diesem Jahre fand eine eingehende Besichtigung der Gebäude durch eine Kommission statt, und unter dem Vorsitze des Ministerialrates Landé wurde die Frage einer anderweitigen Unter- bringung der staatlichen Gymnasien sorgfältig geprüft. Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen.

b) Die Schüler-Unfallversicherung, die vor mehreren Jahren staatlicherseits ins Leben gerufen wurde, hat sich bewährt. Für einen jährlichen Beitrag von 1,50 RNM sind die Schüler gegen alle Unfälle versichert, die sie auf dem Wege von und zur Schule, auf dem Schulhofe, beim Unterricht sowie bei dem von der Schule beaufsichtigten Turnen und Spielen erleiden. Die Anmeldung des Unfalls erfolgt durch die Schule; ihr muß spätestens am Tage nach dem Unfall ein Bericht eingereicht werden.(Vordrucke gibt Oberschullehrer Barsch aus.) Der Beitrag ist am 1. Mai und 1. Oktober mit 0,75 RNM fällig und wird in der Schule eingesammelt.

c) Die Lehr- und Lernmittel wurden nach Maßgabe der verfügbaren Mittel ergänzt.

Die Lehrerbücherei ist nach wie vor in äußerst mangelhafter, nur durch den furchtbaren Platz- mangel bedingter Weise in fünf getrennten Räumen untergebracht, daher schlecht benutzbar und schwer zu verwalten. Ein Teil der Bücher ist bereits durch Schimmel verdorben, andern droht dasselbe Schicksal. Neuanschaffungen wurden vorgenommen, soweit es die zur Verfügung stehenden Mittel erlaubten, sie müssen jedoch als schr bescheiden bezeichnet werden, wenn man daran denkt, welche Fülle von päda- gogischer und didaktischer Literatur(ganz abgesehen von den Neuerscheinungen der fortschreitenden Wissenschaft) allein die Durchführung der Schulreform erheischt.

Die Schülerbüchereien wurden klassenweise von den Herren Dr. Heiler, Unverzagt, Thie- meyer, Gotthardt, Dr. Schmidt, Dr. Weßling, Hagelauer verwaltet. Sie stehen in kleinen Wandschränkchen, die keine Erweiterung zulassen und infolge ihrer Enge dauernd Beschädigungen der Einbände herbeiführen. Sie wurden durch Werke belehrenden und unterhaltenden Inhalts nach Maß- gabe der verfügbaren Mittel ergänzt, doch ist auch hier zu beklagen, daß infolge des Mangels an Raum und Geldmitteln cine für die Schuljugend so wertvolle Einrichtung ganz und gar nicht den Forderungen der modernen Zeit entsprechend ausgebaut werden kann.

Der biologischen Sammlung unserer Anstalt wurden wieder einige Geschenke überwiesen: eine aus- gestopfte Wildkatze von Herrn Rentner Scheuern(Wiesbaden, Scheffelstraße 10), eine Spirituspräparat, einer Ringelnatter von Unterprimaner Wilhelm Pabst, eine Werk über Meeresschnecken von Studienrat Schnell, mehrere JahrgängeAus Natur und Museum von Studienrat Hoger.

d) Neuerungen im Schulbetrieb. Ostern 1929 wurde die Oberprima der realgymnasialen Abteilung der Anstalt eingerichtet. Ostern haben die ersten Oberprimaner dieser Abteilung ihre Reifeprüfung abgelegt(s. S. 18), damit ist das Reformrealgymnasium ausgebaut, und die ganze Anstalt besteht aus zwei vollen neunstufigen Zügen.

Entsprechend der im vorhergehenden Schuljahr genehmigten Teilung der damaligen gymnasialen Obersekunda in zwei Abteilungen a und b wurden in diesem Schuljahre zwei Abteilungen a und b für die Unterprima des Gymnasiums durchgeführt, während die gymnasiale Obersckunda wieder als ungeteilte Klasse besteht.

e) Die Städtische höhere Schule in Eltville steht mit dem Gymnasium derart in Verbindung, daß der Direktor des Gymnasiums diejenigen Schüler und Schülerinnen der Eltviller Anstalt, die auf die UII, einer höheren Lehranstalt für Knaben, bzw. auf die 2. Klasse eines Lyzeums übergehen wollen, einer Prüfung unterzieht.