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Unterrichtsganges ziemlich überwunden und nach den vom 23. Mai bis zum 1. Juni dauernden Pfingst- ferien einige Wochen ruhiger Arbeit verflossen, da brach neues Milsgeschick herein. Der Oberlehrer Dr. Flach wurde am 23. Juni 1885 von einem typhösen Fieber befallen, welches ihm, weil die Genesung nur sehr langsam vorwärts schritt, die Wiederaufnahme des Dienstes vor Weihnachten unmöglich gemacht hat. Seine Lektionen wurden unter die übrigen Lehrer verteilt, doch muſsten wir am 9. Juli 1885 den Unterricht vorläufig gänzlich schlieſsen. Da nämlich um jene Zeit überhaupt eine gröſsere Zahl gastrischer, zum Teil typhusartiger Erkrankungen in hiesiger Stadt auftrat, so verlangten manche Eltern unserer Schüler mit ihren Angehörigen Wiesbaden einstweilen verlassen zu können. Zwar schienen uns die verbreiteten Besorgnisse in ihrer Ausdehnung nicht völlig begründet zu sein, aber wir glaubten andererseits der augen- blicklichen Lage und der thatsächlich herrschenden Stimmung Rechnung tragen zu sollen. Als daher auf Grund ärztlichen Gutachtens und mit Genehmigung der Königlichen Regierung durch eine Verfügung der Polizeibehörde die sämtlichen Elementar-, Mittel- und Töchterschulen geschlossen waren, entschieden sich die Dirigenten des Gymnasiums, des Realgymnasiums und der Realschule dahin, dem gegebenen Beispiele zu folgen und für die Maſsregel die Zustimmung des Provinzial-Schulkollegiums nachzusuchen, die umgehend erteilt wurde. Von den Zöglingen des Gymnasiums erlag der Krankheit zu unserem tiefen Schmerze ein sehr braver Schüler der Obertertia, Hermann Aschendorf aus Wiesbaden, der einzige Sohn und die Hoffnung seiner Eltern. Er starb am 26. Juli 1885; da der Tod in die Ferien flel, konnte die Anstalt an der Bestattung nicht teil nehmen. Im Übrigen sind wir mit Gottes Hilfe davor bewahrt geblieben, weitere Opfer zu bringen, wie denn die Epidemie im allgemeinen einen relativ günstigen Verlauf genommen hat. Und als sie um die Mitte August als erloschen zu betrachten war, eröffneten wir am 17. August wieder den Unterricht. Zwar kehrten nicht sogleich alle abgereisten Eltern mit ihren Kindern zurück, da die vielfach ausgesprengten übertriebenen, ja geradezu unwahren Gerüchte sie davon abhielten; als aber der vorzügliche Gesundheitszustand, durch den sich Wiesbaden sonst jederzeit ausgezeichnet hat, unzweifelhaft hergestellt war, beruhigten sich allmählich auch die ängstlichsten Gemüter. So konnten wir im Monat September ungestört arbeiten.
Das Sommersemester wurde am 26. September beendet und das Wintersemester am 8. October begonnen. Zu unserem Bedauern erfolgte jetzt abermals eine Veränderung in der Zusammensetzung des Lehrer- kollegiums. Nachdem wir uns erst kurze Zeit der gewissenhaften und pflichttreuen Wirksamkeit des Hilfs- lehrers Meister erfreut hatten, wurde er anfangs Oktober zum ordentlichen Lehrer des Realprogymnasiums in Diez berufen. Das von ihm geführte Ordinariat der Quarta Cötus B und den lateinischen und deutschen Unterricht in dieser Klasse übernahm der Kandidat Dr. Menk. Die übrigen Lektionen wurden anderen Lehrern zugewiesen, was begreiflicher Weise, da drei Kollegen krank waren, die äufserste Anspannung der Kräfte erforderlich machte. Allerdings hatte sich zu unserer Freude der Gymnasiallehrer Dr. Scholz wenigstens soweit erholt, dals er es wagen konnte, einen kleinen Teil seiner Thätigkeit wieder aufzunehmen; er gab im Wintersemester wöchentlich 5 Stunden. Dagegen gestattete es dem Gymnasiallehrer Rauch sein Leiden nicht, zu uns zurückzukehren; er blieb, nachdem ihm vom Herrn Minister ein weiterer Urlaub bewilligt worden, zu Davos in der Schweiz, um Heilung zu suchen.
Die Weihnachtsferien wurden wegen der vorausgegangenen Unterbrechung des Schullebens etwas verkürzt; sie dauerten vom 23. Dezember 1885 bis zum 3. Januar 1886. Nach Neujahr war der Ober- lehrer Dr. Flach imstande, den gröfsten Teil seiner Amtspflichten wieder zu übernehmen, wenn er auch noch der Schonung bedurfte. Dadurch wurdé für das vierte Quartal die Arbeitslast des Kollegiums einiger- maſsen erleichtert. Die unliebsamen Verschiebungen der Unterrichtsverteilung, die im Laufe des Jahres durch die bedauerlichen Ereignisse nõôtig wurden, sind aus der S. 3 ff. abgedruckten Übersicht über die durchgenommenen Lehrpensa zu ersehen.
Wir schlielsen das Schuljahr, welches in der Geschichte der Anstalt kein glückliches gewesen ist, in der Hoffnung und mit dem Wunsche, dafs wir in Zukunft von ähnlichen Schwierigkeiten und Sorgen verschont bleiben mögen.
Im Einzelnen ist zur Chronik des Gymnasiums noch Folgendes zu berichten:
1) Die durch den Erlafs Seiner Excellenz des Herrn Ministers vom 14. Januar 1884(vergl. Progr. von 1884, S. 17) angeordnete allmähliche Einziehung der Parallelklassen für Sexta, Quinta und Quarta ist mit dem Beginne des verflossenen Jahres weitergeführt worden, indem wir nur einen Cötus der Quinta errichteten. Von Ostern 1886 ab wird auch die Quarta nur aus einem Cötus bestehen, dagegen werden dann für jeden Jahrgang der anderen Klassen Doppelcöten hergestellt sein. Demnach werden künftig beim Gymnasium 12 Abteilungen der Klassen Prima bis Tertia und je eine Quarta, Quinta und Sexta vorhanden


