II. Chronik der Anstalt.
Wir haben hier zunächst über einige Personalveränderungen zu berichten, die während des ver- flossenen Jahres in der Zusammensetzung des Lehrerkollegiums erfolgt sind.
Der Gymnasiallehrer Weinmann wurde mit dem Beginn des Sommersemesters an das Gymnasium zu Fulda, der Gymnasiallehrer Lic. Oertel an das Gymnasium in Weilburg versetzt. Die Stelle des ersteren übertrug das Königliche Provinzial-Schulkollegium dem Gymnasiallehrer Dr. Wesener; die des letzteren dem Gymnasiallehrer Dr. Spiess, der bis dahin in Weilburg thätig gewesen war. Ueber sein Leben gibt nachstehende Mittheilung Auskunft:
Bernhard Spiess, geboren den 28. März 1845 zu Fleissbach, Amts Herborn, besuchte die Gymnasien zu Wiesbaden und Weilburg, wurde von letzterer Anstalt Ostern 1863 mit dem Zeug- nisse der Reife entlassen und bezog die Universitäten Tübingen und Erlangen, um Theologie zu studiren. Von Herbst 1865 bis Juli 1866 besuchte er das evangelische Prediger-Seminar zu Herborn, Promorfrte im Herbst 1866 bei der philosophischen Fakultät zu Giessen, bestand zu Wiesbaden im
ommer desselben Jahres die theologische Staats-Prüfung und wurde darauf zum Pfarrvicar in Cronberg, Amts Königstein, ernannt, wo er die evangelische Pfarrei zwei und ein halbes Jahr ver- waltete. Im Februar 1869 zum evangelischen Religionslehrer des Gymnasiums zu Weilburg ernannt, trat er zu Ostern dieses Jahres seine neue Stelle an und blieb in derselben, bis er Ostern vorigen Jahres seiner Versetzung an das hiesige Gymnasium Folge gab. Im Frühjahre 1873 hat er bei der wissenschaftlichen Prüfungs-Commission zu Marburg die Prüfung pro facultate docendi bestanden. Im Druck ist von ihm Ostern 1873 im Programm des Weilburger Gymnasiums eine Abhandlung über „die Prädestinationslehre des Korân“ erschienen.
Die in Folge der Beförderung des Dr. Wesener vakant gewordene letzte ordentliche Lehrerstelle erhielt der wissenschaftliche Hülfslehrer Dr. Scholz, welcher dem Unterzeichneten die folgenden Nachrichten über sein Leben mitgetheilt hat:
. Gustar Scholz, geboren zu Wiesbaden am 13. September 1848, besuchte das Real- ymnasium und Gymnasium seiner Vaterstadt. Von letzterem im Frühjahre 1867 mit dem Zeugniss 8 Reife entlassen, widmete er sich zu Bonn und Heidelberg dem Studium der Geschichte und Philologie. Am 16. Juli 1870 auf Grund einer Dissertation„de Conradi I Lrehiepiscopi Maguntini Prineipät territoriali“ von der philosophischen Fakultät der Universität Bonn zum Doctor promovirt, estand er im Sommer des folgenden Jahres vor der wissenschaftlichen Prüfungs-Commission derselben Universität das Examen pro facultate docendi. Von Herbst 1871 bis Frühjahr 1872 und wiederum vom Frühjahr 1874 an war er als Probecandidat am Gymnasium zu Wiesbaden beschäftigt, an welchem er im Herbst 1874 zum Hülfslehrer, im Frühjahr 1876 zum ordentlichen Lehrer ernannt wurde. Am 26. April 1876 wurde er durch den Direktor vereidigt.
Der Hülfslehrer Göpel rückte in die erledigte etatsmässige Hülfslehrerstelle ein, und als weiterer Hülfslehrer wurde der bis dahin am Gymnasium in Frankfurt a. M. beschäftigte Candidat Dr. Widmann vom Provinzial-Schulkollegium uns zugesandt.
Der Candidat des höheren Schulamts Gustav Nau hatte zu Ostern 1876 das vorschriftsmässige Probejahr vollendet und verliess die Anstalt, um demnächst als Hülfslehrer an die höhere Bürgerschule zu Schmalkalden überzugehen. Dagegen überwies das Königliche Provinzial-Schulkollegium den Candidaten Philipp Plattner aus Weisenau der Anstalt zur Absolvirung des Probejahres.
Der Oberlehrer Seyberth bat gegen Ende Juni vorigen Jahres wegen seiner angegriffenen Gesundheit um Beurlaubung, die ihm durch Verfügung des Provinzial-Schulkollegiums vom 27. Juni pr. bis zum Ende des Semesters bewilligt wurde. Das von ihm verwaltete Ordinariat der Untersecunda sowie den Unterricht in der lateinischen Grammatik dieser Klasse übernahm für diese Zeit vertretungsweise der Gymnasiallehrer Dr. Büsgen, die lateinische Lectüre der Director; die übrigen Stunden wurden unter die Collegen Otto, Müller, Wesener und Scholz vertheilt.
Zum 1. October 1876 schied der Oberlehrer Seyberth defiitiv aus seiner Wirksamkeit am Gym- nasium, da ihm auf sein Nachsuchen von Seiner Excellenz dem Herrn Minister der geistlichen etc. Angelegen-


