11. Chronik.
1. Veränderungen im Lehrerkollegium: a. Wie schon im vorigen Programme mitgeteilt wurde,
3.
verlieſs Herr Wagenknecht am Ende des Schuljahres 1889/90 unsere Anstalt, um eine Oberlehrerstelle an dem Gymnasium in Hanau zu übernehmen. Ich kann nicht umhin, an dieser Stelle nochmals der laugjährigen, eitrigen und in besonderem Mafse erfolgreichen Thätigkeit des genannten Herrn an der hiesigen Schule die vollste Anerkennung zu zollen und namens der Anstalt den aufrichtigsten Dank für alle dem Wohle unserer Jugend gewidmete Mühe und Anstrengung hier öffentlich auszusprechen.— An seine Stelle trat mit Beginn des neuen Schul-
jahres der ordentl. Lehrer vom Gymnasium in Hersfeld, Hr. Dr. Schotten.(Vertg. v. 11. Febr. 1890.)
Leonhard Georg Heinrich Sechotten, geb. zu Marburg am 3. Juli 1856, ev. Konfession, besuchte die Gymnasien in Marburg und zu St. Nikolai in Leipzig. Dann widmete er sich in Leipzig, wo er auch seiner mili- tärischen Dienstpflicht genügte, in Breslau, Berlin und Marburg dem Studinm der Mathematik, Physik und Philo- sophie und bestand am 16. Juni 1882 zu Marburg das Examen pro facultate docendi. Am 23. Juli 1883 erwarb er sich in Marburg auf Grund der Dissertation:„Ueber einige bemerkenswerte Gattungen der Hypocykloiden“ die philosophische Doktorwürde. Nach Ableistung des Probejahres am Lyceum Fridericianum zu Kassel blieb er an derselben Anstalt als Hilfslehrer bis zum Herbste 1885, zu welchem Zeitpunkte er in gleicher Eigenschaft nach Hersfeld versetzt wurde. Dort wurde er am 1. April 1888 als ordentlicher Lehrer angestellt. Am 1. April 1890 folgte er einem Rufe an das Realprogymnasium zu Schmalkalden.
b. In die durch Abgang des Herrn Dr. Iber Michaelis 1889 erledigte 4. ord. Lehrer- stelle rückte laut Verfügung des Kgl. Prov.-Schulkollegiums vom 18. Februar 1890 der wissen- schaftliche Hilfslehrer Herr Stengel ein.
c. Die wissenschaftliche Hilfslehrerstelle übernahm mit Anfang dieses Schuljahres Herr Wassermeier, der bis dahin als beauftragter wissenschaftlicher Hilfslehrer an der Anstalt thätig gewesen war.(Verfügung vom 18. Februar 1890.)
Eröffnung des Schuljahres Montag, den 14. April. 14 Schüler wurden anfgenommen, und zwar 11 nach Sexta, 1 nach Quinta, 2 nach Quarta.(Im Verlaufe des Sommersemesters traten dann noch 4 Schüler in die Anstalt ein, und zwar 1 in Sexta, 2 in Quarta und 1 in Obertertia.)
Ferien fielen vom 24. bis zum 28. Mal, vom 7. Juli bis zum 5. August, vom 29. September bis
zum 13. Oktober, vom 24. Dezember bis zum 6. Januar.
4. Ausflüge u. a. Am 23. Mai v. J. Ausflug mit den Schülern der oberen und mittleren Klassen
5.
nach Oberhof, Schmücke und Suhl. Die Sextaner und Quintaner begleiteten den Zug bis Stein- bach-Hallenberg, wo sie Halt machten und mehrere Stunden verbrachten. Am 22. Januar fuhren die Sekundaner unter Leitung des Herrn Glimm nach Meiningen, um der Aufführung von Lessings„Minna von Barnhelm“ beizuwohnen..
Schulfeierlichkeiten. Den 2. September begingen wir durch eine Schulfeier mit einer Rede
des Herrn Weidemann. Ebenso wurde auf höhere Anordnung am 26. Oktober, als am Geburtstage Moltkes, ein Aktus in der Aula der Anstalt veranstaltet, vei welchem Herr Stengel ein Lebens- bild des Gefeierten entwart.— Zur Feier des Geburtstages Sr. Majestät unseres Kaisers und Königs Wilhelm II. fand am 27. Januar ein Schulaktus in der Aula der Anstalt statt, bei welchem Herr Dr. Schotten die Rede hielt.— Der 18. Oktober und der 9. März wurden durch geeignete Gesänge und Ansprachen in den ersten Vor mittagsstunden als Gedenktage der hoch- seligen Kaiser Friedrich und Wilhelm gefeiert.


