22. durch häufiges Anschauen, Anfühlen u. s. w. eine Vertrautheit mit Gegenständen, deren Kenntniss ihm für den späteren erklärenden Unter- richt unentbehrlich ist, welche aber wenn sie erst zu der Zeit, wo dieser Unterricht jetzt beginnt, gewonnen werden soll, erfahrungs- mässig zu einem unsicheren Eigentum wird. Eine Berechtigung, ja Notwendigkeit derartiger Versuche kann von keinem einsichtsvollen Pädagogen bestritten werden, der zugibt, dass jeder Unterrichtsge- genstand den nötigen Boden und die nötige Lebensluft zu seiner Entwicklung beanspruchen darf. Dabei wird der Elementarschule keine Ueberbürdung erwachsen, auch keinem anderen Unterrichtszweige die ihm nötige Zeit entzogen, wenn statt die Naturbetrachtungen auf Thiere, Pflanzen, Mineralien u. s. w. zu beschränken, dieselbe auf Chemikalien und deren Verhalten ausgedehnt wird. Indem so die Schule ihrem eigenen Interesse dient, legt sie zugleich den Grundstein für spätere Organisation des gesammten chemischen Unterrichtes.
An Mittelschulen geht alsdann der Unterricht von thatsächlichen auf gute Beobachtung gegründeten Erfahrungen aus, zerlegt dieselben in ihre einzelnen Bestandteile, stellt die gleichartigen Erscheinungen zusammen, und sucht die gemeinsamen Ursachen herauszufinden. Bei solchem Vorgang, wie ihn die inductive Logik erheischt, können aber nicht die Elemente die Hauptabschnitte, nicht deren Verbindungen die weiteren Abteilungen des Lehrgangs bezeihnen, sondern die Reac- tionen sind der natürlichste Einteilungsgrund, denen sich erst die Elemente und ihre Verbindungen unterordnen. Mit den einfachsten Reactionen muss begonnen werden, gleichgiltig, welche Elemente sich daran beteiligen und zu immer mehr complicirten fortgeschritten wer- den; die Körper selbst, sind nur das Material zur Formung und Ent- wicklung des chemischen Gedankens. Die Hauptabschnitte wären etwa folgende:
1. Die Oxydationserscheinungen oder das Verhalten des Sauer- stoffes zu den übrigen Elementen.
2. Sulphide und Chloride.
3. Die doppelt binären Verbindungen oder Salze.
4. Die Hyper- und Suboxydation und die ihr analogen Erschei- nungen..
5. Die Wasserstoffverbindungen.
Der sachliche Inhalt des 1. Abschnittes ist sehr beschränkt, die Zahl der Körper, die zu merken sind, eine geringe; dem entspricht auch in methodischer Hinsicht eine ganz elementare Behandlung des Stoffes. Die Einführung in die Wissenschaft geschieht absichtlich ganz


