‿ ¼ 4 Schulnachrichten.—
Die Landwirtſchaftsſchule zu Weilburg, an Stelle des 1876 aufgehobenen Königl. land⸗ wirtſchaftlichen Inſtituts zu Hof Geisberg bei Wiesbaden begründet, am 10. Oktober 1876 eröffnet und nach dem Reglement für die preußiſchen Landwirtſchaftsſchulen vom 10. Auguſt 1875(mit den Abänderungen vom 15. November 1892) organiſiert, iſt eine Berufsſchule, welche ihre Zög⸗ linge für den mittleren landwirtſchaftlichen Lebensberuf vorbereiten ſoll. Sie hat daher den Zweck, ihre Zöglinge zu derjenigen allgemeinen körperlichen, ſittlichen und Verſtandes⸗Bildung zu führen, welche für den einjährig⸗freiwilligen Militärdienſt erfordert wird, und ihnen zugleich diejenige natur⸗ wiſſenſchaftliche und wirtſchaftliche Fachbildung zu gewähren, welche für den mittleren Landwirt⸗ ſchaftsbetrieb gebraucht wird.
Durch Erlaß des Reichskanzlers iſt ſie ſeit 1879 proviſoriſch, ſeit 1887 definitiv berechtigt, ihren Schülern nach entſtandener Entlaſſungsprüfung Zeugniſſe der Reife mit der wiſſenſchaftlichen Befähigung für den einjährig⸗freiwilligen Militärdienſt zu erteilen.
Die Anſtalt reſſortiert vom Königl. preußiſchen Miniſterium für Landwirtſchaft, Domänen und Forſten und iſt der Königl. Regierung zu Wiesbaden unterſtellt. Außerdem beſteht für die⸗
ſelbe ein Kuratorium, deſſen gegenwärtige Zuſammenſetzung folgende iſt:
1. v. Tepper⸗Laski, Königl. Regierungspräſident in Wiesbaden, Vorſitzender;
2. Hildebrandt, Regierungs⸗ und Schulrat in Wiesbaden;
3. von der Malsburg, Vorſttzender des Direktoriums des landwirtſchaftlichen Zentralvereins
für den Regierungsbezirk Kaſſel;
4. Domänenpäͤchter Ph. J. W. Knapp, Hof Gnadenthal bei Dauborn, Delegierter des Vereins naſſauiſcher Land⸗ und Forſtwirte; Freiherr v. d. Goltz, Königl. Landrat in Weilburg; Schaum, Bürgermeiſter in Weilburg; Moſer, Bürgermeiſter⸗Stellvertreter in Weilburg; Rudolf Herz, Banquier in Weilburg; 9. Matzat, Direktor der Landwirtſchaftsſchule. 4
Die Landwirtſchaftsſchule beſteht aus drei Klaſſen von Tertia aufwärts(III, II, I) und hat außerdem zwei Vorſchulklaſſen(V, IV), jede mit einjährigem Kurſus. Das Schuljahr läuft von Oſtern zu Oſtern. Regelmäßige Aufnahmen finden im April und Oktober ſtatt. Verſetzt wird aus V und IV in der Regel nur Oſtern; dagegen von III aufwärts halbjährlich(zum Oſter⸗ und Herbſttermin), ſo daß Schüler, welche hier im Herbſt eintreten, auch wieder im Herbſt aufrücken, andere, welche in einem Jahre es nicht bis zur Verſetzung bringen, dieſelbe nach einem weiteren Halbjahr erreichen können. Der Lehrplan der Anſtalt iſt folgender:
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Vorſchule Landwirtſchaftsſchule
V IV III 1 I
1. Turnen 4 4 2 2 2 2. Geſang 2 2 1 1 1 Religion.. 2 2 1 1 1 Deutſch und Geſchichte 6 8 7 7 7
3. Schreiben. 2———— Franzöſiſch 6 6 4 4 4
4. Erdkunde.. 2 2 2 2 2 Zoologie und Botanik.. 2 2 6 2 2 Phyſik, Chemie und Mineralogie— 2 6 5 5
5. Rechnen und Mathematik 4 4 5 4 4 Zeichnen....... 2 2 2 2 2
6. Landwirtſchaftslehre.....——— 7 7 32 34 36 37 37
zuſammen wöchentlich Stunden


