15
des Prüfungsausſchuſſes ſtatt. Am z1. Oktober nahmen die evangeliſchen Lehrer und Schüler an der kirchlichen Gedenkfeier der Reformation teil, bei der der Schülerchor und unſere Kapelle mitwirkten. Der Dezernent der Anſtalt, Herr Geheimer Regie- rungs- und Oberſchulrat Dr. Gerſtenberg, wohnte am 23. November dem Unterricht in mehreren Klaſſen bei.*)
Die Klaſſen O I bis U Il nahmen am 18. Februar 1928 an der in der Aula ſtattfindenden Tagung der Reichszentrale für Heimatdienſt teil. Die ſchriftliche Reifeprüfung fand in den Tagen vom 13. bis 17. Februar, die mündliche unter dem Vor- ſitz des Direktors am 15. März ſtatt. Der offizielle Schlußakt des Schuljahres fand am Nachmittag des 30. März in der feſtlich geſchmückten Aula ſtatt. Die Eltern unſerer Schüler und die Freunde der Anſtalt hatten ſich zahlreich eingefunden. Nachdem der Chor zur Eröffnung das Beethovenſche Lied„Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre“ geſungen hatte, wandte ſich der Direktor in ſeiner Anſprache zunächſt an die Eltern, die er um ihre ernſte Mitarbeit an der Erziehung ihrer Kinder bat, für die das Eltern- haus die Hauptverantwortung trage. Dann richtete er Worte des Abſchieds und Dankes an den ſcheidenden Studienrat Dr. Schwarte, der nach achtzehnjähriger verdienſtvoller und erfolgreicher Wirkſamkeit am Weilburger Gymnaſium eine ihm durch die vorge- ſetzte Behörde angebotene Stelle am Staatlichen Realgymnaſium in Wiesbaden ange- nommen hat. Herr Dr. Schwarte dankte in bewegten Worten; insbeſondere galt ſein Abſchiedsgruß den Schülern, die er unter Zugrundelegung des Wortes:„Blick auf zu den Sternen gib Acht auf die Gaſſen“ auf ihre beſonderen Pflichten als Menſch und Staats- bürger hinwies. Die Abſchiedsrede des Abiturienten Karl Oſterhage behandelte das The- ma„Aus Naſſaus älteſter Geſchichte“. Der Unterprimaner Willi Rotter rief den Schei- denden Abſchiedsworte zu. Nachdem der Chor das Comitat von Mendelsſohn-Bartholdy geſungen hatte, erfolgte die feierliche Entlaſſung der Abiturienten durch den Direktor. Das Lied„Aus der Jugendzeit“ ſchloß die Feier. Die„Wilinaburgia“ hatte auch in die- ſem Jahre Bücherprämien zur Verteilung an gute Schüler geſtiftet. Es erhielten Prä- mien der Sextaner Wilhelm Hirſchhäuſer, der Quintaner Heinrich Bernhardt, die Quar- tanerin Helene Neumann, der Untertertianer Walter Becker, der Obertertianer Richard Stahl, der Unterſekundaner Ernſt Löw, die Oberſekundaner Fritz Glöckner und Her- mann Keiner.
Am letzten Schultage, dem 31. März, fand die Aufnahmeprüfung für die Sexta des nächſten Schuljahres ſtatt, bei der gemeinſam mit Mitgliedern des Lehrerkollegiums die Herren Lehrer Schäfer aus Weilburg, Duill aus Waldhauſen, Waſſum aus Ahauſen und Schnurr aus Odersbach prüften.
7. Erlaſſe und Verfügungen der Behörden. 1. Miniſterialerlaß vom 3. November 1927— UIII 2542 U II.
Am 1. Mai 1928 werden in die ſtaatlichen Pädagogiſchen Akademien je zo Stu- denten neu aufgenommen, und zwar in Elbing und Kiel zur Ausbildung evangeliſcher Volksſchullehrer und Jehrerinnen, in Bonn zur Ausbildung katholiſcher Volksfchulleh- rer und in Frankfurt a. M. von Volksſchullehrern und Jehrerinnen.
Der Bildungsgang iſt zweijährig. Studiengebühren werden nicht erhoben. Unter gewiſſen Vorausſetzungen können Studienbeihilfen gewährt werden. Internate ſind mit den Akademien nicht verbunden. Arbeitspläne ſind bei den Sekretariaten der Pädagogi- ſchen Akademien erhältlich. Das Aufnahmegeſuch iſt bis ſpäteſtens zum 15. März 1928 an eine der Pädagogiſchen Akademien zu richten.
*) Herr Geheimrat Gerſtenberg iſt am 23. Mai 1928 plötzlich mitten im Dienſte in Frankfurt a. M. einem Schlaganfall erlegen. Das Weilburger Gymnaſium verliert in ihm einen treuen, tatkräftigen Freund, wir Lehrer betrauern den herben Verluſt eines wohlwollenden und gütigen Vorgeſetzten, deſſen grundvornehme Perſönlichkeit jeder verehrte, der ihr nahekommen durfte. Er kam ſtets gerne nach Weilburg, deſſen ſtille und kräftige Luft ihm wohltat. Der Direktor nahm im Auftrage des Lehrerkollegiums am 26. Mai an der Beerdi- gung in Kaſſel teil.


