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reischen Einflusses nicht wegläugnen lassen, wie es Schleiermacher thut, sondern an einzelnen Stellen geradezu unverkennbar sind, z. B. in der Vorstellung über das Weltgebäude, so ist doch auch wieder zu beden- ken, dass Plato die erste Bekanntschaft mit pythagoreischer Lehre nicht erst auf seiner grossen ersten Reise, die sich auch auf Grossgriechen- land erstreckte, gemacht haben muss.
Ebensowenig können aber auch die für die frühe Abfassungszeit geltend gemachten Gründe als beweisend angesehen werden. Ein viel hervorgehobenes Moment ist die sogenannte„Jugendlichkeit“, durch welche sich der Phaedrus besonders charakterisiren soll. Diese findet man bald in der eigenthümlichen poetischen Jugendfrische der Darstel- lung, bald(namentlich Schleiermacher) in einer sich bekundenden ju- gendlichen Unreife. Das erstere beweist gar nichts für die Abfas- sungszeit. Steht doch die Abfassungszeit des Symposion'’s durch den in demselben sich, vorfindenden Anachronismus über den ιιαμι der Mantineer fest, und doch kann auch in diesem Dialog eine rege poe- tische Kraft nicht verkannt werden. Und was den zweiten Punkt be- trifft, so bemerkt Ueberweg in seinen Untersuchungen p. 254 mit Recht, dass die dafür geltend gemachten Gründe theils gar nicht unter diesen Gesichtspunkt fallen, theits recht eigentlich auf eine petitio principii zurückgehen, die erst dann Geltung haben können, wenn nachgewiesen ist, dass die Abfassungszeit so früh anzusetzen ist. Namentlich findet Schleiermacher einen epideiktischen Charakter im Phaedrus. Allein dass der platonische Sokrates der lysianischen Rede zwei Reden ent- gegenstellt, ist, wie Ueberweg treffend bemerkt, in keinem Falle epi- deiktisch, sondern durch den Plan des Dialoges nothwendig bedingt. In der echt sokratischen Verachtung des Schreibens und rednerischen Treibens findet Schleiermacher den Gipfel der smlεαιει. Dies wäre aber nur dann epideiktisch, wenn Plato als junger Mann so redete, der selbst nur erst als Schriftsteller auftrat. Ebensowenig dürfen wir uns den Schluss erlauben, den Krische aus der„frischen und lebhaften Cha- rakterzeichnung, sowie den rein erhaltenen Formen echter Sokratik“ zu ziehen sucht, dass Plato seinem Lehrer der Zeit nach noch nahe gestanden sein müsse, als er den Phaedrus abfasste, weil sich die ge- nannte Eigenthümlichkeit dieses Dialoges nur auf solche Weise erklä- ren lasse. Und wenn Volquardsen(Phaedrus, Plato's erste Schrift, Kiel 1862) unter anderem behauptet, dass der Mythos im Phaedrus für die frühe Abfassungszeit spreche, weil er eben ein Beweis sei, dass Plato noch nicht dahin gelangt sei, streng dialektisch zu bestimmen, was er im Mythos auspricht, so ist das ebenfalls ein Argument sehr proble- matischer Natur.


