Jahrgang 
1918
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I. Die Schule und der Krieg.

Zum viertenmal ſteht der Schulbericht unter dem Zeichen des Krieges. Ueber 3 ½ Jahre tobt der Weltkrieg, und noch immer iſt ſein Ende nicht abzuſehen. Schwer ruht des Schickſals Fauſt auf unſerem Vaterlande. Aber in der Not zeigt ſich auch die unüberwind⸗ liche Lebenskraft, die im deutſchen Volke ſteckt. Seine Widerſtandskraft erlahmt nicht, ſon⸗ dern ſie wächſt, je näher wir dem Endkampf kommen. Met Staunen ſieht die Welt die Leiſtungen von Heer und Flotte, mit Staunen ſchaut ſie, wie auch das geſamte deutſche Volk hinter der Front ſich der Not fügt und die Mittel ſchafft, deren die Kämpfer draußen bedürfen. Ein Volk, das ſolches leiſtet, iſt unbeſiegbar, und dieſe Erkenntnis muß uns ſelbſt nicht nur mit Stolz erfüllen, ſie wird allmählich auch unſere Gegner von der Nutzloſigkeit des vermeſſenen Vorhabens, das deutſche Volk aus der Schar der Weltmächte zu ſtreichen, überzeugen. Das abgelaufene Jahr hat uns einen gewaltigen Schritt vorwärts gebracht. Der Hauptſeind im Oſten, deſſen Millionenſcharen uns niederwerfen ſollten, iſt geſchlagen und hat aus der Reihe der Widerſacher ausſcheiden müſſen; ſeine kleinen Mithelfer hat das gleiche Schickſal ereilt. Wir haben den Rücken frei bekommen. Aus dem Zweifrontenkrieg iſt der Einfrontkrieg geworden. Nun können wir alle unſere Kraft gegen Weſten wenden, die Abrechnung mit England und Frankreich, im Süden mit Italien beginnt. Wir erleben

zurzeit den Beginn des deutſchen Angriffskrieges, die feindliche Front iſt durchbrochen, und

ſchon wälzen ſich unſere tapferen Scharen in friſcher, altbewährter, draufgängeriſcher Weiſe in die feindlichen Gebiete hinein. Der Endkampf des deutſchen Volkes mit den angelſäch⸗ ſiſchen Stämmen hat eingeſetzt, und voller Hoffnung und Gottvertrauen ſehen wir ſeinem Ausgang entgegen. Das dunkele Gewölk am Himmel iſt zerriſſen, ſchon dringt die ſtrahlende Sonne hindurch, langſam, aber ſicher müſſen die ſchweren Wetterwolken weichen. Noch haben wir harte Tage und Wochen vor uns, aber ein deutſcher Friede iſt im ſicheren Anzug. Wir ſtehen vor der Entſcheidung. Alle Kräfte ſind zuſammenzufaſſen. Heer und Flotte ſtehen unerſchütterlich unter bewährter Führung, und jetzt heißt es, allen Streit und Hader auch im Innern bei Seite zu ſchieben. Steht das deutſche Volk einig wie ein Mann da, dann iſt uns der Sieg ſicher.

Das abgelaufene Jahr brachte auch in den Schulbetrieb manche Aufregung und Un⸗ ruhe; wie konnte das anders ſein. Aber trotzdem gelang es, den Unterricht durchzuführen und die Schüler ihrem Ziele entgegenzuführen. Die Kriegsereigniſſe an den Fronten wie im Innern wurden eifrig verfolgt. Wehrpfl ichtige Schüler traten in den Heeresdienſt ein. Galt es, den Landwirten zu helfen, den Acker zu beſtellen und die Frucht zu bergen, ſo ſtellten auch unſere jüngeren Schüler ihre Kraft in den Dienſt des Vaterlandes. Sie wirkten mit bei der Werbung für die Kriegsanleihe, regten auch den Opfermut der Bevölkerung an, wenn es galt Mittel für gemeinnützige Zwecke zu ſammeln. Die Ereigniſſe im letzten Kriegsjahre werden auch auf die Schüler nachhaltigen Eindruck hinterlaſſen haben. Sie haben geſehen und ſehen, was ein Volk zu leiſten vermag, wenn es auf ſeine eigene Kraft ſich verlaſſen muß, ſie erkennen die de waltigen Erfolge deutſcher Wiſſenſchaft und Technik, die Leiſtungsfähigkeit der deutſchen Landwirtſchaft, der Ernährerin des geſamten Volkes. Sie ſehen allerdings auch häßliche Züge, widerwärtige Auswüchſe im Volksleben, aber dieſe Schattenſeiten dienen nur dazu, das Herrliche und Schöne um ſo ſtrahlender erſcheinen zu laſſen. So wird die harte Kriegszeit in der Jugend die Vaterlandsliebe, den Stolz auf die Zugehörigkeit zum deutſchen Volke in höchſtem Maße erzeugen und feſtigen und den alten Fehler, im Ausländiſchen etwas Beſſeres zu ſehen, für immer beſeitigen. Nirgend in der Welt braucht ſich in Zukunft der Deutſche ſeines Deutſchtums zu ſchämen.

Die bisher übliche Ueberſicht über das, was unſere im Heeresdienſt ſtehenden früheren Schüler im abgelaufenen Jahr erlebt haben, muß diesmal leider wegen der Schwierig⸗ keiten, die die Drucklegung des Jahresberichtes verurſacht, unterbleiben. Ihnen allen, die ihre Kraft fürs Vaterland einſetzen, wünſchen wir von Herzen Erfolg und, wills Gott, bal⸗ dige glückliche Rückkehr in die deutſche Heimat.

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