Jahrgang 
1930
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wohlwollender Weiſe hatte er Verſtändnis für Fehler und Vergehen der Jugend, und er ſuchte gegebenenfalls dieſe mit Nachſicht, Geduld und unbeſtechlicher Gerechtigkeit wieder auf den rech- ten Weg zu führen. Seine Unterrichtsmethode war dadurch gekennzeichnet, daß er viel weniger Wert auf die Einprägung des Stoffes legte, als auf deſſen Aneignung. Er war ein Meiſter in der Durchführung des Arbeitsunterrichtes.

Im Verkehr mit den Kollegen wurden auftre- tende Meinungsverſchiedenheiten ſtets mit der ihm eigenen Ruhe und ſtrengſter Sachlichkeit geklärt. Trotz ſeines weſentlich höheren Alters und grö- Berer Erfahrung hat er dem Einzelnen möglichſt viel Freiheit gelaſſen, von ihm allerdings auch er- wartet, daß er dieſe Freiheit richtig ausnutzte. So nahm er dem Kollegium gegenüber eine ähnliche Stellung ein, wie anderſeits gegenüber den Behör- den. Er war ſich ſtets wohl bewußt, daß die große Freiheit, die der Schule von jeher gelaſſen worden iſt, treueſte Pflichterfüllung erheiſchte, und er hat dies in ſeiner Rede zur Fünfzigjahrfeier der Schule deutlich zum Ausdruck gebracht.

Der Verkehr mit der Weilburger Bürgerſchaft hat ſich in beſcheidenen Grenzen gehalten. Das war teilweiſe auf rein äußerliche Umſtände zurück- zuführen; denn jahrzehntelang war Direktor Helmkampf an Sonnabenden und Sonntagen drau- Ben im Lande angeſtrengt tätig, wenn andere ſich der Geſelligkeit widmen konnten, und wenn er

zurückkam, harrte ſeiner die Fülle der laufenden Wochenarbeit.

Daneben iſt allerdings auch nicht zu vergeſſen, daß er als ernſter Niederſachſe hier in Weilburg einen leichter beweglichen Menſchenſchlag vor- fand. So heiter und humorvoll er in froher Run- de ſein konnte, ſo war doch ſeiner Abſtammung entſprechend der Grundzug ſeines Weſens ernſt und zurückhaltend.

In der Aula der Höheren Landwirtſchaftsſchule ſind die Wände mit den in Ol gemalten Bildern der früheren Lehrer geſchmückt, unter ihnen die beiden Direktoren Heinrich Matzat und Kienitz- Gerloff. Auch das Bild von Adolf Helmkampf wird hier eines Tages ernſt auf uns Lehrer und Schüler herabſehen, es wird uns zum Bewußtſein bringen, daß er ein würdiger Nachfolger zweier bedeutender Vorgänger war, es wird uns ſtets eine Mahnung zu treueſter Pflichterfüllung ſein.

III. Seminar. Siehe Seite 13.

IV. Schule und Schüler:

Das Schuljahr 1929 z0 nahm am Mittwoch, den 10. April 1929 ſeinen Anfang. Es traten im ganzen 34 Schüler neu ein, und zwar 20 in Kl. VI, I in Kl. V, I in Kl. IV, 8 in Kl. LIV und 4 in Kl. L III. Die Schülerzahl ſtellte ſich auf 178.

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Am 16. Mai fand ein Schulausflug ſtatt. Die Pfingſtferien dauerten von Freitag, den 17. Mai bis Dienstag, den 28. Mai.

Am I1. Juli war ſchulfrei, das Lehrerkollegium und die Schüler beteiligten ſich in althergebrachter Weiſe an dem Heimatfeſt der Weilburger Kirmes.

Die großen Ferien dauerten vom 13. Juli bis zum 16. Auguſt.

Am 24. Auguſt, alſo nach den großen Ferien, wurde die Verfaſſungsfeier abgehalten, zu der die Eltern der Schüler, die Mitglieder des Verwaltungsrates und die ſtädtiſchen Körperſchaf- ten eingeladen waren. In der mit Fahnen ge- ſchmückten Aula hatte ſich zugleich mit der- heren Landwirtſchaftsſchule die Höhere Mädchen- ſchule verſammelt. Es fanden muſikaliſche und deklamatoriſche Darbietungen ſtatt. Die Feſtrede hielt Studienrat Dr. Theobald, der die Be- deutung der Verfaſſung, beſonders aber einige Ar- tikel aus ihr würdigte.

Am 4. September waren die Schüler der An- ſtalt in dem chemiſch-phyſikaliſchen Lehrraum verſammelt, wo ſie am Radio die Heimkehr des Grafen Zeppelin miterlebten. Im Anſchluß daran wurden die Schüler zur Feier des Tages ent- laſſen.

Am 18. September beteiligte ſich ein Teil der Schüler an den Turnwettſpielen in Bad Ems, wo ſie verſchiedene Preiſe errangen.

Am 28. September war ſchulfrei wegen der Prü- fung der Abiturienten.

Die Herbſtferien dauerten vom 3. bis zum 16. Oktober.

Am 31. Oktober nahmen die evangeliſchen Schüler an der Reformationsfeier teil.

Am 17. Dezember fand nachmittags 5 Uhr zu- ſammen mit der Höheren Mädchenſchule in der Kul der Schule eine gemeinſame Weihnachtsfeier

att.

Dieſe Feier wurde auf mehrfachen Wunſch am Nachmittag des 20. Dezember zugunſten der Kleinrentner wiederholt.

Die Weihnachtsferien dauerten vom 21. Dezem- ber bis zum 8. Januar.

Am Sonnabend, den 22. Februar, machten die Klaſſen VI bis L. III einen Schulausflug. Die Klaſſe LII und die Mehrzahl der Lehrer hörte die Vor- träge an, die an dieſem Tage von der Reichszen- trale für Heimatdienſt in der Aula des Gymna- ſiums veranſtaltet wurden.

Am 28. September fand die mündliche Herbſt- reifeprüfung ſtatt, unter dem Vorſitz des Regie- rungs- und Schulrates Ufer, der vor ſeiner Ver- ſetzung nach Kaſſel dieſes Amt zum Bedauern des Lehrerkollegiums zum letztenmal verwaltete. 16 Schüler beſtanden die Reifeprüfung und wurden am 30. September entlaſſen. Es war dies die letzte Abgangsprüfung, die nach der bisherigen Ordnung abgehalten wurde.