Ich bin mir voll bewußt, daß das Amt, das ich nunmehr angetreten habe, lein leichtes iſt, und ich verhehle mir gar nicht das Maß von Schwierigkeiten, die ich noch werde überwinden müſſen. Es iſt nicht leicht, nach großen Vorgängern an die Reihe zu kommen. Aber das geſtehe ich ein, ich habe wenigſtens den guten Willen, mit aller Kraft für unſere Landwirtſchaſtsſchule zu arbeiten, ſie auf ihrer Höhe zu erhalten und, wenn es glückt, ſie weiter in die Höhe zu bringen.
Soll ich meine Aufgabe recht erfüllen, dann gehört dazu zweierlei, das Vertrauen des Lehrer⸗ kollegiums einſchließlich des Seminars und das Vertrauen der Schüler.
Ein Kollegium muß zuſammenhalten und einig zuſammenſtehen, wenn ſeine Arbeit von Segen begleitet ſein ſoll. Ich verſpreche allen Kollegen ohne Ausnahme, daß ich mich bei meinem Tun und Laſſen ſtets nur leiten laſſen werde von dem Gedanken, das Wohl der Schule, der Schüler wie Lehrer, zu heben. Ich verſpreche Ihnen allen, daß ich Ihnen mit vollem Vertrauen entgegenkommen werde, und bitte Sie Ihrerſeits, auch mir Ihr Vertrauen zu ſchenken. Dann wird unſere gemeinſame Arbeit auch eine gedeihliche ſein.
Und auch Euer Vertrauen möchte ich haben, liebe Schüler. Wir alle, als Lehrer, arbeiten ja nur für Euch, wollen aus Euch tüchtige, kenntnisreiche, denkende, vwaterlandsliebe Männer bilden, wie wir ſie im Intereſſe der deutſchen Landwirtſchaft, aber auch des geſamten Vaterlandes nötig haben. Vertraut auch mir und ſeht in mir Lehrer und Berater und Freund zugleich!
Und nun wenden wir unſere Blicke nach außen. Während wir hier im Begriff ſind, zu fried⸗ licher Arbeit zuſammenzutreten, donnern draußen vor feindlichen Reihen die Kanonen; Tauſende, ja Millionen unſerer Brüder, Söhne, Väter und ſonſtiger Lieben ſetzen ihr Leben und Blut ein für die Erhaltung unſeres Vaterlandes. Wir ſind Zeilgenoſſen eines Krieges, wie ihn die Welt noch nicht geſehen hat. Zahlreiche Feinde gönnen uns nicht unſere Weltſtellung und wollen uns zurückwerfen in das Nichts. Aber der Gerechten Sache muß ſiegen. Und wir haben das Recht auf unſerer Seite. — Deutſchland ſtand auf. Vergeſſen war aller Zank und Hader, ein einig Volk von Brüdern erhob ſich, und Schulter an Schulter mit dem treuen Verbündeten warf es ſich in unaufhaltſamem Strome und mit unwiderſtehlicher Macht den Feinden entgegen. Die Scharen der Feinde zerſchellten, und was noch im Wege ſteht, das wird und muß weichen, bis uns für lange Zeiten wieder die Sonne des Friedens ſcheinen wird.
Wenn Deutſchland heute ſo groß daſteht, daß es Herr ſeiner Feinde wird, ſo danken wir das Gott, unſerer gerechten Sache und unſerer Stärke. Dieſe aber danken wir den Männern, die vielfach verkannt und verſpottet, alles daran ſetzten, Deutſchlands Wehr zu Waſſer und zu Lande emporzuheben zu ihrer heutigen Höhe. Dankbar wollen wir vor allem unſeres kaiſerlichen Herrn gedenken, des unentwegten Vorkämpfers zu unſeres Volkes Größe.
Ein Dichter ſpricht:*)
Vater im Himmel, ſie fleh'n zu dir alle, Untertan ſind ihm Herzen und Hände,
Alle die Völker in brennender Not, Hirne und Blut von Geſchlecht zu Geſchlecht, Daß deine Hand auf den Schuldigen falle, Sauſende Kugeln und lodernde Brände, Der ihnen Herd und Heimat bedroht. Ihm, das da lautet: Ordnung und Recht. Kindlicher Glaube. Als ob nur dein Wille Vater im Himmel, entſchloſſen zum Tode, Waltete, wenn du dein Donnerwort rufſt. Knien wir vor dir. O antworte nun.
Hoch über dir, in ewiger Stille, Iſt noch ein Volk, das dem hehren Gebote,
Steht das Geſetz, das du ſelber dir ſchufſt. Redlicher dient als wir Deutſche es tun? Nichts wird vollendet u. nichts wird begonnen, Gibt es ein ſolches? Dann, Ewiger, ſpende
Ohne das eherne Muß dieſer Pflicht; Schickſalsgewaltig ihm Lorbeer und Sieg. Ihm nur gehorchend kreiſen die Sonnen, Vater, du lächelſt? O Glück ohne Ende
Branden die Meere und wandert das Licht;! Auf und hinein in den heiligen Krieg! Gott ſegne Deutſchlands Waſſen gegen unſere Feinde auch weiterhin, Gott ſegne aber auch un- ſeres Vaterlandes Leiter! Unſer Kaiſer und König, Wilhelm II., Hort des Friedens, aber auch Meiſter des Schwertes, er lebe hoch! Am 15. Oktober übernahm Kaplan Hölzer den katholiſchen Religionsunterricht. Kand. Melcher wurde bis 2. November beurlaubt. Am 21. Oktober verließ Kand. Nifke die Anſtalt wegen Einberufung zum Heer. Am 3. November wurde der Kurſus der landw. Winterſchule mit 7 Schülern eröffnet. Am 1. Dezember verließ Kand. Völlmer die Anſtalt wegen Einberufung zum Heer. Am 22. Dezember fand eine Weihnachtsfeier der Schüler in Gegenwart des Lehrer⸗ kollegiums und des Seminars ſtatt. Vom Kuratorium waren die Herren Bürgermeiſter Karthaus und Hofrat Herz erſchienen. Nach Chorgeſang, Deklamation und muſikaliſchem Vortrag von 8 Schülern(Klavier und Violinen) hielt Herr Hofprediger Scheerer eine zündende Anſprache. Ein Lied des Schülerchors ſchloß die Feier.
*) Anm. Gedicht„Deutſchland“, verfaßt von Dietrich Eckardt.
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