Jahrgang 
1926
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Es iſt natürlich nicht angängig, beſtimmte Themen feſtzulegen. Die Ober⸗ ſchule würde es aber ſehr begrüßen, in Zuſammenarbeit mit den Lehrern und Lehrervereinen Normen feſtzulegen, die den Verſchiedenheiten der Schulen des Bezirks angepaßt ſind, ſoweit Zeit und Entfernung das ermöglichen. Richt⸗ linien des Kultusminiſteriums hierfür ſind zu erwarten.

Aus dem Geſagten ergibt ſich, daß das Bildungsziel der Oberſchule nichts mit dem früheren Seminar und der ehemaligen Lehrerausbildung gemeinſam hat. Der Lehrerberuf erfordert in Zukunft das Reifezeugnis einer Vollanſtalt und das Studium auf einer pädagogiſchen Akademie. Das Reifezeugnis kann auf der Oberſchule in Aufbauform wie auf jeder andern Vollanſtalt erworben werden.

Ein anderer weſentlicher Unterſchied betrifft die finanzielle Seite. Der Oberſchule in Aufbauform ſtehen keinerlei beſondere Staatsvergünſtigungen für Schüler zur Verfügung. Sie hat, wie alle höheren Schulen, nur das Recht, 20 Prozent des eingehenden Schulgeldes zur Befreiung von Schulgeld, zu Erziehungsbeihilfen und für eine Hilfsbücherei zu verwenden. Aus der Hilfs⸗ bücherei ſollen würdigen, unbemittelten Schülern während der Schulzeit die Lehrbücher geſtellt werden. Das Schülerheim iſt mit der Schule trotz engſter Intereſſengemeinſchaft wirtſchaftlich nicht verknüpft, da es von privater Seite, dem Evangeliſchen Verein für innere Miſſion in Naſſau, eingerichtet worden iſt und auf gemeinnütziger Grundlage geführt wird. Das Schülerheim muß ſich ſelbſt tragen, d. h. Einnahmen und Ausgaben müſſen ſich decken. Der Penſions⸗ greis iſt ſo niedrig bemeſſen, daß Freiſtellen nicht vergeben werden können. Kapital beſitzt das Schülerheim nicht. Die Schule iſt dauernd bemüht, für das Schülerheim Stiftungen zu Freiſtellen zu erhalten.

Die jährlichen Koſten des Schulbeſuchs betragen deshalb rund 900 bis 1000 Mark.(600 Mark Schülerheim, 200 Mark Schulgeld, 100 Mark Bücher, Hefte, Ausflüge, Turnkleidung). Im erſten Schuljahr wird in der Regel keine Freiſtelle gewährt, da ſich ein Schüler bewähren ſoll. Denn es dürfen die Be⸗ vorzugungen nur an hervorragend begabte und würdige Schüler vergeben werden.

Das Gedeihen der Oberſchule in Aufbauform wird davon abhängen, ob unſere Landbevölkerung die großen Opfer bringen will, um tüchtige Landkinder in die höheren Berufsſchichten hinaufzuführen. Es erwächſt hier den Kreiſen die große und dankbare Aufgabe von allergrößter Wichtigkeit, durch dauernde Bereitſtellung von Mitteln die Förderung der geiſtigen Ausleſe der Landkinder zu verwirklichen.

VI. Chronik der Anſtalt.

Zu Anfang des Schuljahres kam Herr Oberregierungsrat von Bamberg vom Provinzialſchulkollegium in Kaſſel nach Uſingen, um in einer gemeinſamen Sitzung mit dem Vertreter der Stadt, des ſtaatlichen Hochbauamtes und dem Leiter der Anſtalt die noch von dem Staate und der Stadt zu leiſtenden Bau⸗ arbeiten zu beſprechen. Der Herr Miniſter genehmigte weitere Baumittel, Kreis und Stadt ſtellten die Summen zur Einrichtung des Phyſik⸗ und Chemie⸗Lehr⸗ raumes einſchließlich der Verſuchstiſche mit Anſchlußleitungen für Licht⸗ und Kraftſtrom und Waſſer zur Verfügung. Alle Arbeiten wurden im Berichtsjahre beendet, ebenſo die Umräumung der verſchiedenen Sammlungen und der Bib⸗ liothek.

Am 24. 8. 1926 führte Herr Oberſchulrat Prof. Dr. Zühlke vom Pro⸗ vinzialſchulkollegium in Kaſſel den Direktor in ſein neues Amt ein. Bei der gemeinſamen Feier in der Aula waren als Vertreter des Kreiſes Herr Landrat

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