3. Übersicht über die während des Schuljahres 1898/99 durchgenommenen Lehrpensa.
Oberprima.
Ordinarien: Cötus A: Professor Dr. Flach, seit October Prof. Dr. Lohr. Cötus B: Professor Bücheler.
. Religionslehre: a) Erangelische. 2. St.— C. A. u. B.: Glaubens- und Sittenlehre im Anschluls an die Augustana.— Römer- und Korintherbrief. — Wiederholungen. Lohr.
b) Katholische. 2 St.(zusammen mit I, 2): Übersicht über die Glaubenslehre.— Zweiter Teil der Glaubenslehre ausführlicher, nach Wedewers Grundriſs.— Das Wichtigste aus der Sittenlehre. Wiederholungen. Wedewer.
2. Deutsche Sprache: C. A und B je 3 St.— GC. K:
Litteraturkunde: Goethe und Schiller nebst deren berühmtesten Zeitgenossen. sowie bedeutendere neuere Dichter.— Lektüre: Lessings Hambur- gische Dramaturgie mit Auswahl; im Anschluls daran das Wichtigste aus der Aristotelischen Poetik und aus Freytags Technik des Dramas; die schwereren philosophischen Gedichte Schillers und Goethes, Shakespeares Julius Cäsar. Goethes Torquato Tasso; Aus meinem Leben und Faust mit Auswahl; Schillers Vorlesung über Universal- geschichte; Wiederholung der auf Unterprima gelernten Gedichte; neu memoriert wurden ein- zelne Stellen aus dem Lesestoff: Vorträge über Leben und Werke der Dichter nach eigener Ausarbeitung.— Aufsätze; mündliche und schriftliche Dispositionsübungen. Die Arten der Dichtung.
Themata der Aufsätze:
1. Wie widerlegt Lessing in seiner Drama- turgie Voltaires Rechtfertigung des Er- scheinens eines Geistes auf der Bühne, und wie begründet er seinerseits die Berechtigung eines solchen?(Klassenaufsatz).
2. Die Verdienste des grofsen Kurfürsten nach innen und aufren.(Häusl. Aufsatz).
3. Das Unglück eine Schule.(Klassenaufsatz).
4. Die Exposition in Goethes Torquato Tasso. (Häusliche Asbeit).
5. Rom ist nicht in einem Tage erbaut.(Klassen-
anrbeit.)
6. Wie bekämpft Horaz in seiner ersten Epistel den Grundsatz der Menge: virtus pest
nummos?(Häusl. Aufsatz.) 4
7. a) A4A4') Malßs νννι να‿s reνναᷣνα
rOν ννννᷣν ʒ⁹.
b) Welche Bedeutung hat Odysseus in Sopho- kles' Ajas?
c) Die allgemeinen Gedanken des Chores in Sophocles' Ajas.
8. Eine ausführlichere Disposition.(Klassen-
arbeit.)
9. a) Wodurch gelingt es Mark. Antonius, das römische Volk gegen seine Befreier zu empören?(Prüfungsaufsatz.)
b) Ein Schüler bearbeitete später in seinem Prüfungsaufsatz das Thema: Durch welche Mafsregeln im Innern des Landes hat sich Friedrich Wilhelm I besondere Verdienste erworben?
Im Sommer: Flach. Seit October: Spiess,
C. B: Litteraturkunde: Lebensbilder Goethes und Schillers und ihrer berühmtesten Zeitgenossen, sowie bedeutenderer neuerer Dichter.— Lektüre: Lessings Hamburgische Dramaturgie mit Auswahl; im Anschluss daran das Wichtigste aus der Poe- tik des Aristoteles; die schwereren philosophischen Gedichte Schillers und Goethes. Goethes Tor- quato Tasso und Aus meinem Leben mit Auswahl, Shakespeares Julius Cäsar. Privatim wurden gelesen und in der Schule besprochen: Lessings Emilia Galotti und Nathan der Weise, Goethes Egmont und Parzival von Wolfram von Eschen- bach.— Wiederholung der auf Unterprima ge- lernten Gedichte; neu memoriert wurden einzelne Stellen aus dem Lesestoff.— Vorträge über Leben und Werke deutscher Dichter nach eigener Aus- arbeitung.— Aufsätze. Mündliche und schrift- liche Dispositionsübungen.
Themata der Aufsätze:
1. Inwiefern zcigt sich der Mensch als Herrn der Natur?(Klassenaufsatz.)
2. Welche Gesetze stellt Aristoteles in Betreff der drei Einheiten im Drama auf, und wie werden diese von den Franzosen befolgt?
3. Unglück selber taugt nicht viel,
Doch hat's drei gute Kinder: Kraft, Erfahrung, Mitgefühl. (Klassenaufsatz.) 4. Inwiefern zeigen sich Andreas Streicher, Frau von Wolzogen und Ch. G. Körner als wahre Freunde Schillers in den Tagen seiner Not?(Klassenaufsatz). 5. Wie kommt die Freundschaft zwischen Antonio und Tasso zu stande?(Nach Goethes T'orquato Tasso). 6. Auf welche Weise gelingt es Antonius, das römische Volk gegen die Mörder Cäsars aufzureizen?(Nach Shakespeares Julius Cäsar.) 7. Inwiefern verschuldet Claudia Galotti das Unglück, das über ihr Haus hereinbricht? (Nach Lessings Emilia Galotti.) 8. Hat Goethe recht, wenn er in seinem Tor- quato Tasso den Herzog Alfons sagen läſst: Feber vieles kann der Mensch zum Herrn sich machen,
Seinen Sinn bezwinget kaum die Not und lange Zeit?
(Prüfungsaufsatz.) Schlaadt.


