Jahrgang 
1888
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3. Übersicht über die während des Schuljahres 1887/88 durchgenommenen Lehrpensa.

Oberprima.

Ordinarien: Cötus A: Professor Dr. Müller. Cötus B: Direktor Dr. Paehler.

1. Religionslehre: a) Euangelische. 2 St. Gelesen wurde im Urtext das Evangelium nach Johannes. Beendigung der Glaubenslehre; die wichtigsten Abschnitte der Sittenlehre. Repetitionen: Kirchen- geschichte, Bibelkunde, Augustana, Lieder und Sprüche. Besprochen wurde LessingsNathan. Spiefſs.

b) Katholische. 2 St.(komb. mit I2). I. Teil der

Glaubenslehre(nach WedewersGlaubenslehre

S. 1 75). Lesung eines Teiles der Apostel- geschichte nach der Vulgata. Wiederholungen.

Wedewer.

2. Deutsche Sprache: 3 St. C. A: Einführung in

die erste Blüteperiode der deutschen Litteratur im Anschlufs an dasHilfsbuch von Herbst. Lektüre: Das Nibelungenlied(nach Kamps Übersetzung); ShakespearesCoriolan; GoethesIphigenie, sowie die Euripideische in deutscher Ubersetzung; GoethesTorquato Tasso. Repetitionen aus der Geschichte der zweiten Blüteperiode der deutschen Litteratur, sowie das Wichtigste aus Aristoteles' Poetik. Dispositionsübungen.

Themata der Aufsätze:

1. Mit welchem Recht wird Rom die ewige Stadt

genannt?

2. Die Teilnahme der Götter an der Handlung der Odyssee.

. Charakter des Coriolan in Shakespeares gleich- namigem Drama.

. Vis consili expers mole ruit sua.(Klassenarbeit.)

. Achilles und Hagen, eine Parallele.

. Inwiefern ist die Betrachtung der Natur für den Menschen demütigend, inwiefern erhebend? (Klassenarbeit.)

7. Wann pflegt die Geschichte einem Fürsten den

Beinamen des Grofsen zu geben? 8. Willst du, dals wir mit hinein In das Haus dich bauen, Lafs es dir gefallen, Stein, Dafs wir dich behauen.(Klassenarbeit.) 9. Ausführliche Lebensbeschreibung. 10. Daſs wir Menschen nur sind, der Gedanke beuge das Haupt dir; Doch dafs Menschen wir sind, hebe dich freudig empor. (Abiturienten-Aufsatz.)

SAg

Dr. Schmitt.

C. B: Gelesen und erklärt wurden: Lessings Emilia Galotti; Schillers Antrittsrede, über Bürgers Gedichte, über naive und sentimentalische Dichtung; GoethesTorquato Tasso, mehrere Ab- schnitte ausFaust undAus meinem Leben.

Wahrheit und Dichtung. Einführung in die erste

Blüteperiode der deutschen Litteratur, Erweiterung des früheren Pensums: Schiller, Goethe, die Romantik, Freiheitsdichter. Dispositionslehre und Dispositionsübungen.

Themata der Aufsätze:

1. Was für ein Bild gewinnen wir von Sokrates aus Platos Apologie?

2. Wer nicht die Welt in seinen Freunden sieht, Verdient nicht, daſs die Welt von ihm erfahre.

(Ausführliche Disposition.)

3. Wodurch sind Vorurteile am wirksamsten zu bekämpfen?(Klassenaufsatz.)

4. Die Exposition in GoethesTorquato Tassov.

5. Wie wird in LessingsEmilia Galotti die Katastrophe herbeigeführt?

6. Warum muls ein Abiturient mit der Geschichte seines Volkes vertraut sein?(Klassenaufsatz.)

7. Dispositionen über:

a) Goethes Epigramm: Mein Erbteil, wie herrlich, weit und breit! Die Zeit ist mein Besitz, mein Acker ist die Zeit. b) Aus Rückerts Vierzeilen: Wohl mir, dafs ich nicht steh' in meiner Feinde Hand! Wohl mir, dafs in der nicht meiner Freund' ich stehe; O wohl mir, dafs ich nie in meiner eignen stand: Ieh steh' in der des Herrn, sie wägt mein. Wohl und Wehe.

8. Warum dürfen wir Goethes Worte:Die Stätte, die ein guter Mensch betrat, ist eingeweiht auf Weimar anwenden?.

9.Wie grols du für dich seist, vor'm Ganzen

bist du nichtig; Doch als des Ganzen Glied bist du als kleinstes wichtig. (Rückerts angereihte Perlen.)(Klassenarbeit.)

10. Ausführliche Lebensbeschreibung.

11. Was verdankt Deutschland den Hohenzollern? (Abiturienten-Aufsatz.) Spiefs.

3. Latein: 8 St. a) Poetische Lektüre: C. A u. B:

Horaz Carm. lib. I und II, Satir. I, 1 und 9. II 1. Epist. I, 1 und 2. 2 St. Paehler. b) Prosaische Lektüre: 4 St. C. A: Cicero Verr. IV; Tacit. Annal. IV; Germania(mit Aus- wahl). Extemporieren aus Livius. Müller.

C. B: Cic. orator und Brutus(mit Auswahl); Tacit. Annal. XIII, XIV(mit Auswahl); Extem- porieren aus Livius XXIX, XXX. Otto.

c) Stilübungen: 2 St. C. A u. B: Jede Woche abwechselnd, ein Exercitium oder Extemporale; mündliche Übungen und Repetitionen der Gram- matik; Aufsätze. Müller. Otto.

1*½