Jahrgang 
1905
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gegangen, die gleich ihm auch verstanden haben, mit ihrem Pfunde zu wuchern. Und das ist sein Verdienst.

Aus gar ärmlichen Verhältnissen hervorgegangen, hat er unaufhörlich mit Not und Entbehrungen kämpfen müssen, bis ihm endlich gegen den Schluss seines Lebens in Weimar bessere Tage erblühten. Und dazu die immer wiederholten Beschwerden eines krünkelnden und bald hinsiechenden Körpers, der schon im 46. Lebensjahr dem Tode erlag. Aber wenn je einer die Probe gemacht und bestanden hat auf Kants stolze Behauptung, dass der Mensch durch die blosse Kraft seines Willens alle Krankheiten meistern könne, so war es unser Schiller. Nicht mit den leisesten Spuren verraten seine spüteren Werke, weder, wie sie unter dem Druck äusserer Not und Sorge entstanden, noch wie schwächlich das irdische Gehäuse war, in dem der mächtige Schöpfergeist wohnte, dem sie entstammten; alle atmen sie die hohe Heiterkeit einer unbeirrbar optimistischen Weltansicht, die aus dem Glauben und der Erfahrung hervor- ging, dass der Geist es ist, der sich den Körper baut, und dass ein jeder, wenn er nur will, die Schwungkraft in sich erzeugen kann, sich über allen Erdenjammer emporzuheben. Der dritte Feind aber, der ihm zu schaffen machte, war vor allen just der schlimmste: es waren die Dämonen in der eigenen Brust, die Leidenschaften, die sein junges, heisses Dichterherz durchtobten und sich in mancher Jugendverirrung wie in dem wildgenialischen UÜberschwang seiner Erstlingswerke entluden. Aber wirklich wundervoll ist es nun, den Werdenden von Stufe zu Stufe zu verfolgen und sich an dem Anblick zu erheben, wie hier ein Grosser mit sich selber kämpft und sich siegreich emporringt zu Klarheit und Schönheit und reinstem Adel der Seele. Schiller war ein Dichter und, wenn wir dem Urteil eines Goethe mehr trauen dürfen als dem halb schon überwundenen Modegeschmack unserer Tage, ein grosser Dichter, vor allem aber ein Held, der seine Leiden durch seine Taten besiegte. So hat er im Leben bewährt, was er geglaubt und mit der hinreissenden Kraft eines Propheten verkündigt hat: die könig- liche Freiheit des sittlichen Menschen. Gerade diesen immer volleren Einklang seiner hoch- gestimmten Dichtung mit seinem innersten Leben, den die raschfertigen Ankläger seiner idealistischen Stilrichtung übersehen, hat Goethe, der ihn am besten kannte, als das bezwingend Grosse und Eigenartige an ihm gepriesen:

Denn er war unser! Mag das stolze Wort

Den lauten Schmerz gewaltig übertönen!

Er mochte sich bei uns im sicheren Port

Nach wildem Sturm zum Dauernden gewöhnen! Indessen schritt sein Geist gewaltig fort

Ins Ewige des Wahren, Guten, Schönen,

Und hinter ihm in wesenlosem Scheine

Lag, was uns alle bändigt, das Gemeine.

Wohl unserem Volke, dass es ihn trotz zeitweiliger Entfremdung im ganzen doch leidlich verstanden und sich seinem Einfluss willig hingegeben hat. Er ist ein ungesehener Vorkämpfer den Schlachtreihen vorangezogen, die uns 1813 losrissen von dem Joch der Napoleonischen Fremdherrschaft, und hernach in den langen trüben Jahren politischer Ermattung, die jener glorreichen Volkserhebung folgten, ist er ein Mahner und Tröster geblieben für alle, die an der zukünftigen Grösse unseres Vaterlandes nicht verzweifeln mochten. Welch ein echter Jubel durchbrauste doch die deutschen Lande, als im Jahre 1859 sein hundertjähriger Geburtstag gefeiert ward. Entbehrte unsere Nation auch schmerzlich des Ersten, was ihr not tat, ihrer staatlichen Einheit, so war doch dies vieltausendstimmige Bekenntnis zu Schiller ein überzeugender Beweis dafür, dass alle Tüchtigen und Vorwürtsstrebenden sich eins wussten im Geiste. Und wenn der Begründer des neuen deutschen Reiches mehr als einmal betont, hat, dass die sorgsame Pflege der Imponderabilien eine entscheidende Vorbedingung gewesen

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