Jahrgang 
1872
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Aufgabe der Volksschule wäre, die chemische Anschauung zu cul- tiviren, und eine möglichst grosse Zahl chemischer Vorstellungen zu gewinnen; die Mittelschule aber sollte die Erklärung der Erscheinun- gen bieten, Einheit und logischen Verband in die chemischen Anschau- ungen bringen und die Pforten der Theorie eröffnen.

Um nur einige Hauptpunkte anzudeuten, wären für die Zeit der Volksschule behufs Ausfüllung jener Lücken in der Vorstellungswelt des Knaben im Gebiet der Chemie etwa nachstehende Versuche an- gezeigt:

1. Die Lösbarkeit der verschiedenen Körper in verschiedenen Mitteln nebst Vorführung der Umstände, welche dieselbe befördern oder verhindern. Hiebei werden Ausdrücke, wieabsetzen, abgiessen, filtriren, Bodensatz, Lösung, gesättigte Lösung, nicht gesättigte Lösung, Krystallisation, geläufig und dem jugendlich empfänglichen Geiste dauernd eingeprägt.

2. Auf einer weiteren Stufe könnte mit der Kenntniss der Metalle der Versuch gemacht werden; man gewinnt dadurch die Vorstellungen der specifischen Gewichte, Dehnbarkeit, ihr Verhalten gegen Wasser, verschiedene Säuren, verschiedene Grade der Schniͤelzbarkeit u. s. w.

Der Schüler, der auf solche Weise schon reich an Erfahrungen geworden ist, lernt allmälich die Bedingungen herausfinden, unter wel- chen eine oder die andere der genannten Erscheinungen eintritt, ohne dass der Lehrer nötig hätte diesen Grad der Beobachtung speciell zu cultiviren; denn die Zeit wo die Frage nach demWarum in den Unterricht eintritt, ist noch nicht gekommen; trotzdem wird der Lehrer auch schon auf dieser Stufe leicht diejenigen seiner Schüler heraus- finden, die einst eine rührige Betätigung auf den höheren Stufen des Unterrichts in Aussicht stellen, und kann immerhin derartige kleine Anfänge, so weit es thunlich, begünstigen und fördern helfen.

Bei allen Uebungen muss aber vornehmlich darauf gesehen werden, dass der Schüler das, was er gesehen hat, sich auch dauernd merke; denn nur dadurch kann sich die Fähigkeit der Beobachtung entwickeln und ohne diesen Erfolg bliebe der Unterricht bedeutungslos. Die beobachteten Gegenstände und Erscheinungen müssen mit allen Ein- zelnheiten vollkommen das Eigentum des Bewusstseins werden, dies lässt sich aber nur dann erreichen, wenn dieselben Objecte immer wieder vorgeführt und unter einander verglichen werden, bis alles Zweifelhafte und Unsichere daraus verschwunden ist. Auf solche Weise begeht der Schüler an der Hand des Lehrers ein Gebiet, welches ab- seits vom Wege der gewöhnlichen Lebenserfahrung liegt. Er gewinut