Jahrgang 
1912
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derartige Schäden sich einwurzeln können, hier, wo es sich fast nur um einheimische, bei ihren Eltern wohnende Schüler handelt, ist es ein recht betrüblicher Beweis von mangelhafter elterlicher

Aufsicht, wenn derartiges sich festsetzen kann. Kurz seien folgende Punkte zur Beachtung hervorgehoben:

1. Schülerverbindungen, die unter Nachahmung studentischer Formen, in Veranstaltungen von Kneipereien ihren Lebenszweck sehen, sind durch ministeriellen Erlafs auf das strengste verboten und zwar mit Recht, weil sie die Mitglieder erfahrungsgemäfs moralisch, geistig und körperlich schwer schädigen und die Wirksamkeit und den gesunden Geist der Anstalt empfindlich beeinträchtigen können. Die Teilnehmer an ihnen werden mit der Verweisung von der Anstalt, zum mindesten mit der Androhung der Verweisung bestraft.

2. Bei einer Stadt von der Gröſse Wiesbadens liegt es gänzlich aufserhalb der Macht des

Lehrerkollegiums, die Schüler nach dieser Richtung hin zu beaufsichtigen und solche Ausartungen

zu verhüten. Die Schule kann nur durch Mahnen und Warnen vorzubeugen versuchen.

3. Einzig das Elternhaus ist es, in dessen Macht es liegt, solche Übelstände nicht auf- kommen zu lassen, indem ein jedes für seinen Sohn durch demgemälse Lebensregelung einsteht. Ihm fällt also die volle Verantwortung zu, wenn trotzdem solche verderbliche Formen des Schülerverkehrs einreiſsen und bei ihrer Entdeckung harte Strafen Platz greifen müssen.

Wie schön wäre es, wenn auch auf diesem Gebiete Haus und Schule einträchtig zusammen- wirkten! Soll es doch nur geschehen zur Wohlfahrt der Jugend!

Die Gefahren, die durch die überhand nehmende Schund- und Schmutzliteratur und durch gleichartige Schaustellungen dem deutschen Volk und zumal seiner Jugend drohen, sind in den letzten Jahren immer deutlicher zutage getreten, und allerorten hat man sich auf die Pflicht zur Eindämmung dieser trüben Flut und damit zur Bewahrung der physischen und sittlichen Kraft unserer Nation besonnen. Auch in Wiesbaden hat sich ein gröſserer Ausschuls, zusammengesetzt aus Vertretern der verschiedenen Stände, Körperschaften und Vereine, gebildet mit der Aufgabe, die einschlägigen Verhältnisse unserer Stadt zu beobachten und gegebenenfalls sowohl durch abwehrende wie durch Ersatz schaffende Malsnahmen ihre Gesundung zu fördern. An diesen Bestrebungen beteiligt sich auch die Schule durch ihre Lehrer in eifriger Weise. Aber die ausschlaggebende Macht in dem Kampfe gegen Schund und Schmutz in Wort und Bild ist und bleibt doch, wie in allen Erziehungsfragen, das Elternhaus. Nur wenn die Eltern in klarer Erkenntnis der bedrohlichen Sachlage und in regem Bewulstsein ihrer Hauptverantwortung die Lektüre ihrer Kinder sorgfältig überwachen, das versteckte Wandern hälslicher Schriften von Hand zu Hand möglichst verhüten, das Betreten solcher Buchläden, in denen die Erzeugnisse der Obscönität einen breiten Platz einnehmen, streng verbieten und selbst, überall gegen Erscheinungen dieser Art tatkräftige Stellung nehmen, ist die Hoffnung vorhanden, allmählich des Übels einigermaſsen Herr zu werden. Eine besondere Beachtung erheischen auch die Kinematographentheater, die bei ihrer Häufigkeit, bei der durch die technische Bequemlichkeit ihres Betriebes bedingten fortwährenden Zugänglichkeit und bei der Billigkeit der Eintrittspreise für die Schüler oft nur 10 Pfg.! eine grolse Anziehung auf die Jugend ausüben und erfahrungsgemäls von ihr in stärkstem Maſse besucht werden; oft bestehen die Zuschauer zu 70% aus Kindern und schulpflichtiger Jugend. Nun ist es unbestreitbar, dafs die Erfindung der beweglichen Photographie bei richtiger Verwendung ein bedeutsames Bildungsmittel sein kann, das verdient als eindrucksvolle Form des Anschauungsunterrichtes recht fruchtbar gemacht zu werden. Es sei auch anerkannt, daſs einige von den hier bestehenden Kinematographentheatern sich auf einer angemessenen Höhe befinden, und schlieſslich verhindert die jetzt eingerichtete polizeiliche Kontrollierung der Films, dals irgendwo unmittelbar Unanständiges vorgeführt wird. Und doch stehen dem wahl- und schrankenlosen Besuche der Kinematographentheater bei der jetzigen Sachlage schwere Bedenken entgegen, die sich auf den Inhalt wie auf den äufseren Rahmen der Vorstellungen gründen. Noch sind vielfach grobe Sensationsnummern mit greller und verfänglicher Handlung auf der Tagesordnung, die den rohen Geschmack anziehen; aber für die kindliche Phantasie geradezu verderblich wirken können; dann strengen die lang ausgedehnten Vorstellungen mit ihrer rasch wechselnden Buntscheckigkeit der Nummern, mit dem unruhigen Flimmern ihrer Bilder die Augen und die Kopfnerven auſserordentlich