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Jedenfalls haben wir aus dieser Anschauung heraus vorgezogen, bei unserer heutigen Schillerfeier den Dichter selbst zu Wort kommen zu lassen. In einer flotten, lebensprühenden Dichtung, dem ersten Stück seiner mächtigen Wallenstein-Trilogie, und in seinem unsterblichen Glockenlied, das in einer festgeschlossenen Reihe typischer Bilder den ganzen Kreis des mensch- lichen Lebens, des häuslichen wie des öffentlichen, umspannt, soll er heute Abend zu uns sprechen; und wenn wir im Gefühl unserer Unzulänglichkeit auch nur zaghaft uns in Spiel und Sang zum Dolmetscher dieser dichterischen Gebilde machen, so hoffen wir doch in unserer bescheidenen Wiedergabe ihre ganze Fülle und Tiefe wenigstens ahnen zu lassen. Was uns aber neben unserem Wohltätigkeitszweck zumeist bestimmt hat, den Versuch zu wagen und Ihrer Teilnahme zu empfehlen, das ist die Ansicht, dass er für die Schüler selbst, insbe- sondere die mitwirkenden, trotz aller Beunruhigung ihrer gewohnten Schularbeit auch mancherlei und überwiegend Gutes hat. Sie treten an die Dichtung einmal von einer anderen Seite und mit einer anderen Aufgabe heran, als sie von ihrem regelmässigen Unterricht her gewohnt sind, und die jugendliche Begeisterung, mit der sie sich an die neuartige, freilich allzu schwere Auf- gabe heranwagen, ist doch auch etwas wert und vermag wohl nachsichtige Beurteiler, besonders die Eltern, mit der dilettantischen Schwäche der Leistung zu versöhnen.
Noch bleibt mir die Aufgabe, zum leichteren Verständnis unserer schauspielerischen Darbietung mit wenigen Worten auf den Inhalt von Wallensteins Lager hinzuweisen. Das Stück ist nicht eigentlich ein Drama, sondern nur eine Reihe scenischer Bilder, dazu bestimmt, uns von der Buntscheckigkeit und der Stärke, besonders aber von dem Geist des Wallenstein- schen Söldnerheeres einen lebendigen Eindruck zu geben. Wallenstein, des Kaisers Feldherr im dreissigjährigen Krieg, geht im Verfolg seiner ehrgeizigen, auf den Erwerb einer Königs- krone gerichteten Pläne mit dem Gedanken um, sich von seinem kaiserlichen Herrn loszusagen und mit den feindlichen Schweden und Sachsen verräterisch zu verbinden. Er glaubt sich dabei auf sein Heer verlassen zu können, das in abergläubischer Furcht und Liebe zu dem vielbe- währten Feldherrn steht, aber es fragt sich doch, ob diese Anhänglichkeit auch bei Bekannt- werden seiner bisher sorgsam verschwiegenen hochverräterischen Absichten stichhalten und nicht. vielmehr vor einem Eidbruch gegen den obersten Kriegsherrn zurückscheuen wird. In Wien am kaiserlichen Hoflager dagegen hat man längst von den Plänen des gefährlichen Mannes Wind bekommen und sich neuerdings in seinem Verdacht bestärkt gefunden, als Wallenstein keinerlei Anstalt machte, Regensburg, das Hauptbollwerk der kaiserlich katholischen Partei. gegen den Ansturm der Schweden zu schützen. Gleichwohl wagt man nicht, offen mit ihm zu brechen, so lange er noch an der Spitze einer so gewaltigen Heeresmasse steht. Daher beschliesst man unter einem freilich sehr durchsichtigen Vorwand, einen beträchtlichen Teil seiner Truppen nach Flandern abzukommandieren und dadurch fürs erste seine Machtstellung zu erschüttern. Das nun ist die grosse Neuigkeit, die soeben im Lager bekannt wird und fast überall bei den selbstbewussten Mannschaften der verschiedenen Regimenter auf Unwillen und Widerstand stösst. Sie verabreden schliesslich, durch ihren Liebling, den jungen Reiteroberst Max Piccolomini, Einspruch gegen diese den Feldherrn wie sie alle bedrohende Intrigue zu erheben.
Im übrigen geht nun in reizvollem Wechsel Bild an Bild an unserem Auge vorüber, alle meisterlich komponiert und alle irgendwie die dämonische Macht von Wallensteins Persönlich- keit wiederspiegelnd. Wir sehen, wie unter der Geissel des furchtbarsten aller Kriege der Nührstand, zumal die Bauernschaft, leidet, wie der in dem Kapuziner vertretene Klerus gegen den kirchlich gleichgiltigen und duldsamen Feldherrn eifert, und wie in den einzelnen Ver- tretern all der Regimenter und Volksstämme immer eine besondere, typisch verschiedene Auf- fassung des wilden, aber auch von dem Hochgefühl männlicher Freiheit erfüllten Soldatenberufes jener Tage zu Worte kommt.


