In der Regel beginnen die Lehrbücher, gleichgiltig, welchem Zwecke sie dienen sollen, mit einer allgemeinen Einleitung, welche die wenigen Lehren in ganz abstracter Form vorausschickt. Die specielle Seite be- ginnt mit dem Sauerstoff, nimmt die anderen Metalloide und die Metalle der Reihe nach durch, bespricht die Verbindungen und Reactionen und wenn das letzte Element behandelt ist, schliesst auch das Lehrbuch.
Durch ein derartiges Vorgehen wird ein Eindringen in den Geist der Chemie, d. i. die Fähigkeit, das Walten der chemischen Kräfte zu überschauen, das mögliche Resultat einer einfachen, früher nicht be- obachteten Reaction vorauszusehen, kaum erreicht. Ist es Aufgabe des Unterrichtes, den Geist zum Denken anzuregen, und mit dem Material des Gegenstandes nach logischen Gesetzen operiren zu lehren, so ist wahrlich die Logik das Erste, was man an ihnen vermisst.
Man wird darauf einwenden, dass ein gereifter Verstand und das nötige Interesse für das Fachstudium im Stande sein wird, durch eifri- ges Studium alle Lücken seines Wissens auszufüllen, und sich mit der Zeit den fehlenden Ueberblick zu verschaffen; wie aber steht es mit dem Jüngling, der mit seinem 14. Jahre aus der Schule ins Leben tritt? Ihm sind alle weiteren Mittel zur Fortbildung abgeschnitten, seinem Geiste fehlt die Richtung und das Geschick vielleicht auch wohl das Interesse, sich mit Dingen fernerhin zu beschäftigen, deren Bedeutung für die allgemeino Bildung er nicht begreift.
Wenn in dem Vorhergehenden das Interesse, welches die Schule als solche an der Lösung der besprochenen Fragen besitzen muss, be- tont wurde, so wird sich aus dem Inhalt des Nachfolgenden ergeben, dass in keinem Falle unüberwindliche Schyierigkeiten bestehen, um diesem Interesse zu genügen. Es gibt gewiss keine Schule, welche ganz ausser Stand ist, dem chemischen Teil der Naturlehre gerade die Berücksichtigung angedeihen zu lassen, welche ihrem Standpunkte angemessen ist.
Bei der Volksschule kann sich der chemische Apparat auf sehr wenige, leicht zu beschaffende Apparate und eine geringe Zahl gewöhnlicher Chemikalien beschränken; trotzdem wird sich damit eine grosse Menge chemischer Vorstellungen gewinnen lassen, und wenn die Volksschule dies erreicht, so ist sie ihren Anforderungen gerecht ge- worden.
Eine durchgreifende Organisation kann nur jene sein, welche die Chemie unter Berücksichtigung aller materiellen, insbesondere aber aller formellen Anforderungen, vom ersten Schuljahr an in den Lehrplan einreiht, und dann durch die ganze Schule consequent durchführt; die


