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Einen weiteren ſchweren Verluſt erlitt unſere Anſtalt durch das Ausſcheiden des 1ten Ober⸗ lehrers, Herrn Profeſſors R. Krebs, welcher ſeit Oſtern 1831 unausgeſetzt an dem hieſigen Gymnaſium als Hauptvertreter des claſſiſchen, insbeſondere des griechiſchen Unterrichts in Secunda und Prima, und beſtändiger Ordinarius der Secunda thätig geweſen iſt. Obwohl er noch gern länger gewirkt hätte, mußte er ſich doch mit Rückſicht auf ſein hohes Alter (72 Jahre) und körperliche Leiden, die es ihm unmöglich machten, alle ſeine Berufspflichten mit derſelben Anſtrengung und Ausdauer wie früher zu erfüllen, entſchließen, ein Geſuch um Penſionirung einzureichen. Dieſem Geſuche wurde durch Verfügung vom 21. März l. J. willfahrt; doch trat er erſt mit dem Schluß des Winterſemeſters, den 8. Apr il, aus ſeinem Dienſte aus. Ueber die Abſchiedsfeier ſ. u. die Jahres⸗Chronik.—
In die lte Oberlehrerſtelle rückte Herr Prof. Schenck, in die 2te Herr Prof. Stoll, in die 3te Herr Oberlehrer Ebhardt ein; die 4te wurde dem bisherigen lten oördentlichen Gymnaſiallehrer, Herrn Becker, übertragen. Aber eine neue Lehrkraft iſt uns bis jetzt für den ausgeſchiedenen Herrn Prof. Krebs nicht zu Theil geworden.
Kurz vor Beginn des Sommerſemeſters wurde ferner Herr Gymnaſiallehrer Dr. Bernh. Spieß an das Gymnaſium in Wiesbaden und an ſeine Stelle der Licentiat Herr Gym⸗ naſiallehrer Rich. Oertel, hierher verſetzt.
Ueber die neueingetretenen Lehrer laſſe ich die üblichen Notizen hier folgen:
Emanuel Bernhardt, geb. den 3. October 1821 zu Raubach, K reis Neuwied, iſt der Sohn eines evangeliſchen Geiſtlichen, der von dort im Jahre 1829 nach Seelbach, Amts Runkel, verſetzt wurde. Nach dem bald erfolgten Tode des Vaters beſuchte er 3 Jahre das Pädagogium in Hadamar, dann 1 Jahr lang das Privat⸗Pädagogium und 4 Jahre von Oſtern 1834 an das Gymnaſium zu Weilburg. Oſtern 1838 bezog er die Univerſität Göttingen, um Philologie zu ſtudiren. Nach dem Tode Otfr. Müller's ging er Oſtern 1840 nach Marburg, um C. F. Hermann zu hören. Im Jahre 1841 beſtand er die Staatsprüfung, hielt 1842 ſein Probejahr an dem Pädagogium zu Hadamar ab, leitete dann eine Priva tanſtalt in Bie⸗ brich, wurde im Sommer 1844 als Collaborator am Gymnaſium zu Weilburg angeſtellt und von da Oſtern 1846 an das Gymnaſium in Wiesbaden verſetzt, wo er zuerſt als Colla⸗ borator, dann als Conrector und von Oſtern 1861 an als Profeſſor fungirte. Durch Aller⸗ höchſte Ordre vom 17. Juli 1871 zum Gymnaſial⸗Director ernannt, erhielt er vom 1. Oct. deſſelben Jahres an die Leitung des Kgl. Dom⸗Gymnaſiums in Verden(Prov. Hannover). Von da wurde er durch Miniſterial⸗Verfügung vom 12. October 1875 in die Directorſtelle am Gymnaſium zu Weilburg verſetzt.
Richard Gropius, Sohn des Königl. Oberſtaatsanwalts Gropius zu Naumburg a. der Saale, wurde am 8. Mai 1843 zu Schweidnitz geboren, beſuchte das Gymnaſium zu Ma⸗ ria Magdalena in Breslau und das Domgymnaſium in Naumburg, wiidmete ſich auf den Univerſitäten Tübingen, Heidelberg, Bonn und Halle dem Studium der Philologie und beſtand im Jahre 1869 zu Halle das Examen pro facultate docendi. Von Oſtern 1868 bis Oſtern 1869 war er am Progymnaſium zu Weißenfels beſchäftigt, leiſtete dann von Michaelis 1869 an ſein Probejahr am Domgymnaſium zu Naumburg ab und wurde daſelbſt am 1. Juli 1871 als ordentlicher Lehrer angeſtellt. Im Herbſt des Jahres 1874 wurde er als Oberlehrer an das Fürſtliche Gymnaſium in Arnſtadt berufen, von wo er hierher kam. Im Jahre 1872 ſchrieb er die Abhandlung zum Oſterprogramm des Naumburger Gymnaſiums über:„Das erſte Vierteljahr des lateiniſchen Unterrichts in Sexta.“ Einen Artikel„zur


