Jahrgang 
1888
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leistete er an unserer Anstalt das Probejahr ab, sah sich aber dann wegen schwerer Erkrankung gezwungen, seine Thätigkeit abzubrechen. Leider vermochte auch die sorgfältigste und liebevollste Pflege der Seinen ihn nicht zu retten. Am 13. April 1887 geleiteten wir ihn zur Ruhestätte. Wir beklagen den Verlust eines treuen und gewissenhaften jungen Lehrers, der durch die günstigen Resultate seiner wissenschaftlichen Studien und einen glücklichen Anfang pädagogischer Wirksamkeit zu schänen Hoffnungen berechtigte. Sein Andenken wird bei uns stets in Ehren bleiben. Er ruhe in Prieden!

Die Prüfung der zur Aufnahme in das Gymnasium angemeldeten Schüler fand am 18. April 1887 statt. Tags darauf wurde das Schuljahr in der herkömmlichen Weise durch einen Aktus in der Aula eröffnet. Bei dieser Feierlichkeit begrüſste der Direktor den neu in das Kollegium eintretenden Gymnasial- lehrer Köhler, über dessen Leben die nachstehende Mitteilung Auskunft giebt.

Richard Köhler, geboren am 25. Dezember 1840 zu Exdorf in Sachsen-Meiningen, besuchte von Ostern 1856 bis 1862 das Gymnasium zu Meiningen und studierte von Ostern 1862 bis 1865 an der Universität Jena klassische Philologie. Nachdem er am 17. November 1865 die Prüfung für die Kandidaten des gelehrten Schulwesens in Meiningen bestanden hatte, war er von Ostern 1866 bis 1868 als Lehrer an der Erziehungsanstalt von Dr. Wichard Lange in Hamburg und von Ostern 1868 bis 1869 als wissenschaftlicher Hilfslehrer am Gymnasium in Essen beschäftigt. Zu Ostern 1869 trat er als Lehrer in das Institut Hofmann zu St. Goarshausen ein. Mit dem 1. April 1871 als ordentlicher Lehrer an der herzoglichen Realschule zu Saalfeld in Sachsen-Meiningen angestellt, verblieb er in diesem Wirkungskreise, bis er am 11. Februar 1875 zum Dirigenten der Realschule in Idstein berufen wurde. Durch Verfügung vom 5. Januar 1887 übertrug ihm das Königliche Provinzial-Schulkollegium eine ordentliche Lehrerstelle am hiesigen Gymnasium.

Zu unserem grolsen Bedauern war der ordentliche Lehrer Dr. Scholz genötigt, während des verflossenen Jahres sich jeder dienstlichen Thätigkeit zu enthalten. Von einer schweren Rippenfellentzündung genesen, hatte er im Schuljahre 1886/87 mit der ehemaligen Prische den Pflichten seines Amtes sich wieder unterzogen, da ergriff ihn um Ostern 1887 die tückische Krankheit zum zweiten Male. Auf den Rat des Arztes begab er sich im August v. J. nach dem Kurorte Davos in der Schweiz, um dort Heilung zu suchen. Ist diese auch in vollem Malse noch nicht erzielt worden, so sind doch in letzter Zeit erfreuliche Nach- richten über eine fortschreitende Besserung in dem Zustande des Kranken zu uns gelangt. Wir glauben daher der Hoffnung Raum geben zu dürfen, dafs der verehrte Kollege bis zum Herbste d. J. so weit gekräftigt sein wird, um den Dienst wieder übernehmen zu können. Die Vertretung des beurlaubten Lehrers haben bisher die Kandidaten Baumann und W. Schmidt besorgt.

Der Kandidat des höheren Schulamts Hermann Kuberka aus Dyrotz in der Provinz Brandenburg begann zu Anfang des Sommersemesters das vorgeschriebene Probejahr.

Am 20. Mai 1887 starb infolge eines Blutsturzes ein wackerer Schüler der Oberprima, Jakob Gärtner, dem die Anstalt am 23. Mai die letzte Ehre erwies. Nicht minder schmerzlich berührte uns der Verlust eines fleilsigen und braven Schülers der Quinta, Hans Töpke, den eine Blinddarmentzündung am 23. Oktober 1887 aus dem Leben rief. Die Lehrer und Schüler des Gymnasiums beteiligten sich an der Bestattung. G

Die Pfingstferien dauerten vom 28. Mai bis zum 1. Juni.

Am 4., 5., 14., 15., 26., 28. und 29. Juli wie am 8. und 9. August wurde wegen grolser Hitze der Nachmittagsunterricht ausgesetzt.

Vom 18. bis 24. September tagte in Wiesbaden die 60. Versammlung deutscher Naturforscher und Arzte. Auf die Bitte der Geschäftsführung überliefsen die Direktoren der hiesigen höheren Schulen die Räume ihrer Anstalten dieser Versammlung zur Benutzung. Mit Genehmigung des Königlichen Provinzial- Schulkollegiums vom 30. April 1887 wurden deshalb die Herbstferien in der Weise verlängert, daſs sie vom 15. August bis zum 25. September dauerten, dagegen die Pfingstferien und die Weihnachtsferien um je ½ Woche verkürzt.

Mit dem Beginne des Wintersemesters trat Dr. Johannes Kilb aus Lindenholzhausen im Unterlahnkreise am Gymnasium als Probekandidat ein.

Am 29. Oktober und am 17. Dezember wohnte Herr Provinzial-Schulrat Dr. Lahmeyer den Unterrichtsstunden einiger Lehrer des Gymnasiums bei.

Dem ordentlichen Lehrer Dr. Wesener wurde durch Seine Excellenz den Herrn Minister der Oberlehrertitel verliehen, wovon das Königliche Provinzial-Schulkollegium demselben durch Verfügung vom 24. November Kenntnis gab.

Die Weihnachtsferien dauerten vom 23. Dezember 1887 bis zum 3. Januar 1888.