Jahrgang 
1898
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V, VI ſollen den Schülern die wichtigſten Varietäten der Kulturpflanzen bieten, auf ihnen findet ein dreijähriger Wechſel ſtatt. Im Sommer 1897 trug Abteilung IV getreideähnliche Gewächſe, ſowie Geſpinſtpflanzen, Abteilung V war mit Leguminoſen und ſonſtigen Futter⸗ pflanzen bebaut, während Abteilung VI für Hackfrüchte beſtimmt war. Indem von jetzt an die drei Felder mit einander in Wechſel treten, wird der Boden vor übermäßiger Verſchlech⸗ terung geſchützt. Auf der Abteilung VII dienen drei Parzellen zur Vorführung einer ver⸗ beſſerten Dreifelderwirtſchaft, während die vierte Parzelle Beerenobſt tragen ſoll. Abteilung VIII iſt für den Anbau von Gemüſe etc. hergerichtet. Die außer den 8 größeren Revieren noch vorhandenen kleineren Flächen ſollen zur Anlage einer kleinen Baumſchule verwendet werden.

Im Jahre 1896 kamen folgende Pflanzen zum Anbau(die Zahlen bedeuten die Zahl der Varietäten):

1. Getreide und ähnliche Pflanzen: Roggen 2, Gerſte 2, Hafer 2, Weizen 1, Mais 7, Hirſe 5, Buchweizen 3.

2. Hülſenfrüchte und Futterpflanzen: Erbſen 3, Vietsbohne 3, Pferdebohne 3, Lupine 4, Linſe 2, Wicke 6, Klee 6, Luzerne 3, Seradella, Spörgel, ülrettich, Wickfutter, Gräſer 27, Kleegrasgemenge. Waldplatterbſe, Ginſter, Griechiſch Heu, Beſenpfriemen, Spitzwegerich, Schafgarbe, Pimpinelle.

3. Wurzeln und Knollen: Kartoffel 30, Topinambur, Zuckerrübe 2, Runkelrübe 10, Möhre 5,

4. Ölpflanzen: Glmad, Dotter, Seſam, Lallemantia, Mohn 2, Senf, Raps, Rübſen, Sonnenblume 2.

5. Geſpinſtpflanzen: Lein 3, Hanf.

6. Gewürzpflanzen: Anis, Kümmel, Fenchel, Dill, Koriander, Schwarzkümmel.

7. Gemüſepflanzen: Küchenkräuter ca. in 20 Varietäten.

Zu beſonderen Beobachtungen gab der Sommer 1897 keine Veranlaſſung. Bei der hohen Lage des Feldes mit ſeinem zähen, noch etwas rohen Boden iſt die anfängliche Ent⸗ wickelung der Pflanzen gewöhnlich ſehr langſam, erſt nach und nach holen die weniger em⸗ pfindlichen Gewächſe das Verſäumte nach. Das trifft auch für das Jahr 1897 zu. Getreide und Futtergewächſe zeigten im allgemeinen üppigen Stand. Die Schmackhaftigkeit der Kar⸗ toffeln war ſehr mangelhaft, Gemüſe entwickelte ſich ſehr mäßig. Die Obſtbäume, welche zum Teil eines baldigen Erſatzes bedürfen, trugen infolge der ungünſtigen Blütezeit faſt gar nicht, nur einige Birnenſorten machten eine Ausnahme. Im Herbſt wurden mehrere neue Baum⸗ gruben aufgeworfen, in welche im Frühjahr 1898 junge Bäume eingeſetzt werden ſollen. An 12 Bäumen wurden Verſuche mit Wellpappklebegürteln angeſtellt, welche aber noch nicht ab⸗ geſchloſſen ſind. Über alle laufenden und beſonderen Arbeiten im Verſuchsfelde wurden die Schüler der oberen Klaſſen orientiert. Diejenigen Schüler, welche am Geſangunterricht nicht teilnahmen, wurden je nach Bedürfnis zu praktiſchen Arbeiten herangezogen.

B. Das untere Verſuchsfeld, Größe ca. 27 a. Dasſelbe iſt lediglich der Be⸗ nutzung der Schüler überlaſſen, indem einem jeden nach ſeinem Wunſche eine mehr oder minder große Fläche überwieſen wird, auf der er zum Teil ſolche Pflanzen zieht, welche ihn beſonders intereſſieren, oder Pflanzen, welche für den botaniſchen und landwirtſchaftlichen Unterricht nötig ſind. Die Erträge erſterer Pflanzen können die Schüler nach eigenem Er⸗ meſſen verwenden; Saatgut, Setzpflanzen, ſowie Dünger und Geräte liefert die Anſtalt. Wie früher war auch im Sommer 1897 das Feld den Schülern täglich 12 Stunden lang geöff⸗ net, die Aufſicht und ſpezielle Unterweiſung nahmen abwechſelnd die Herren Seminarmitglie⸗ der wahr.

Da der Boden durch den Anbau mit ſo zahlreichen Pflanzen einer ſtarken Abnutzung unterworfen iſt, auch leicht an Verunkrautung leidet, ſo iſt für die Zukunft alljährlich der Ausſchluß einer Abteilung des Bodens geboten und vorgeſehen.

Mit der eigentlichen Landwirtſchaftsſchule ſind verbunden: 1) eine landwirtſchaftliche Winterſchule; 2) landwirtſchaftliche Unterrichtskurſe für Elementarlehrer; 3) ein pädagogiſches Seminar für Kandidaten des landwirtſchaftlichen Lehramts.

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