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richt am 31. 5. und 2. 9. anlässlich der Frühjahrs- und Herbstparade aus, ebenso am 27. 2. anlässlich der Einweihung des Berliner Domes.
Ein grösserer Tagesausflug wurde von allen Klassen am 17. 5. unter Führung ihrer Ordinarien nach verschiedenen Zielpunkten unternommen. Mehr unterrichtlichen Zwecken dienten die von einzelnen Klassen ausgeführten Besuche der Johannisthaler Wasserwerke, ferner der hiesigen gross- artig eingerichteten neuen Gasanstalt, der Kgl. Porzellanmanufaktnr, des Kolonialmuseums, des Aquariums, der Flottenschauspiele und des Museums für Völkerkunde.
Die alljährlich wiederkehrenden Schulfeste feierten wir in herkömmlicher Weise mit Gesängen, Deklamationen und Ansprachen. Am Reformationstage, an dem wir dem Untersekundaner Haupt die Reformationsdenkmünze der Stadt Berlin überreichten, sprach O.-L. Beschnidt, am Sedantage O.-L. v. Selle, am 18. Oktober zu Ehren Kaiser Friedrichs O.-L. Neumann, endlich zu Kaisers Geburtstag O.-L. Schmidt. Aber auch den 1. April als den 90. Geburtstag des Fürsten Bismarck mochten wir nicht ohne eine gemeinsame schlichte Feier in unserer Aula vorübergehen lassen.
Einen ungleich grösseren Aufwand an fleissiger Vorbereitung als diese Schulakte erforderte unsere Vorfeier des nahen Schillerfestes am 6. April. O.-L. Schilling hatte mit Untersekundanern und Tertianern, denen sich noch einige Schüler tieferer Klassen anschlossen,„Wallensteins Lager“ eingeübt und V.-L. Standke mit dem Schülerchor das„Lied von der Glocke“ in der Komposition Rombergs. Für die Solopartien waren berufsmässige Sänger engagiert worden, während mehrere Herren des Kollegiums sich freundlichst bereit finden liessen, die Klavierbegleitung zu übernehmen oder bei dem Chorgesang mitzuwirken. Da unsere Aula in ihrer gegenwärtigen Ausstattung sich leider zu derartigen Schüleraufführungen nicht eignet, so mussten wir die Feier in einen grösseren Saal im hiesigen Orte verlegen. Der Direktor leitete sie mit einer kurzen Ansprache ein, und O.-T. Schilling vermittelte den Übergang zu dem einen Hauptstück der festlichen Veranstaltung durch einen dichterischen Prolog, den er einem der darstellenden Schüler in den Mund legte. Was aber die Leistungen unserer Schüler in Sang und Spiel betrifft, so darf ich sagen, dass sie alle Erwartungen übertrafen. Ein erheblicher Anteil an diesem schönen Erfolge gebührt freilich den genannten beiden Herren, die kein Opfer an Zeit und Kraft gescheut hatten, um durch sorgfältige Einübung das Gelingen zu sichern. Das Publikum, das den grossen Saal bis auf den letzten Platz gefüllt hatte, kargte denn auch nicht mit seinem Beifall. Dieselbe Teilnahme fand die Wiederholung der Feier am nächsten Tage, und auch eine zweite Wiederholung am 11. April hatte noch immer einen zahlreichen Besuch herangezogen. Die Reineinnahme, die nach Abzug der sehr beträchtlichen Ausgaben für die Kostüme und der übrigen Unkosten verblieb, wurde in Höhe von ca. 490 Mark unserem Schulfonds für unbemittelte Schüler überwiesen. Für die mitwirkenden Schüler aber, besonders für diejenigen, die sich zum ersten Male auf den Brettern versuchten, wird, wie wir glauben, diese Schiller- ehrung nicht blos eine schöne Erinnerung bleiben, sondern auch eine Quelle tieferer Anregungen geworden sein, und mit dieser Hoffnung haben wir uns über die vielfachen Störungen getröstet, die nun einmal unvermeidlich mit der Vorbereitung eines so umfänglichen und schwierigen Schulunter- nehmens verbunden sind.
Zur Erinnerung an die von allen Seiten freudig begrüsste Feier mag die Ansprache des Unterzeichneten und der von O.-L. Schilling gedichtete Prolog hier zum Abdruck kommen. Die Ansprache lautete:
Verehrte Festgenossen, liebe Schüler! Es ist ein schönes Bedürfnis des menschlichen Herzens, auch über das Grab hinaus denen die Treue zu halten, die uns hier Liebes und Gutes erwiesen haben: wie sollte unser Vaterland, wie sollte die Welt nicht dem Manne die Treue halten, der nun seit mehr denn einem Jahrhundert ungezühlten Millionen bedürftiger Menschen ein Führer gewesen ist auf ihren Wegen und ein Freudenbringer zugleich! Gewiss ist er beides vornehmlich geworden durch die herrliche Gabe, mit der ihn vor der Geburt schon ein segnender Genius beschenkte, aber nur wenig Menschen sind über diese Erde


