Jahrgang 
1915
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Gymnasium mit all seinen Lebrern und Schülern, er gebe Gedeihen zu ihrer Arbeit, daßs es sei und bleibe eine Pflanz- und Pflegestätte christlich-humaner Bildung und Gesittung, cine leuchte unter den Lehr- und Bildungsanstalten unserer Stadt! Das walte Gott!-

Nach den Notprüfungen schmolzen die 4 Abteilungen der Prima in eine zusammen, die Reihen der Sekundaner waren gelichtet. Viele sind nach Osten und Westen hinausgezogen; manche von ihnen haben Auszeichnungen erworben, nicht wenige hat der Tod dahingerafft. Ihre Namen wird der Jahresbericht nennen, wenn dieser Krieg sein Ende gefunden hat. Einen haben wir, kaum ein vierteljahr nachdem er die Schule verlassen hat, zur letzten Ruhestätte geleitet(17. Nov. 1914). Joseph Peters war nach bestandener Reifeprüfung als Kriegsfreiwilliger zu den Waffen geeilt. Auf dem westlichen Kriegsschauplatze verwundet, wurde er in das Lazarett nach Mainz verbracht; dort ist er verstorben, von den Eltern, Lehrern und Kameraden als ein braver und tüchtiger Mensch aufrichtig betrauert.

Den Geburtstag des Landesherrn feierten wir am Vorabend stiller und ernster als sonst. Die Festrede hielt Professor Dr. Hofmann.

Nach allen schweren Erschütterungen traf unsere Anstalt der herbste Schlag in der Frühe des 4. Februar, allen unerwartet. An diesem Tage verstarb ganz plötzlich unser Direktor. Wie eine dumpfe Betäubung fiel es über Lehrer vie Schüler der Anstalt. Am anderen Tage hielten wir eine kurze ernste Gedächtnisfeier, am 6. geleiteten wir ihn zu Grabe. Hier wie dort widmete ihm der Senior des Lehrerkollegiums, Herr Professor Lohr, einen Nachruf. Ihm kommt es zu, auch an dieser Stelle des Toten zu gedenken.

Am 4. Februar ds. Js. starb ganz uperwartet der Direktor des Gymnasiums, Dr. phil. et jur. Melchior Thamm. Von einer Reise, die er in aller Frühe angetreten hatte, um ciuer alten F'reundin seiner Familie in Montabaur das letzte Geleite zu geben, wurde er tot zurückgebracht: ein Schlagflufs hatte ihn getroffen und sanft entschlafen lassen.

Nur zwei Jahre lang ist er der Leiter unserer Schule gewesen. Aber in dieser kurzen Zeit hat er dem schweren Amte seine hervorragende Arbeitskraft unermüdlich gewidmet. Mit außer- ordentlichem Eifer achtete er darauf, daß Zucht und Ordnung in der Anstalt herrschte, und wach- same Augen hatte er, um den Fleiß der Schüler zu beobachten und anzuspornen und ihre Lernerfolge zu fördern. Sogar um einzelne Schüler der verschiedensten Klassen hat er sich in geradezu väter- licher Weise gekümmert, indem er sie zu sich kommen ließ und nachsah, wie sie ihre Aufgaben erledigt hatten.

Besondere Freude machte es ihm, dic aus Beuthen wegen der Russengefahr hierher über- wiesenen Gymnasiasten gut unterzubringen und ihnen, seinen schlesischen Landsleuten, auf Ausflügen die Schönheit unseres Gaues zu zeigen und sie in dessen Geschichte einzuführen.

Lebhaftes Interesse zeigte er auch für ein engeres Zusammenschließen der früheren Schüler der Anstalt und in diesem Bestreben gründete er einen Verein, der die Beziehungen der alten Abiturienten zueinander und zur Schule pflegen und warm halten soll.

IIerzlich war sein Verhältnis zum Lehrerkollegium, er fühlte sich mit uns verbunden zu ein- mütigem Arbeiten an der Jugend. Nicht war es seine Art, den Vorgesetzten ohne Not herauszu- kehren, viel mehr lag ihm daran, durch freundliches und verständnisvolles Besprechen strittige Punkte zu klären. So erreichte er es leicht, daßs alle seiner aufrichtigen und wohlwollenden Gesinnung ver- trauten und ihm gerne folgten

Neben den austrengenden Amtsgeschäften, die ihm gerade scit Ausbruch des Krieges, infolge der zahlreichen Prüfungen, viel Unruhe und Mühe brachten, war er doch noch imstande, literarisch tätig zu sein und bis in seine letzten Tage hat er redlich die Zeit ausgekauft, um fertigzustellen, was er den Verlegern versprochen hatte.

Zu früh ist er seiner Familie, seinen Freunden und dem Wirkungskreise, der ihm so große Befriedigung gewährte, entrissen worden. Wir aber vollen ihm dankbar bleiben für das, was er unserem Gymnasium gewesen ist, und in der Geschichte der Anstalt wird sein Name für alle Zeit guten Klang behalten.-