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10) Provinzial-Schulkollegium verfügt unter dem 8. Dezember 1885, daſs auch im Jahre 1886 ungeachtet des späten Fallens des Osterfestes für die Feststellung der Osterferien die Ordnung vom 25. April 1884(vergl. Progr. von 1885, S. 44) eingehalten werde, jedoch mit der Modifikation, daſs die Dauer der Ferien um drei Tage im April verlängert und die Dauer der nächsten Pfingstferien dafür um drei Tage verkürzt werde. Demnach ist das gegenwärtige Schuljahr Sonnabend den 10. April 1886 mittags zu schlieſsen, das neue Schuljahr Montag den 3. Mai zu beginnen, die Dauer der nächsten Pfingstferien aber auf die Zeit vom 12. bis zum 16. Juni(einschlielslich) zu beschränken.
11) Ein Erlals des Herrn Ministers d. d. 12. Dezember 1885, mitgeteilt durch Verfügung des Provinzial-Schulkollegiums vom 14. Dezember pr., trifft Anordnungen bezüglich einer am 4. Januar 1886 zu veranstaltenden Schulfeier des 25jährigen Regierungsjubiläums Seiner Majestät.
— III. Chronik der Anstalt.
Mit dem Schlusse des Schuljahres 1884/85 verliels uns der Gymnasiallehrer Dr. Widmann, um einem ehrenvollen Rufe als Rektor des Realprogymnasiums in Oberlahnstein zu folgen. Da derselbe seit Ostern 1876 an der Anstalt mit hervorragender Berufstreue, hingebendem Eifer und stets wachsendem Erfolge thätig gewesen war, so empfanden wir seinen Fortgang als einen groſsen Verlust. Die herzlichsten Segenswünsche seiner bisherigen Kollegen begleiteten den Scheidenden in den neuen Wirkungskreis.
Das Schuljahr wurde Freitag den 17. April 1885 morgens um 7 Uhr durch einen feierlichen Aktus in der Aula eröffnet. Die Prüfung der eintretenden Schüler hatte am Tage zuvor stattgefunden.
Leider sollte sich der Anfang nicht günstig gestalten. Die Gymnasiallehrer Dr. Scholz und Rauch waren, wie wir im vorjährigen Programm berichtet haben, schwer erkrankt, der erstere an einer Rippenfellentzündung, der andere an einem hartnäckigen Lungenleiden. Zu ihrer Vertretung sowie behufs Verwaltung der durch den Abgang des Dr. Widmann vakant gewordenen dritten und der seit Herbst 1884 unbesetzten letzten ordentlichen Lehrerstelle überwies uns das Königliche Provinzial-Schulkollegium mehrere wissenschaftliche Hilfskräfte, und zwar die Hilfslehrer Ernst Seipp und Dr. H. Schmitt, die bereits mit wöchentlich 15 bezw. 16 Stunden an der Anstalt beschäftigt gewesen waren, den Hilfslehrer Magnus Meister, der dem Lehrerkollegium gleichfalls schon angehörte und den Kandidaten C. Arenhold aus Mackenzell bei Hünfeld. Unglücklicher Weise war jedoch von diesen Herren der Hilfslehrer Meister zu einer achtwöchigen militärischen Dienstleistung einberufen, so dafs er erst am 1. Juni die ihm zugewiesenen Lektionen übernehmen konnte, und den Hilfslehrer Arenhold zwang am Tage nach seinem Eintritt eine plötzliche Erkrankung die eben begonnene Thätigkeit aufzugeben und in die Heimat zurückzukehren. Unter diesen Umständen mulsten die Kräfte der übrigen Lehrer stark in Anspruch genommen werden, um die Durchführung des Stundenplanes zu ermöglichen. Einzelne Lektionen waren sofort den uns seit Ostern 1885 zugewiesenen Probekandidaten Dr. Adolf Menk aus Langen-Aubach(Dillkreis) und Constantin Ewoldt aus Ploen zum selbständigen Unterricht zu übertragen. Freilich trat hier nach einiger Zeit wieder hindernd in den Weg, dals Dr. Menk acht Wochen lang sich einer militärischen Ubung unterziehen muſste und Ewoldt am Scharlachfieber nicht unbedenklich erkrankte. So erwuchs eine Schwierigkeit nach der anderen. Die Bedrängnis wäre noch gröſser geworden, wenn auch der ordentliche Lehrer Dr. Wesener, der als Premier-Lieutenant der Landwehr ebenfalls zu einer achtwöchigen Dienstleistung vom 1. Juni 1885 ab befohlen war, dem ergangenen Rufe hätte folgen müssen; doch nahm bei ihm auf eine Vorstellung des Königlichen Provinzial-Schulkollegiums hin das General-Kommando des XI. Armee-Korps für das Jahr 1885 von der Malfsregel Abstand.
Der erkrankte Hilfslehrer Arenhold wurde vom 1. Mai 1885 ab durch den Kandidaten Dr. Bernhard Heil ersetzt, welcher seit Herbst 1884 begonnen hatte am Gymnasium in Hersfeld das Probejahr abzulegen. Kaum waren die durch den Lehrerwechsel hervorgerufenen Störungen des regelmäſsigen


