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Turn- und Zeichenunterricht.
Die Schule der Gegenwart ist ernst bemüht, ihre Zöglinge nicht nur geistig zu bilden, sondern auch körperlich kräftig zu entwickeln, in der Erkenntnis, daſs nur die Harmonie zwischen geistiger und körperlicher Ausbildung dem Ideale der Erziehung nach allen Richtungen hin entspricht. Diese Bestrebungen, die in der stärkeren Betonung des Turnunterrichtes, vor allem aber in der Pflege des Bewegungsspieles im Freien ihren Ausdruck finden, verdienen die verständnisvolle Förderung von Seiten der Eltern, selbst wenn mit diesen Veranstaltungen einige Unbequemlichkeiten verbunden sein sollten. Deshalb kann eine Befreiung von dem Turnunterrichte und den Bewegungsspielen, die am hiesigen Gymnasium während des Sommers für die dritte Turnstunde eintreten und deshalb für alle Schüler verbindlich sind, nur bei wirklich triftigen Gründen stattfinden. In diesem Sinne schärft ein Ministerialerlals vom 13. Juli 1908 nochmals folgende Bestimmung ein: Eine Befreiung vom Turnunterricht ist nur dann auszusprechen, wenn wirkliche Leiden nachgewiesen werden, bei denen eine Verschlimmerung durch das Turnen zu befürchten ist. Weiter Schulweg, Bleichsucht, Muskel- schwäche, Rachenkatarrh und ähnliche Dinge können nicht als ausreichende Gründe für die Befreiung erachtet werden. Für die Befreiung vom Zeichenunterricht kann nach ministerieller Verfügung das Zeugnis eines Spezialarztes vom Anstaltsleiter verlangt werden, wenn es sich um ein Augenleiden als Grund zur Befreiung handelt. Das wahlfreie Zeichnen von UII aufwärts wird wegen des Nutzens zeichnerischen Könnens für viele, zumal technische Berufe des heutigen Kulturlebens warm empfohlen.
Versetzung.
Aus den Bestimmungen über die Versetzung der Schüler vom 25. Oktober 1901 sei der§ 5, der auf den Osterzeugnissen öfters angeführt wird, in seinem Wortlaute mitgeteilt: Unzulässig ist es, Schüler unter der Bedingung zu versetzen, daſs sie am Anfange des neuen Schuljahres eine Nach- prüfung bestehen. Dagegen ist es statthaft, bei Schülern, die versetzt werden, obwohl ihre Leistungen in einzelnen Fächern zu wünschen übrig lieſsen, in das Zeugnis den Vermerk aufzunehmen, daſs sie sich ernstlich zu bemühen haben, die Lücken in diesen Fächern im Laufe des nächsten Jahres zu beseitigen, widrigenfalls ihre Versetzung in die nächst höhere Klasse nicht erfolgen könne.
Besondere Mitteilungen.
Die Gefahren, die durch die überhand nehmende Schund- und Schmutzliteratur und durch gleichartige Schaustellungen dem deutschen Volk und zumal seiner Jugend drohen, sind in den letzten Jahren immer deutlicher zutage getreten, und allerorten hat man sich auf die Pflicht zur Eindämmung dieser trüben Flut und damit zur Bewahrung der physischen und sittlichen Kraft unserer Nation besonnen. Auch in Wiesbaden hat sich ein grölſserer Ausschufs, zusammengesetzt aus Vertretern der verschiedenen Stände, Körperschaften und Vereine, gebildet mit der Aufgabe, die einschlägigen Verhältnisse unserer Stadt zu beobachten und gegebenenfalls sowohl durch abwehrende wie durch Ersatz schaffende Maſsnahmen ihre Gesundung zu fördern. An diesen Bestrebungen beteiligt sich auch die Schule durch ihre Lehrer in eifriger Weise. Aber die ausschlaggebende Macht in dem Kampfe gegen Schund und Schmutz in Wort und Bild ist und bleibt doch, wie in allen Erziehungs- fragen, das Elternnaus. Nur wenn die Eltern in klarer Erkenntnis der bedrohlichen Sachlage und in regem Bewuſstsein ihrer Hauptverantwortung die Lektüre ihrer Kinder sorgfältig überwachen, das versteckte Wandern hälslicher Schriften von Hand zu Hand möglichst verhüten, das Betreten solcher Buchläden, in denen die Erzeugnisse der Obscönität einen breiten Platz einnehmen, streng verbieten und selbst überall gegen Erscheinungen dieser Art tatkräftige Stellung nehmen, ist die Hoffnung vorhanden, allmählich des UÜbels einigermaſsen Herr zu werden. Eine besondere Beachtung erheischen auch die Kinematographentheater, die bei ihrer Häufigkeit, bei der durch die technische Bequem- lichkeit ihres Betriebs bedingten fortwährenden Zugängiglichkeit und bei der Billigkeit der Eintritts- preise— für die Schüler oft nur 10 Pfg.!— eine grofse Anziehung auf die Jugend ausüben und erfahrungsgemäſs von ihr in stärkstem Malse besucht werden; oft bestehen die Zuschauer zu 70% aus Kindern und schulpflichtiger Jugend. Nun ist es unbestreitbar, daſs die Erfindung der beweg-. lichen Photographie bei richtiger Verwendung ein bedeutsames Bildungsmittel sein kann, das verdient


