Jahrgang 
1881
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Zur Ableistung des Probejahres überwies das Königliche Provinzial-Schulkollegium durch Verfügung vom 7. April 1880 dem Gymnasium den Candidaten des höheren Schulamtes Heinrich Steckelberg aus Harburg. Demselben wurde der gröfste Teil der naturwissenschaftlichen Lektionen anvertraut, welche früher der am 3. März 1880(vergl. das Programm vom vorigen Jahre, S. 35 ff.) verstorbene Professor Dr. Kirschbaum gegeben hatte. Die durch den Tod Kirschbaums vakant gewordene erste Oberlehrerstelle wurde vom 1. Oktober ab dem zweiten Oberlehrer Otto übertragen, welchem die Behörde zugleich den Titel Prorector beilegte. In die zweite Oberlehrerstelle rückte der Oberlehrer Dr. Müller auf, in die dritte Oberlehrer Dr. Flach, in die vierte Oberlehrer Ammann, in die fünfte Oberlehrer Dr. Büsgen. Die sechste Oberlehrerstelle erhielt der bisherige Titular-Oberlehrer Dr. Adam, und da mit Genehmigung Seiner Excellenz des Herrn Ministers eine siebte Oberlehrerstelle neu errichtet war, so wurde auch der Titular-Oberlehrer Bücheler zum wirklichen Oberlehrer befördert.

Die infolge dieser Veränderungen zur Erledigung gekommenen zwei ersten ordentlichen Lehrer- stellen wurden durch Ascension der folgenden Lehrer besetzt. Demgemäſs wurde die erste Stelle dem Gymnasiallehrer Dr. Spiess, die zweite dem Dr. Wesener, die dritte dem Dr. Scholz, die vierte dem Dr. Widmann, die fünfte dem Dr. Lohr übertragen. In die vakante sechste Stelle berief das Provinzial- Schulkollegium den Gymnasiallehrer Fritze, der bis dahin am Gymnasium in Marburg thätig war. In die siebte Stelle wurde der seit Januar 1878 an der Anstalt wirkende Hilfslehrer Schlaadt, in die achte der am hiesigen Realgymnasium beschäftigte Hilfslehrer Rauch befördert. Gleichzeitig ernannte die Behörde den Hilfslehrer Dr. Schäfer, der seit Anfang des Wintersemesters 1879/80 eine Lehrerstelle an unserer Anstalt kommissarisch verwaltet hatte, zum ordentlichen Lehrer am Gymnasium in Marburg. Daher schied Dr. Schäfer mit dem Schlusse des Sommersemesters aus seiner hiesigen Wirksamkeit. Auch Candidat Gotthardt, der im Sommersemester eine Hilfslehrerstelle provisorisch versehen hatte, verlieſs uns mit dem Beginne des Wintersemesters, da er von der Behörde als Hilfslehrer an das Realgymnasium versetzt war.

Ueber das Leben der neu angestellten Lehrer folgen hier einige Angaben.

August Fritze, geboren den 20. August 1848 zu Wiesbaden, erhielt seine Vorbildung auf dem hiesigen Gymnasium, welches er Frühjahr 1867 mit dem Zeugnis der Reife verlieſs. Nachdem er in seiner Vaterstadt der Militärpflicht genügt hatte, studierte er auf den Universitäten zu Bonn und Göttingen Philologie und Geschichte bis zum Ausbruch des französischen Krieges. Nach Beendigung desselben, in dessen Verlaufe er zum Offizier ernannt und mit dem eisernen Kreuze decoriert worden war, nahm er Herbst 1871 die unterbrochenen Studien zu Berlin wieder auf und bestand am 20. Februar 1875 vor der wissenschaftlichen Prüfungs-Kommission zu Bonn das Examen pro facultate docendi. Zu Ostern desselben Jahres wurde er als cand. prob. dem Königl. Gymnasium zu Marburg überwiesen und zugleich mit Versehung einer Hiltslehrerstelle beauftragt. Durch Verfügung des Königl. Provinzial-Schulkollegiums vom 5. Mai 1877 wurde er in Marburg als ordentlicher Gymnasiallehrer angestellt. Unter dem 3. September 1880 versetzte ihn die Behörde an das hiesige Gymnasium, an welchem er mit Beginn des Wintersemesters sein neues Amt antrat. In seinen militärischen Verhältnissen ist er am 16. November 1880 zum Premier-Lieutenant der Landwehr befördert worden.

Wilhelm Schlaadt, geboren den 3. Mai 1850 zu Oberwesel, absolvierte das Kaiser- Wilhelm-Gymnasium zu Montabaur und studierte deutsche und klassische Philologie auf der Königl. Akademie zu Münster und auf den Universitäten Marburg und München. Am 30. November 1877 bestand er vor der wissenschaftlichen Prüfungs-Kommission zu Marburg das Examen pro

facultate docendi. Im Januar 1878 wurde er dem hiesigen Gymnasium zur Ablegung seines Probe-

jahres überwiesen und im Herbste desselben Jahres mit Versehung einer Hilfslehrerstelle betraut. Durch Verfügung des Königl. Provinzial-Schulkollegiums am 3. Septender 1880 wurde er zum ordentlichen Tunker ernannt und am 20. September 1880 durch den Direktor vereidigt.

Wäilhelm Rauch, geboren am 15. März 1850 zu Marburg, absolvierte das Gymnasium seiner Vaterstadt und studierte auf den Universitäten Marburg, Leipzig, Berlin und Göttingen deutsche und klassische Philologie; in Göttingen diente er beim 82. Regiment vom 1. Oktober 1872 ab als Einjährig-Freiwilliger. Am 28. Juli 1876 bestand er vor der wissenschaftlichen Prüfungs- Kommission zu Marburg das Examen pro facultate docendi und wurde im Herbst desselben Jahres dem Königl. Gymnasium zu Wiesbaden als Probe-Candidat überwiesen. Durch Königl. Patent d. d. Berlin 11. Januar 1877 avancierte er zum Seconde-Lieutenant der Reserve 3. hess. Infant.- Reg. No. 83. Zur Fortsetzung seines Probejahres und zur kommissarischen Bekleidung einer Lekrerstelle wurde er zu Ostern 1877 an das hiesige Realgymnasium versetzt, an welcher Anstalt er bis Herbst 1880 als wissenschaftlicher Hilfslehrer fungierte. Durch Verfügung des Königl. Provinzial-Schulkollegiums vom 3. September 1880 wurde er zum ordentlichen Lehrer am hiesigen Gymnasium ernannt und am 20. September 1880 in Gegenwart des Lehrerkollegiums vom Direktor vereidigt.