Jahrgang 
1915
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Den vorjährigen Schulbericht hatte er abgeschlossen mit den Worten:

Am 13. Dezember versammelten sich ehemalige Schüler des Kgl. Gymnasiums zur Gründung eines Vereins. Er hat den Zweck, seinen Mitgliedern durch Studien-Erinnerungsfeste Gelegenheit zum Wiedersehen zu bieten und die Interessen der alten Schule zu fördern. Zahlreiche Meldungen sind bereits erfolgt, und ein Aufruf wird demnächst an alle Ehemaligen ergehen. Möge er ein tausendfaches Echo finden und dem Verein viele neue Mitglieder zuführen, die eine ideale Brücke aus der Vergangenheit über die Gegenwart in die Zukunft schlagen zum Heil und Segen der altberühmten Bildungsstätte!

Diesen seinen Lieblingsgedanken weiter zu verfolgen, ihn mit der Tatkraft zu verwirklichen, die ihm in allem seinem Tun eigen war, hat ihn der Krieg gehindert. Diejenigen unter seinen Freunden und Schülern, die sein Andenken ehren wollen, werden sicherlich ganz in seinem Sinne handeln, wenn sie später die Durchführung des Begonnenen übernehmen.

Der Krieg hat uns alle, die Lehrenden wie die Lernenden, gleichmäßig in den Bann seiner ungeheuren Wirkungen hineingezogen. Wir haben uns bemüht, dem kindlichen Empfinden der jüngeren Schüler, wie den Gedanken der schon Gereifteren die Bedeutung dieser Monate nahe zu bringen. Unsere Mahnungen haben auf die Notwendigkeit, sparsam mit den Lebensmitteln umzugehen, wiederholt hingewiesen, sie haben sich an der Arbeit des Roten Kreuzes und an den Ubungen der Jugendwehr beteiligt, sie haben bei der Goldsammlung geholfen(mehr als 25 000 Mark konnten abgeliefert, werden) und sind auch beteiligt bei dem Erfolg der Neun-Milliarden-Anleihe. Wir haben mit ihnen gejubelt und frohlockt bei den Siegen im Osten und Westen, über die deutschen Erfolge zu Lande, zu Wasser und im Reiche der Luft. Wir wurden erhoben und emporgerissen und waren stolz auf unsere Volksgenossen auch da, wo sie fremder Übermacht und Tücke erlagen. Das gute klare Recht, unserer Sache und das in alle Kreise durchgedrungene Bewußztsein, daß unser Kampf nicht nur um Sein oder Nichtsein des eigenen Volkes, sondern um die höchsten Güter der Menschheit ausgekämpft, werden muß, hält uns aufrecht in der Trauer und dem Schmerz um die schweren Opfer, die wir gebracht haben, und in der bangen Sorge um die, welche wir noch werden hergeben müssen.

Wir haben schöne und erhebende Eeiern mit unserer Schuljugend gefeiert; wir haben versucht, ihnen die Herrlichkeit des Aufschwungs unseres ganzen Volkes, die Macht der sittlichen Ideen, die es begeistern, die zum höchsten und schwersten Opfer bereite Hingabe an das Vaterland nahe zu bringen und damit in die jungen und empfänglichen Herzen eine Saat zu legen, die das hoffen wir zuversichtlich in ihnen keimen und dermaleinst aufgehen soll, daßs in ihnen heranwächst ein starkes Pflichtgefünhl und ein Sinn, der fähig und willig ist, sich ganz unterzuordnen und ganz hinzugeben dem eigenen Volke und Staate. Wohl müssen wir uns damit abfinden, daß die Schule in dieser harten Zeit nicht auf der Höhe ihrer Leistungen bleiben kann; die nächsten und dringendsten Forderungen gehen voran allem Anderen.

Aber wir wollen nie vergessen, daß zu dem Rüstzeug, das unser Volk wehrhafter gemacht hat als alle anderen, auch die Schule und ihre stille Arbeit gehört. Bringt uns das Jahr noch den Frieden, dann wird es uns auch gelingen in gleichmäßiger ernster Tätigkeit ohne Herabsetzung des Maßzes das Ziel wieder zu erreichen, was wir alle von der Schule erhoffen, die Gewöhnung zur Pflicht des Tages, die Freudigkeit zur Arbeit und die Heranbildung eines gesunden Geistes in gesundem Leibe.

Für die, welche das Glück hatten, in der empfänglichen Jugendzeit so gewaltigen Aufschwung und Taten von so weltgeschichtlicher Bedeutung zu erleben, erhoffen wir von dieser Zeit die Festigung des Charakters, die Schärfung des Blickes für die hohen Aufgaben unseres Volkes, die Erstarkung des Nationalbewußtseins in dem Sinne unseres ersten großen Kanzlers. Mit der ernsten Feier der hundertjährigen Wiederkehr seines Geburtstages hoffen wir unserem Schuljahr einen würdigen Abschlußs zu geben.