2283 in der Sprache des gewöhnlichen Lebens. Chemische Kunstausdrücke tauchen nach und nach und erst dann auf, wenn man sicher sein kann, dass der Schüler den Begriff, welchen der Ausdruck bezeichnet, sich schon zu eigen gemacht hat. Der Schüler bekömmt gleich beim Ein- tritt in die Wissenschaft eine Ahnung von der Aufgabe derselben, er erfährt, dass die Experimente einem ganz bestimmten Zwecke dienen, indem sie die Mittel bieten mit dem geistigen Auge zu sehen, wo das körperliche nicht mehr ausreicht, und legt man Gewicht darauf, dass der methodische Unterricht in den beobachtenden Naturwissenschaften gleich von vorn herein zum selbstthätigen Denken anregt, so bieten diese Kapitel hierzu Stoff genug. Auch der materielle Gewinn an Wissen ist kein unbedeutender; die historische Entwicklung der Che- mie als Wissenschaft, die doch erst seit der Entdeckung des Sauer- stoffes datirt, die Kenntniss der chemischen Elemente, das Wesen der chemischen Verbindung; ferner ein Einblick in die eigentliche Aufgabe der Chemie als Zweig der beobachtenden Naturwissenschaft, und die charakteristischen Unterscheidungsmerkmale chemischer und physika- lischer Vorgänge ist eröffnet und festgestellt.
Der zweite Abschnitt macht in formeller Hinsicht schon höhere Anforderungen an die Schüler. Der Ton der Sprache geht immer mehr und mehr aus dem gewöhnlichen in den der Wissenschaft über, der Schüler lernt die chemischen Verbindungen durch chemische For- meln ausdrücken und den quantitativen Erfolg berechnen. Der Gewinn nach materieller Seite besteht zunächst in der Auffindung der Gesetze der constanten und multiplen Verhältnisse, dann durch Einführung der Begriffe: Atom- und Moleculargewicht und der chemischen Aequivalente.
Der 3. Abschnitt stellt zunächst an das Gedächtniss der Schüler grössere Anforderungen als die früheren, während eine nur unbedeu- tende Ausbeute für Theorie und Verstandesthätigkeit übrig bleibt. Bei diesem Abschnitt aber wird sich namentlich der Nutzen zeigen, den eine chemische Vorschule in der Anschauung haben würde. Der theo- retische Gewinn ist eigentlich nur negativer Art, durch Betrachtung der Constitution und durch Analyse verschiedener Salze gelangt man zu dem Schluss:„es lässt sich nichts allgemein Giltiges über die innere Natur der Salze aussagen“. Allein gerade dieser negative Erfolg übt unbedingt den Reiz aus, Mittel aufzusuchen, welche besser als die bis- herigen im Stande sind, uns über diese Ungewissheit hinaus zu helfen. Zum Erstenmale dürfte sich hier in dem Schüler der Trieb nach Er- forschung des noch Unverständlichen geltend machen, vorausgesetzt, dass der Lehrer einen Werth darauf legt, hiezu die Hand zu bieten.


