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Besondere Mitteilungen.
In den letzten Jahren sind deutliche Anzeichen davon zutage getreten, dafs leider auch hier das Unwesen der Schülerverbindung vorhanden ist. Da, wo viele auswärtige, in Pensionen wohnende Schüler vorhanden sind, ist es erklärlich, dals derartige Schäden sich ein- wurzeln können. Ilier, vo es sich fast nur um einheimische, bei ihren Eltern wohnende Schüler handelt, ist es ein recht betrüblicher Beweis von mangelhafter elterlicher Aufsicht, wenn derartiges sich festsetzen kann. Kurz scien folgende Punkte zur Beachtung hervorgehoben:
1. Schülerverbindungen, die unter Nachahmung studentischer Formen, in Veraustaltungen von Kneipereien ihren Lebenszweck schen, sind durch ministeriellen Erlaſs auf das strengste verboten und zwar mit Recht, weil sie die Mitglieder erfahrungsgemäfs moralisch, geistig und körperlich schwer schädigen und die Wirksamkeit und den gesunden Geist der Anstalt empfindlich beeinträchtigen können. Die Teilnehmer an ihnen werden mit der Verweisung von der Anstalt, zum mindesten mit der Androhung der Verweisung bestraft.
2. Bei einer Stadt von der Gröſse Wiesbadens liegt es gänzlich aufserhalb der Macht des Lehrerkollegiums, die Schüler nach dieser Richtung hin zu beaufsichtigen und solche Ausartungen zu verhüten. Die Schule kann nur durch Mahnen und Warnen vorzubeugen versuchen.
3. Einzig das Elternhaus ist es, in dessen Macht es liegt, solche Ubelstände nicht aufkommen zu lassen, indem ein jedes für seinen Sohn durch demgemälse Lebensregelung einsteht. Ihm fällt also die volle Verantwortung zu, wenn trotzdem solche verderbliche Formen des Schülerverkehrs einreiſsen und bei ihrer Entdeckung harte Strafen Platz greifen müssen.
Wie schön wäre es, wenn auch auf diesem Gebiete Haus und Schule einträchtig zusammen- wirkten! Soll es doch nur geschehen zur Wohlfahrt der Jugend!
Über die Schundliteratur ist unter dem 21. September 1912 der folgende Ministerial-Erlaſs ergangen:
«Die Gefahren, die durch die überhand nehmende Schundliteratur der Jugend und damit der Zukunft des ganzen Volkes drohen, sind in den letzten Jahren immer mehr zutage getreten. Neuerdings hat sich wieder mehrfach gezeigt, daſs durch die Abenteurer-, Gauner- und Schmutz- geschichten, wie sie namentlich auch in einzelnen illustrierten Zeitschriften verbreitet werden, die Phantasie verdorben und das sittliche Empfinden und Wollen derart verwirrt worden ist, dals sich die jugendlichen Leser zu schlechten und selbst gerichtlich strafbaren Handlungen haben hinreiſsen lassen. Die Schule hat es auch bisher nicht daran fehlen lassen, mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln dieses Ubel zu bekämpfen und alles zu tun, um bei den Schülern und Schülerinnen das rechte Verständnis für gute Literatur. Freude an ihren Werken zu wecken und dadurch die sittliche Festigung in Gedanken, Worten und Taten herbei- zuführen. In fast allen Schulen finden sich reichhaltige Büchereien, die von den Schülern und Schülerinnen kostenlos benutzt werden können. Aber die Schule ist machtlos, wenn sie von dem Elternhause nicht ausreichend unterstützt wird. Nur wenn die Eltern in klarer Erkenntnis der ihren Kindern drohenden Gefahren und im Bewulstsein ihrer Verantwortung die Lesestoffe ihrer Kinder, einschliefslich der Tagespresse sorgsam überwachen, das versteckte Wandern häſslicher Schriften von Hand zu Hand verhindern, das Betreten aller Buch- und Schreibwaren- handlungen, in denen Erzeugnisse der Schundliteratur feilgeboten werden, streng verbieten und selbst überall gegen Erscheinungen dieser Art vorbildlich und tatkräftig Stellung nehmen, nur dann ist Hoffnung vorhanden, dals dem Übel gesteuert werden kann. Bei der Auswahl guter und wertvoller Bücher wird die Schule den Eltern wie auch den Schülern und Schülerinnen selbst, mit Rat und Tat zur Seite stehen und ihnen diejenigen Bücher angeben, die sich für die Altersstufe und für ihre geistige Entwicklung eignen. Zu diesem Zwecke werden es sich die Lehrer und Lehrerinnen gern angelegen sein lassen, sich über die in Betracht kommende Jugend- literatur fortlaufend zu unterrichten. Das in dem Weidmannschen Verlage zu Berlin erschienene Buch des Direktors Dr. F. Johannesson„Was sollen unsere Jungen lesen?“ wird den Schülern und auch den Schülerinnen wie deren Eltern als zuverlässiger Wegweiser dabei dienen können.»


